Villigen

«Eine gewisse Vorbelastung ist da» – Gemeindeschreiber geht nach 32 Jahren in Pension

Gemeindeschreiber Markus Vogt ist ein grosser Fussball-Fan.

Gemeindeschreiber Markus Vogt ist ein grosser Fussball-Fan.

Nach 32 Jahren als Gemeindeschreiber in Villigen geht Markus Vogt Ende Juni in Pension – seine Nachfolge tritt Sibylle Boss an.

«Für mich stimmt es», entgegnet Markus Vogt auf die wohl unausbleibliche Frage nach der Befindlichkeit angesichts des bevorstehenden neuen Lebensabschnitts. «Ich habe mich auf diesen Schritt vorbereiten können und freue mich. Ich habe meine Arbeit aber immer gerne gemacht. Ich bin gerne Gemeindeschreiber gewesen. Man soll jedoch aufhören, wenn es Zeit ist.» Vogt wird am 30. Juni in Pension gehen. «Auf den Tag genau nach 32 Jahren», wie er feststellt. «Am 1. Juli 1988 hatte ich das Amt angetreten.» Ganz abrupt wird der Übertritt in den Ruhestand allerdings nicht ausfallen. Im Juni wird er seine Nachfolgerin Sibylle Boss noch während jeweils eines halben Tages begleiten.

«Man kann schon sagen, dass eine gewisse Vorbelastung da ist», meint Markus Vogt lächelnd. Schliesslich hat er 1988 als Gemeindeschreiber die Nachfolge seines Vaters, des heute 93-jährigen Werner Vogt, angetreten. «Aber auch mein Grossvater, mein Urgrossvater und mein Ururgrossvater waren Gemeindeschreiber, allerdings in Mandach. Ich bin jetzt der fünfte in einer Linie.» Zur Berufswahl erklärt er: «Mein Vater hat mir zwar gesagt, dass es ihm egal sei, welchen Beruf ich erlernen möchte. Wir Vogts waren aber vielleicht schon eher die Bürolisten. So bin ich zum KV gekommen. Mir hat dieser Beruf stets gefallen.»

«Trauungen habe ich stets gerne gemacht»

Im Laufe der gut drei Jahrzehnte haben sich die Aufgaben des Gemeindeschreibers stark verändert. Bei seinem Amtsantritt war die Aufteilung der Villiger Gemeindeverwaltung in die Bereiche Finanzen/Steuern einerseits und Kanzlei anderseits vorgenommen worden. «Früher war man Generalist», so Vogt. «Zum Aufgabenbereich hat unter anderem das Zivilstandswesen gehört. Trauungen habe ich stets gerne gemacht. Heute ist man bloss noch für Todesfälle zuständig. Früher war der Gemeindeschreiber auch viel mehr Ansprechperson für die Bevölkerung bei allen möglichen Problemen. Aber die Gemeinde ist schliesslich gewachsen.»

Ebenso stark verändert haben sich die Arbeitsmittel. «Ich habe mit einer Hermes-Ambassador-Schreibmaschine begonnen», erinnert sich Markus Vogt. «Später ist ein PC der Marke Philipps mit 20-Zoll-Floppy-Disks gekommen. Heute haben wir ein papierloses Büro. Gemeinderatssitzungen werden digital abgehalten. Jeder Gemeinderat hat alle Unterlagen auf dem Laptop. Die Entwicklung ist unglaublich.»

Der Zusammenschluss hat einen Aufschwung ausgelöst

Auch Villigen hat sich entwickelt. Beim Amtsantritt von Markus Vogt zählte die Gemeinde 1200 Einwohnerinnen und Einwohner – heute sind es rund 2200. Als Gemeindeschreiber hat er diese Entwicklung hautnah erlebt und mitbegleitet. Als herausragende Meilensteine bezeichnet er den Abschluss des Vertrags mit der Holcim über den Abbau im Steinbruch Gabenkopf; den «Sprung» des PSI über die Aare nach Villigen; den Park Innovaare und natürlich den Zusammenschluss mit der Gemeinde Stilli 2006. «Der Zusammenschluss der beiden Gemeinden ist gelungen», stellt er fest. «Es ist eine Win-win-Situation, die einen Aufschwung ausgelöst hat. Aber man muss die Leute abholen.» Das alles sei jedoch nicht sein Verdienst, wehrt er ab und sagt: «Die Leute sind nicht wegen mir nach Villigen gekommen.»

Als kommende Herausforderungen sieht er die Sanierung der Ortsdurchfahrt, aber auch die künftige Nutzung des Schulhauses Winkel. «Gegenwärtig sucht der Gemeinderat nach Ideen», meint er.

«Als Gemeindeschreiber ist man nicht immer Überbringer freudiger Nachrichten», so Markus Vogt im Fazit seiner Amtszeit. «Aber das gehört dazu. Ich kann mich jedoch nicht beklagen. Auf unserer Verwaltung herrschte stets ein gutes Verhältnis. Das zeigt sich an den langjährigen Mitarbeitenden. Auch die fünf Gemeindeammänner in meiner Amtszeit sind meist lang im Amt geblieben. Das hat es für mich einfacher gemacht.»

Und jetzt, die viele Freizeit? «Ich habe einige Hobbys», verrät Markus Vogt. «Ich habe Freude an alten Autos. Schon immer fasziniert haben mich die Alfas. Zudem mag ich Fussball. Ich bin ein grosser Fan des FC Bayern München und deshalb oft in München. Zusammen mit Gemeindeschreiberkollegen besuche ich gerne Auswärtsspiele unserer Nati. Und da ist auch noch mein Motorrad.» Auch Arbeit werde er schon haben. Wobei ihm die Gartenarbeit weniger liege. «Schauen wir, was die Zeit bringen wird. Ich habe jedenfalls keine Angst, dass mir langweilig wird.»

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