Was für eine Aufgabe für einen Dirigenten! Er darf (oder muss) 200 Blasmusikantinnen und -musikanten den Takt angeben. Der Auftritt am kommenden Samstag im Reisezentrum Windisch ist nicht nur eine Premiere für den Dirigenten, sondern auch für alle Mitwirkenden. Die Bläserinnen und Bläser aus 60 Aargauer Vereinen treten normalerweise nicht gemeinsam auf. Die Idee, dass sie es dennoch tun könnten, hatte der Aargauische Musikverband.

«Es geht darum, dass die Verbundenheit der Blasmusik im Aargau gelebt wird», sagt Vorstandsmitglied André Keller. Bei 170 Vereinen mit insgesamt rund 4500 Mitgliedern, die dem Verband angehören, kann es schon passieren, dass sich die einzelnen Musikantinnen und Musikanten nicht mehr so nahe sind.

Eine ganz neue Erfahrung für viele Musizierende

Der Verband ist bekannt für seine ausgefallenen Ideen. Letztes Jahr haben 50 Vereine an 50 Orten im Aargau gleichzeitig ein Platzkonzert gegeben. Ein Stück spielten sie gar synchron. Damit das klappte, wurden Leinwände installiert, auf denen die Musikanten den Dirigenten sahen. Wo Leinwände fehlten, hielten die Dirigenten ein Smartphone in der Hand, auf dessen Bildschirm sie den Hauptdirigenten sahen und dessen Bewegungen folgen konnten.

Dieses Jahr spielen die Musikantinnen und Musikanten tatsächlich und nicht nur virtuell zusammen. Am Samstagmittag treffen sie sich zur einzigen gemeinsamen Probe. Dafür werden sie in drei Regionalorchester eingeteilt. Eines probt in Oberkulm, eines in Niederwil und eines in Hausen. Ab 17 Uhr treffen sie im Reisezentrum in Windisch ein, wo sie ab 19 Uhr die ersten Konzerte spielen. In der 1800 m2 grossen Halle, wo sonst die Eurobus-Flotte auf den nächsten Einsatz vorbereitet wird, treten zuerst die drei Regionalorchester auf, die am Nachmittag zusammen geprobt haben. Bereits diese sind mit 60 bis 70 Personen ziemlich gross. «Für die meisten Musikantinnen und Musikanten ist es eine neue Erfahrung, Teil eines so grossen Orchesters zu sein», sagt Keller. Dieses Gefühl wird ganz zum Schluss noch getoppt, wenn die drei Regionalorchester zum allerersten Mal zusammen spielen. 200 Trompeten, Oboen, Klarinetten, Posaunen, S-Horne, Saxofone und Querflöten auf einmal. «Die Halle wird beben», sagt André Keller.

Den aussergewöhnlichen Ort hat der Musikverband bewusst gewählt. «Wir wollten etwas Neues ausprobieren», sagt Keller. In Turnhallen oder Konzertsälen hätten die meisten schon einmal gespielt. In einer Halle, in der normalerweise Busse stehen, hingegen nicht. «Die Akustik wäre in einem Konzertsaal natürlich besser», sagt Keller. Aber die Akustik steht dieses Mal nicht im Vordergrund. Es geht um das Gemeinschaftsgefühl und das Erlebnis. Dieses dürfte nicht nur den Musizierenden, sondern auch dem Publikum noch lange in Erinnerung bleiben.