Bezirksgericht Brugg

Ein Schütze überliess seiner Tochter eine Pistole – Konflikt mit dem Waffengesetz

Aufnahmen vom Bezirksgericht in Brugg AG. Fotografiert am 20. Dezember 2018.

Bezirksgericht Brugg

Aufnahmen vom Bezirksgericht in Brugg AG. Fotografiert am 20. Dezember 2018.

Ein Mann überliess seiner erwachsenen Tochter eine Waffe. Diese verfügte jedoch nicht über einen Waffenschein. Das Bezirksgericht Brugg musste sich nun mit dem Fall befassen.

«Das ist dumm gelaufen, Herr Richter», meinte der Beschuldigte in Brugg zu Bezirksgerichtspräsident Sandro Rossi. Vorgeworfen wurde dem bald 75-jährigen Rentner und Schützen eine Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über Waffen, Waffenzubehör und Munition. Er hatte seiner erwachsenen Tochter eine Kleinkaliber-Sportpistole überlassen, ohne dass diese über einen Waffenerwerbsschein verfügte.

Dafür hatte ihn die Staatsanwaltschaft per Strafbefehl zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 110 Franken und einer Busse von 800 Franken verurteilt und ihm zudem Kosten von 1112.50 Franken aufgebrummt. Er hatte diesen Betrag bezahlt, aber offensichtlich auch noch Einsprache gegen den Strafbefehl erhoben.

Der Strafbefehl wurde ans Gericht überwiesen. Und so hatte sich der Rentner in einer Einzelrichterverhandlung vor Bezirksgericht zu verantworten.

Die Tochter bekam Angst und rief die Polizei

«Meine Tochter wollte stets schiessen», erklärte er. «Sie hat den Jungschützenkurs gemacht und schiesst auch mit der Pistole. Ich habe ihr die Waffe für ein Schiesstraining übergeben und ihr gesagt: ‹Du kannst damit schiessen. Danach legst Du sie in den Safe.› Ich hatte ihr auch gesagt, was sie tun muss, um einen Waffenerwerbsschein zu bekommen. Das Training hat dann aber nicht stattgefunden. Sie ging nach Hause. Dort hat ihr deren Mann die Waffe abgenommen. Sie bekam Angst und rief die Polizei. Die sind dann auch zu mir gekommen.»

Der Beschuldigte ging auch auf seine Laufbahn als Schütze ein, die bereits in der Jugendzeit begonnen hatte. «Ich habe nichts Böses getan», beteuerte er. «Ich habe keine Vorstrafen. Ich habe so viel Militär gemacht. Ich sehe nicht ein, weshalb man mich jetzt so bestraft. Ich hätte auch gerne die Pistole zurück. Ich habe ja bereits bezahlt. Ich möchte freigesprochen werden. Aber ‹auwä› bin ich ein Schwerverbrecher.»

Dass der Beschuldigte bereits bezahlt hatte, schien den Gerichtspräsidenten doch etwas zu wundern. Seine telefonische Abklärung bestätigte jedoch die Angaben des Beschuldigten.

Der Gerichtspräsident nahm Umgang von einer Bestrafung

Der Bezirksgerichtspräsident sprach den Beschuldigten zwar der fahrlässigen Widerhandlung gegen das Waffengesetz schuldig. Er nahm jedoch Umgang von einer Bestrafung und reduzierte die Anklagegebühr von 1100 auf 600 Franken. Zusammen mit der Gerichtsgebühr von 400 Franken muss der Beschuldigte somit 1000 Franken bezahlen, das unter Anrechnung des bereits bezahlten Betrags.

«Die Zeiten haben sich geändert», betonte Bezirksgerichtspräsident Rossi bei der mündlichen Begründung des Urteils zu den Ausführungen des Beschuldigten über dessen langjährige Erfahrungen im Umgang mit Schusswaffen. «Gerade das Waffenrecht hat eine erhebliche Entwicklung erfahren, insbesondere was die Übertragung von Waffen betrifft.» Er attestierte jedoch dem Beschuldigten, dass dieser keine böse Absicht gehabt und nicht willentlich gegen das Gesetz verstossen habe.

«Dass aber eine leichte Fahrlässigkeit vorliegt, schleckt keine Geiss weg», so der Bezirksgerichtspräsident. Dazu gäbe es etliche Entscheide des Bundesgerichts. Mit dem Schuldspruch sei auch klar, dass dem Beschuldigten die Kosten auferlegt werden müssten.

Zum Verbleib der Pistole, die von der Polizei sichergestellt worden war, erklärte Gerichtspräsident Rossi, dass kein Einzug erfolge, weil sie nicht für eine Straftat eingesetzt worden sei. Die Fachstelle SIWAS (Sicherheit/Waffen/Sprengstoffe) der Kantonspolizei Aargau werde entscheiden, was mit der Waffe geschehen soll.

Erwartungsgemäss kommt auch die Tochter nicht ungeschoren davon. Auch sie war per Strafbefehl wegen Vergehen gegen das Waffengesetz verurteilt worden, hatte zwar bezahlt, aber ebenfalls Einsprache erhoben. Sie erschien jedoch nicht vor Gericht.

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