Brugg

Einwohnerräte verteilen seit Jahren Rosen am Rutenzug – jetzt flammt Kritik auf

Einwohnerräte und Einwohnerrätinnen verteilen am Rutenzug Rosen.Chris Iseli/Archiv AZ

Einwohnerräte und Einwohnerrätinnen verteilen am Rutenzug Rosen.Chris Iseli/Archiv AZ

Einwohnerräte haben an der letzten Sitzung abgestimmt, ob sie am Rutenzug vom Donnerstagmorgen wieder Blumen abgeben sollen.

Offiziell war die Sitzung des Brugger Einwohnerrats am letzten Freitagabend bereits zu Ende, als Einwohnerratspräsident Stefan Baumann im Rathaussaal das Stadtparlament fragte: «Blumen verteilen am Rutenzug: Ist das noch gewünscht?» Für eine Diskussion blieb keine Zeit. Von den 44 anwesenden Einwohnerräten (von 50) waren 21 dafür und 13 dagegen.

Die Aktion des Blumenverteilens während des Rutenzugs ist vor etwa zwölf Jahren vom damaligen Einwohnerratspräsidenten Urs Holliger ins Leben gerufen worden. «Damals hat er dem Rat den Vorschlag gemacht, am Rutenzug Röslein zu verschenken an die Menschen aus dem Altersheim, Behindertenheim und Pflegeheim, welche jeweils dem Rutenzug beiwohnen», sagt Einwohnerratsvizepräsidentin Rita Boeck auf Nachfrage der AZ.

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Aus dem eigenen Sack finanziert

Mittlerweile ist es laut Rita Boeck so, dass die Blümchen von den Einwohnerrätinnen und Einwohnerräten verschiedenen Zuschauern verschenkt werden. Jeweils an der letzten Sitzung vor dem Jugendfest macht der Einwohnerratspräsident den Rat darauf aufmerksam, dass der Betrag von 5 Franken in die Schachtel gelegt werden soll für den Kauf der Röslein. Bisher wurden immer Rosen in verschiedenen Farben verteilt. «Die Farbe spielt keine Rolle, es geht um die Geste, den Menschen eine Freude zu bereiten», fährt Boeck fort. Die Geste an sich sei nicht umstritten, so die Vizeeinwohnerratspräsidentin. Dieses Jahr allerdings wurde die Tradition infrage gestellt.

Störend finden offenbar verschiedene Einwohnerrätinnen und Einwohnerräte, dass das Leid «auseinander flattert», und nicht geordnet im Umzug mitgeht, weil ständig irgendwer jemandem Blümchen an den Strassenrand bringt. Dabei hätten manche ältere Personen drei Röslein erhalten, andere keines. Ausserdem wurde auch der lange Transportweg erwähnt: Die Röslein hätten Tausende von Kilometern bis nach Brugg zurücklegen müssen.

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Schweizer Freiland-Rosen bestellt

Letztes Jahr hat Vizeeinwohnerratspräsidentin Rita Boeck bei der Migros einfach für den Betrag in der Schachtel Rosen gekauft. Die genaue Zahl weiss sie nicht mehr, «auf jeden Fall mehr als 50 Stück». Am Rutenzug diesen Donnerstagmorgen werden die Einwohnerräte und Einwohnerrätinnen 50 Schweizer Freiland-Rosen mit einem Reagenztank verschenken, gekauft in einem Brugger Blumengeschäft. «Dank dem Wassertank überleben die Blümchen, bis die Beschenkten sie zu Hause einstellen können», so die zweithöchste Bruggerin. Rosen kommen zum Einsatz, weil der Stängel robust ist.

Man sei dem Einwohnerpräsidenten Stefan Baumann dankbar, dass er dieses Thema angesprochen habe, sagte ein Ratsmitglied, das «Nein» gestimmt hat. Das Angebot genüge so nicht, müsse diskutiert und überdenkt werden. Vielleicht ergibt sich nächstes Jahr eine Gelegenheit.

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