Geschichte

Ein Villiger suchte in Triest sein Glück – Aargauer Historiker arbeitet grossen Briefbestand auf

Der Historiker Max Baumann aus Stilli schreibt ein Buch über Aargauer Auswanderer. Protagonist ist der Kaufmann Gabriel Schwarz.

Im Jahr 1856 wanderte der Villiger Gabriel Schwarz nach ­Triest aus, einer Stadt im Nordosten des heutigen Italiens. Nach einer kaufmännischen Lehre in Vevey machte sich der damals 21-Jährige auf, um bei einem älteren Cousin in eine Handels- und Speditionsfirma einzusteigen. Bis zu seinem Tod im Jahr 1897 lebte der Aargauer, mit Ausnahme eines vierjährigen Aufenthalts in England, in Triest. Während seiner Abwesenheit führte er einen regen Briefwechsel mit seiner Familie in Villigen.

Der Historiker Max Baumann hat auf Basis dieser Briefe zur Geschichte des jungen Kaufmanns recherchiert und ist nun in der Endphase eines neuen Buches zu Aargauer Auswanderern, die im 19. Jahrhundert ihr Glück in Triest suchten.

Insgesamt 179 Briefe sind bis heute erhalten

Nach zwei Büchern, die Baumann zu Auswandererschicksalen in Amerika und Afrika verfasste, widmet er sich nun jenen Menschen, die sich Triest als Ziel aussuchten. «Mich interessierte, wie die Situation der florierenden Handelsstadt im damaligen Österreich war», sagt der 79-Jährige aus Stilli.

«Den Briefen von Gabriel Schwarz kann man entnehmen, wie dort die Verhältnisse waren, wie die Menschen arbeiteten und wie ihr Alltag aussah. Auch die diversen Kriegsgeschehen in Europa sind allgegenwärtig, da sie grossen Einfluss auf das Handelsgeschehen hatten.» Insgesamt seien 179 Briefe erhalten, 85 davon schrieb Gabriel Schwarz aus Triest nach Villigen, erzählt Baumann.

Villiger Geschichte bringt Historiker auf die Spur

Auf das Thema des neuen Buches ist der Historiker 2009 während der Recherchearbeit zur Geschichte von Villigen gekommen. «Als ich die Geschichte zur Gemeinde schrieb, stiess ich bei der Recherche auf den Briefbestand. Ich dachte sogleich, dass diese Quellen unbedingt aufgearbeitet werden müssen.» Daraufhin sei er nach Triest gereist, um sich ein Bild vor Ort zu machen, und im dortigen Staatsarchiv zu recherchieren.

Nun, 12 Jahre später, wird die gemeinsame Geschichte der Stadt Triest und der Aargauer Auswanderer in einem kleinen Buch präsentiert. Der Verlag Hier und Jetzt und die Historische Gesellschaft des Kanton Aargau haben ihre Zusicherung zum Druck bereits gesprochen. «Ursprünglich wollte ich erneut nach Triest fahren, um weiteres Quellenmaterial aufzutreiben. Dieses Vorhaben kam wegen der Pandemie leider nicht zu Stande. Jetzt arbeite ich mit dem, was ich habe», meint Baumann. «Nun werden es wohl etwa 100 Seiten, die die Geschichten verschiedenster Aargauer nachzeichnen, die in Triest ihre Geschäfte machten. Die Hauptrolle spielen aber Gabriel Schwarz und seine Briefe in die Heimat.»

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