Windisch

Ein Jahr Strassensperre für Fussgänger und Velofahrer – dieser Einwohnerrat wehrt sich

EVP-Einwohnerrat Stefan Fehlmann nutzt die Reutenenstrasse als Arbeits- und Freizeitweg. Dass sie gesperrt ist, passt ihm nicht.

EVP-Einwohnerrat Stefan Fehlmann nutzt die Reutenenstrasse als Arbeits- und Freizeitweg. Dass sie gesperrt ist, passt ihm nicht.

Stefan Fehlmann stört sich daran, dass die Reutenenstrasse in Windisch während der Sanierung für den Langsamverkehr nicht zugänglich ist. Trotz Hinweisen ignorieren der Gemeinderat und die Verwaltung die Bedenken des EVP-Einwohnerrates.

Anfang August sind auf der Reutenenstrasse die Baumaschinen aufgefahren. Die Strasse ist sanierungsbedürftig. Um sie erneuern zu können, ist sie für den Verkehr gesperrt, auch für Fussgänger und Velofahrer. Das stört Stefan Fehlmann, der die Strasse als Arbeitsweg und in der Freizeit braucht.

Hintergrund: Erneuert werden nebst dem Belag der Reutenenstrasse auch die Schmutzwasser-, Wasser- und Elektroleitungen. Im Oktober 2018 stimmte der Einwohnerrat Windisch über die Kreditvorlage ab. 2,11 Mio. Franken kostet das Sanierungsprojekt. Im Beschrieb heisst es, dass der Durchgang für die Fussgänger nicht während der gesamten Bauphase gewährleistet werden kann.

EVP-Einwohnerrat Stefan Fehlmann nutzte die politischen Möglichkeiten. «Ich habe an der entsprechenden Sitzung den Gemeinderat und die Verwaltung darauf hingewiesen, dass es aus Anwohnersicht wenig Sinn macht, die ganze Strasse für ein Jahr zu sperren, obwohl nur Werkleitungen in Teilbereichen der Strasse ersetzt werden.» Er forderte, dass der Durchgang für die Fussgänger und für die Velofahrer möglich gemacht werden sollte. Der zuständige Gemeinderat habe ihm signalisiert, Lösungen zu prüfen.

«Ein Jahr Sperrung ist absolut unzumutbar»

Passiert ist: nichts. Am 12. August starteten die Bauarbeiten. Fehlmann erfuhr aus der amtlichen Mitteilung, dass die Fussgänger und Velofahrer via Bachmatt umgeleitet werden sollen. «Das erachte ich als alles andere als optimal», sagt er. «Ich bin noch immer überzeugt, dass eine parallele Fussgängerführung möglich wäre, da ja nur der Belag auf der ganzen Breite ersetzt wird. Die Werkleitungen tangieren nicht die gesamte Strasse.»

Die Situation sei ausserdem wesentlich einfacher als in der unteren Klosterzelgstrasse oder in anderen Quartierstrassen, die als Vergleich vonseiten der Gemeinde ins Spiel gebracht würden. Fehlmann verdeutlicht: «Ein Jahr Sperrung der Reutenen für alle Verkehrsteilnehmer finde ich absolut unzumutbar. Es hat wirklich viele Fussgänger und Velofahrer, welche die Strasse als Zugang zum Bahnhof nutzen.»

An der Anwohnerinformation sei zugesichert worden, dass nach besseren Lösungen gesucht werde. «Leider ohne Erfolg», ärgert sich Fehlmann. Darum hat er sich nun an die Medien gewandt. «Es hat sich auch gezeigt, dass sich bis zu diesem Zeitpunkt der Anwohnerinformation am 6. August weder die Gemeindeverwaltung noch die Bauleitung des Planers Gedanken zur Zufahrt der Geschäfte an der Reutenenstrasse 5 und 7 gemacht hat.» Die Hinweise seien gemäss Fehlmann durch die Anwohner erfolgt, knapp eine Woche vor Baustart.

Immerhin: «Auf mein Intervenieren wurde am 13. August im Laufe des Tages zumindest die Fusswegverbindung via Pappelweg und mittlere Reutenenstrasse wieder geöffnet», sagt der Einwohnerrat. Fehlmann findet, dass es an gutem Willen und vorausschauender Planung fehlt. Er erwartet, dass wenigstens ausserhalb der Bauzeiten und an den Wochenenden die Reutenenstrasse für die Fussgänger und Velofahrer geöffnet wird.

Erst recht, weil im Kommunalen Gesamtplan Verkehr (KGV) die Wichtigkeit für Velofahrer und Fussgänger festgehalten sei. «Die Gemeinde versteckt sich hinter der Baustellensicherheit, die mit entsprechenden, einfachen Massnahmen zu lösen wäre», ist Fehlmann überzeugt. Er finde es «traurig, dass dem Langsamverkehr auch auf Stufe Gemeinde noch immer zu wenig Beachtung geschenkt wird».

Auf Nachfrage der AZ beim zuständigen Gemeinderat Matthias Treier heisst es: «In der aktuellen Bauphase finden Tiefbauarbeiten sowohl auf der Strasse selber als auch auf dem Trottoir statt. Diese Tiefbauarbeiten bedingen zum Teil Gräben über die gesamte Strassenbreite inklusive Trottoir.» Weder die Strasse noch das Trottoir stünden somit für den Langsamverkehr zur Verfügung.

Treier verspricht aber: «Während späterer Bauphasen wird es möglich sein, die Fussgänger sicher auf dem Trottoir entlang der Baustelle auf der Reutenenstrasse zu führen.» Es sei geplant, das Trottoir nach Abschluss der Sanierung der Werkleitungen wieder für den Langsamverkehr zu öffnen. Das Trottoir werde dann mit einem Gitterzaun klar von der Baustelle abgegrenzt werden.

Eine Öffnung für die Fussgänger ist in Sicht

Die Sicherheit ist der Grund für die derzeitige komplette Sperrung der Strasse. «Grundsätzlich ist das Begehen von Baustellen gefährlich», sagt Treier. «Wir haben bei der benachbarten und vorangegangenen Baustelle im Klosterzelg-Quartier die Erfahrung gemacht, dass nur eine klare und eindeutige Trennung von Baustellen- und Verkehrsfläche das Betreten oder Befahren der Baustelle durch Passanten verhindern kann.»

Eine Öffnung der Strasse ausserhalb der Bauzeiten sei nicht möglich, weil die Baustelle nicht sicher ist. Stichwort: freiliegende Werkleitungen, Gräben, Stolperfallen oder Baumaterial und -maschinen. «Das Trottoir wird voraussichtlich ab Ende Oktober wieder geöffnet werden können», sagt Treier. Die ganze Baustelle wird gemäss Projektplan im Sommer 2020 abgeschlossen werden können.

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