Windisch

Eine Kamera kontrolliert das Fahrverbot – sinnvolle Massnahme oder nur Geldmacherei?

An der Dohlenzelgstrasse unterhalb des Gemeindehauses kommt neuerdings eine Kamera zum Einsatz.

An der Dohlenzelgstrasse unterhalb des Gemeindehauses kommt neuerdings eine Kamera zum Einsatz.

Seit einigen Wochen wird das Fahrverbot an der Dohlenzelgstrasse überwacht – ein Windischer ärgert sich und spricht von einer Schikane.

Ein mobiles Kamerasystem kommt neuerdings zum Einsatz an der Dohlenzelgstrasse unterhalb des Gemeindehauses in Windisch – für die Kontrolle des bestehenden Fahrverbots. Wer im Auto aus Richtung Bergstrasse unterwegs ist und in die Zürcherstrasse einbiegt, muss mit einer Busse rechnen. Bei der Installation des Kamerasystems im März hielt der Gemeinderat fest, dass in der Vergangenheit vermehrt Reklamationen eingegangen sind, weil Fahrverbote vom motorisierten Individualverkehr missachtet würden.

Einwohner Rolf Henrich ärgert sich. Der Gemeinderat habe eine zusätzliche ergiebige Einnahmequelle gefunden, die vor allem von der einheimischen Bevölkerung alimentiert wird, führt er aus. Der Unmut in der Bevölkerung sei gross.

Es droht eine Busse von 100 Franken

Das Fahrverbot für Autos und Motorräder bewirke an dieser Stelle, dass die Dohlenzelgstrasse auf einem Teilstück von nur gerade rund 15 Metern nicht befahren werden darf in Richtung Nordost, stellt Henrich fest. Der Zweck des Schilds sei es also, den Schleichverkehr zu verhindern von der Hauserstrasse an die Zürcherstrasse, «was nun seit einigen Wochen mit einer Kamera überwacht wird».

Aber genau dieser Durchgangsverkehr, ist der Windischer überzeugt, mache nur einen geringen Anteil aus am gesamten Verkehrsaufkommen. Vielmehr handle es sich auf diesem Abschnitt der Dohlenzelgstrasse fast ausschliesslich um Quell- und Zielverkehr. Denn angesiedelt seien verschiedene Geschäfte und Institutionen. Henrich erwähnt neben der Gemeindeverwaltung unter anderem auch Post, Bank, Kosmetikstudio, Textilatelier, Elektrogeschäft oder Metzgerei.

Gemäss gültiger Regelung müssen Automobilisten, die von der Zürcherstrasse kommen, für die Rückfahrt den Umweg über die unübersichtliche Einmündung in die Bergstrasse in Kauf nehmen und sich dann in den Stau auf der Hauserstrasse zwängen. Diese längere Fahrstrecke ist für Henrich ein ökologisch-ökonomischer Blödsinn mit erhöhtem Unfallpotenzial. Wer aus der anderen Richtung von Südwesten – von der Bergstrasse her – auf den Parkplatz hinter der Apotheke fahre, werde wegen des Fahrverbots mit 100 Franken gebüsst. Das könne er nur als Schikane bezeichnen. «Meine ganz persönliche Meinung: Das Schild ist überflüssig», fasst Henrich zusammen. Er bezweifle nicht, fügt er an, dass sich der Gemeinderat des Problems annehme und Lösungen finden werde. «Sollte dies nicht der Fall sein, hoffe ich, dass ihm der Einwohnerrat Beine macht.»

Die Idee dieser Kamera entstand nicht mit dem Hintergrund zusätzliche Einnahmen zu generieren, sagt auf Nachfrage der Windischer Verwaltungsleiter Marco Wächter. Vielmehr sei es eine Reaktion auf viele Rückmeldungen aus der Bevölkerung zum ständig zunehmenden Schleichverkehr in den Quartieren. «Als Gemeinde mit einem hohen Verkehrsaufkommen ist es unsere Aufgabe dafür zu sorgen, dass der Durchgangsverkehr über die Hauptachsen geleitet wird und möglichst von den Quartieren ferngehalten werden kann», hält Wächter fest und ergänzt: «Wir handeln im Interesse unserer Einwohnerinnen und Einwohner, denen wir eine möglichst hohe Wohnqualität bieten wollen.» Zudem sei es der Gemeinde ein Anliegen, dass die Schulkinder einen sicheren Schulweg haben.

Das Kamerasystem zeigt bereits Wirkung

Aus Kapazitätsgründen sei es der Regionalpolizei (Repol) Brugg nicht möglich, die Kontrollen in der Häufigkeit durchzuführen, die eine spürbare Verbesserung der Situation bringen würde, fährt Wächter fort. Deshalb habe sich die Gemeinde für die Installation des Kamerasystems entschieden.

Dass es sich auf der Dohlenzelgstrasse vor allem um Quell- und Zielverkehr handelt, kann der Verwaltungsleiter nicht bestätigen. Laut Auswertungen sei ein wesentlicher Anteil auswärtiger Fahrzeuglenker zu verzeichnen. Auch der Aussage, dass es sich beim Verkehrsschild um eine reine Schikane handelt, widerspricht Wächter. Das Fahrverbot bestehe schon seit 1986, sei deutlich signalisiert, mache durchaus Sinn. Mit der heutigen Regelung werde der Verkehr zur Apotheke über die Zürcherstrasse geführt, was wiederum eine Entlastung der Dohlenzelgstrasse zur Folge habe.

Kurz: Der Betrieb der Kamera hat sich laut Wächter bisher bewährt. Der Trend zeige, dass mit den Kontrollen eine Verbesserung der Verkehrssituation auf der Dohlenzelgstrasse erzielt werden könne. Seit der Installation des Kamerasystems habe sich die Anzahl der Bussen bereits wieder reduziert. Die Frage, wie viele Automobilisten konkret gebüsst worden sind, lässt der Verwaltungsleiter zwar offen. Offenbar aber halten sich die Verkehrsteilnehmer – besser – an die Regeln.

Diese Massnahme liefere überdies wichtige Erkenntnisse, führt Wächter weiter aus, wie auch in den übrigen Quartieren – die mit dem gleichen Problem konfrontiert sind – der Schleichverkehr langfristig reduziert werden könne.

Autor

Michael Hunziker

Michael Hunziker

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