Gemeindefusion

Ein Leben lang träumt er von einer starken Zentrumsgemeinde «Windischbrugg»

Gustav A. Lang geniesst bei sich zu Hause einen schönen Blick auf den Lago Maggiore.

Gustav A. Lang geniesst bei sich zu Hause einen schönen Blick auf den Lago Maggiore.

Alt-Redaktor Gustav A. Lang sagt, warum zu einem vibrierenden Regionalzentrum – neben Windisch und Brugg – auch die Gemeinden Habsburg, Hausen und Schinznach-Bad gehören. Der gebürtige Brugger hat mittlerweile in Brissago eine neue Heimat gefunden.

«In den letzten Tagen haben die beiden Gemeindeoberhäupter von Brugg und Windisch unabhängig voneinander in den Zeitungsspalten zum stets immer dringlicher werdenden Problem der Zusammenarbeit zwischen den beiden Nachbarorten Stellung bezogen.» Sie können sich nicht an diese Zeilen in der Zeitung erinnern? Kein Wunder: Gustav A. Lang schrieb sie am Samstag, 24. März 1973, als Gastautor im damaligen «Brugger Tagblatt».

Im heutigen Hotel Terminus aufgewachsen, träumte Lang als Kind von einem durchgehenden Tram-Netz von Brugg nach Unterwindisch und zeichnete entsprechende Pläne. Als er die erwähnten Zeilen schrieb, war er bereits seit vier Jahren als Auslandredaktor bei der Zeitung «Der Bund» in Bern tätig, wo er später stellvertretender Chefredaktor wurde und 30 Jahre lang wirkte.

Verfolgt Geschehen vom Tessin

Heute lebt Lang in Brissago und ist ungefähr doppelt so alt wie 1973. Täglich verfolgt er das Geschehen in seiner alten Heimat, so auch die erneute Diskussion über das mögliche Zusammengehen von Brugg und Windisch. An einem verregneten Morgen empfängt er die az in seiner Wohnung mit wunderbarem Blick über den Lago Maggiore.

Lang zog 1973 eine ernüchternde Bilanz, was die Zusammenarbeit zwischen Brugg und Windisch betraf. Rein optisch waren Brugg und Windisch schon lange zusammengewachsen. Dennoch stellte er fest: «Es ist doch eigentlich erstaunlich, wie wenig man in den Gemeinden bisher daran gedacht hat, Aufgaben, die sich diesseits und jenseits des Bahnhofs gleicherweise stellen, gemeinsam zu lösen, Zukünftiges gemeinsam rechtzeitig zu erkennen, zu kanalisieren, zu planen und schliesslich in die Wege zu leiten.» Die Zusammenarbeit drohe immer wieder an den Gemeindegrenzen, an den scheinbar divergierenden Interessen sowie am fehlenden institutionalisierten Dialog zu zerbrechen.

Solange sich Brugg und Windisch als zwei eigenständige Zentren sähen, werde es bei Sandkastenübungen bleiben, von denen die Wirklichkeit, schon bald keinerlei Notiz mehr nehmen werde, stellte Lang damals in Aussicht. «Die vergangenen Jahre haben aufgezeigt, dass das, was man als Region Brugg-Windisch bezeichnet, droht, zwischen den Polen Aarau und Baden aufgerieben zu werden.»

Fusion nicht um jeden Preis

Gustav A. Lang skizzierte deshalb ein Regionalzentrum mit dem Namen «Windischbrugg» – mit Betonung auf Brugg, wie er heute lachend anfügt; mit diesem Namen werde man dem römischen Ursprung des Orts gerecht. Seine Idee von «Windischbrugg» wurde aber nicht weiterverfolgt. Bedauert er das? «Ja, ein bisschen schon», sagt der ehemalige Redaktor. Mittlerweile ist er sogar der Meinung, dass man auch Hausen sowie Habsburg – da eng mit Königsfelden verbunden – und Schinznach-Bad – als Wiege der Helvetischen Gesellschaft – in dieses geschichtlich vibrierende Regionalzentrum einbeziehen müsste.

«Ich vertrete nicht die einseitige Haltung, alles müsse eingemeindet werden», betont Lang. Vielmehr ruft er sich das Zitat des ehemaligen deutschen Bundeskanzlers Willy Brandt in Erinnerung: «Es wächst zusammen, was zusammen gehört.» Mit der Einführung der Einwohnerräte sei immerhin bereits ein gewichtiger Einwand der Verfechter der Direkten Demokratie auf Gemeindeebene hinfällig geworden, hielt er in seinen Ausführungen 1973 fest.

Ist «Windischbrugg» weiterhin nur eine Utopie? «Die Zeit war bisher nicht reif dafür», sagt Lang. Obwohl der Grundtenor seit 1973 in der Region laute, der Zusammenschluss komme bestimmt einmal. «Auch die Fusion von Baden und Wettingen kam bisher nicht zustande, und in Aarau geht es ebenfalls nur harzig vorwärts», stellt der Historiker fest. Die aargauische Provinzialität scheine sich somit auch im Lokalen auszuwirken.

2010 herrschte Freude

«Jahrzehntelang bedauerte ich, dass die Brugger die Umiker nicht wollten», erinnert sich der über 80-Jährige. «Bei der Fusion anno 2010 war ich entsprechend erfreut – so ganz nach dem Motto: Was lange währt, wird endlich gut. Ob das für Brugg-Windisch oder eben ‹Windischbrugg› dereinst auch zutrifft, weiss ich nicht.» Gustav A. Lang wagte 1973 die pessimistische Prognose: Ein Zentrum «Windischbrugg» – oder kein regionales Zentrum. Diese Einschätzung würde er auch nach nunmehr 41 Jahren noch immer unterschreiben.

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