Windisch/Rumänien
Eine echte Geduldsprobe: Zoll blockiert Transport von Hilfsgütern

Der Lastwagen der Hilfsorganisation eines Windischers darf wegen fehlender Papiere in Rumänien tagelang nicht weiterfahren.

Deborah Bläuer
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Marius Arsene (l.) und Stefan Wagner sind unermüdlich im Einsatz.

Marius Arsene (l.) und Stefan Wagner sind unermüdlich im Einsatz.

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Hilfsorganisation Brugg

Hilfsorganisation Brugg

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«Extrem viel Kraft, Nerven und vor allem Durchhaltewillen» fordere die Situation in Rumänien, schreibt Stefan Wagner, langjähriger Gemeindeschreiber von Windisch und Gründer der Hilfsorganisation «Fonds Marius Arsene Rumänien» im November-Rundbrief.

Neben Hilfeleistungen aller Art, wie zum Beispiel dem Bezahlen von Strom- oder Arztrechnungen, organisiert der Verein nämlich auch Materialtransporte von Kleidern, Spielwaren, Lebensmitteln und sonstigen Gütern. Nun hat die Organisation im rumänischen Mihailesti ein Haus zum Einlagern des Materials gebaut. Dieses stand allerdings länger als gedacht leer.

Eine Geduldsprobe

Wie schon in der Vergangenheit gab es auch dieses Jahr mit dem Materialtransport grosse Probleme am Zoll. Beim letzten Mal konnten diese dank Schmiergeldern und dem Vermitteln der Schweizer Botschaft gelöst werden, doch dieses Mal sollte es anders gehen.

Innerhalb der EU sind Hilfstransporte von Zollgebühren und Mehrwertsteuer befreit, aber Rumänien ist ein Sonderfall. Der rumänische Zoll legt willkürlich einen Wert von 30'000 bis 50'000 Franken für das Hilfsmaterial fest, wovon 25 Prozent an Mehrwertsteuer bezahlt werden müssen. Für die Befreiung davon braucht es eine zusätzliche Registrierung, die mit einer Unmenge an Formularen und Papieren verbunden ist. «Fonds Marius Arsene Rumänien» organisierte alle nötigen Dokumente, doch der Lastwagen wurde trotzdem aufgehalten.

Wagner erfuhr, dass für die Registrierung zur Befreiung der Mehrwertsteuer die Zollpapiere die Basis sind. Diese können jedoch erst nach dem Laden des Lastwagens erstellt werden. Es blieb also nichts anders übrig, als die Hilfsgüter beim Zoll einzulagern und die notwendigen Papiere zu beschaffen. Die Erstellung dieser neuen Registrierung nahm viele Tage in Anspruch und war eine echte Geduldsprobe. Voraussichtlich ab gestern Samstag konnte der Lastwagen wieder weiterfahren.

Trotz diesen erneuten Hindernissen will sich Wagner nicht geschlagen geben und hat eine andere Lösung gefunden. In Zukunft wird der «Fonds Marius Arsene Rumänien» die Ladeliste schon bei der Einlagerung der Materialspenden in der Schweiz erstellen. Der Camion wird erst losfahren, wenn die Mehrwertsteuer-Befreiung in Rumänien vorliegt. Zurzeit ist Wagner allerdings vor allem um finanzielle Spenden froh, da der Materialtransport, die Beschaffung der Papiere für die Mehrwertsteuer und die Lagergebühren ein tiefes Loch in die Vereinskasse reissen wird.

Angefangen mit dem Fonds hat alles im Jahr 2012, als Marius Arsene einen verzweifelten Hilferuf auf Facebook startete. Da er sich bei einem Unfall verletzt hatte, musste der Rumäne sein Studium an der Sportuniversität und seine Karriere als Spitzensportler aufgeben. Er wurde arbeitslos und konnte die Rechnungen nicht mehr bezahlen. Wagner begann daraufhin, die Angaben des ehemaligen Profisportlers zu überprüfen, und schickte fortan gelegentlich Geld nach Rumänien. Daraus entstand ein Hilfefonds und schliesslich die Organisation «Fonds Marius Arsene Rumänien», deren Geschäftsführer Marius Arsene heute ist.

Entwicklung nicht möglich

Die Hilfeleistungen kommen direkt bedürftigen Menschen in Mihailesti zu, einer Kleinstadt im Süden des Landes. Durch das persönliche Engagement von Stefan Wagner und die direkte Zusammenarbeit mit Marius Arsene vor Ort garantiert der Verein, dass die Hilfe auch wirklich zu denjenigen Personen gelangt, die Unterstützung benötigen. In Rumänien werde nämlich viel Unfug mit Hilfe aus der Schweiz getrieben. Hilfsmaterial werde oftmals in Secondhand-Shops verkauft und nicht den Menschen weitergegeben, so Wagner. Als grösstes Problem sieht er die Korruption. Weil die Mittel anstatt investiert für eigene Zwecke missbraucht würden, sei eine Entwicklung des Landes nicht möglich Es gebe eine grosse Schere zwischen Arm und Reich.

Trotz Studium hätten viele junge Leute kaum Perspektiven und seien gezwungen, für einen Mindestlohn zu arbeiten. Dieser betrage umgerechnet 250 Schweizer Franken, nach den Abzügen – etwa für Rente und Versicherung – blieben monatlich 200 Franken, die bei den Lebensmittelpreisen, die auf Schweizer Niveau seien, kaum zum Leben reichten.

Genauere Informationen zu den Materialspenden gibt Stefan Wagner unter stefan.wagner5210@bluewin.ch; Spendenkonto IBAN-Nr. CH86 0900 0000 6128 8107 0.