Einwohnerrat
«Diese Felder sind unverlässlich»: Warum der FC Brugg sich für einen Kunstrasenplatz im Stadion Au einsetzt

Am 22. Oktober stimmt der Einwohnerrat über die Anträge des Stadtrats zur Sanierung der Rasenspielfelder Geissenschachen, Stadion Au und Schinznach-Bad ab. Die Arbeitsgruppe Winterrasen setzt sich für die alternative Lösung ein.

Maja Reznicek
Drucken
Teilen
Urs Walter (von links), Christian Arrigoni und Rainer Hartmann von der Arbeitsgruppe Winterrasen setzen sich für einen Kunstrasen auf dem Platz 2 ein (im Hintergrund).

Urs Walter (von links), Christian Arrigoni und Rainer Hartmann von der Arbeitsgruppe Winterrasen setzen sich für einen Kunstrasen auf dem Platz 2 ein (im Hintergrund).

Maja Reznicek

Bereits vor zehn Jahren war Kunstrasen im Prophetenstädtchen ein Thema. Damals beantragte der FC Brugg beim Stadtrat den Einbau eines solchen Feldes. Das Projekt versandete aber. Ende Oktober stehen nun auf der Traktandenliste des Einwohnerrats Brugg die gemeinsam behandelten Motionen «Förderung der Bewegungs- und Sportmöglichkeiten in der Stadt Brugg» und «Anschaffung eines Kunstrasenplatzes».

Im zugehörigen Bericht stellt der Stadtrat fest, dass der technische Aufbau der Rasenspielfelder in Brugg (vier beim Stadion Au, zwei im Stadtteil Schinznach-Bad) suboptimal ist. Mit dem Umbau der Trainingsplätze Geissenschachen, Stadion Au und Schinznach-Bad, so der Stadtrat, könne das quantitative und qualitative Rasenspielfeldangebot deutlich ausgebaut und damit sowohl ein Angebot für einen parallelen Wintertrainingsbetrieb auf Rasen als auch Reserve für eine zukünftige Nachfrage geschaffen werden.

Der Hauptplatz im Stadion Au.

Der Hauptplatz im Stadion Au.

Maja Reznicek

Ein Kunstrasenfeld hingegen diene nur dem Fussballspiel, die übrigen Sportarten wie etwa Laufen oder Leichtathletik würden nicht profitieren. Ausserdem:

«Ein Kunstrasenfeld weist eine Nutzungskapazität von 40 Stunden/Woche auf. Diese Nutzungsintensität, die tiefe Kosten pro Nutzungsstunde erlaubt, entspricht nicht den Bedürfnissen des FC Brugg.»

Abschliessend setzt sich der Stadtrat für eine Sanierung der drei Rasenspielfelder (Gesamtkosten: 1,592 Mio. Franken) und gegen den Bau eines Kunstrasenfelds (Gesamtkosten: 1,55 Mio. Franken) ein. «Damit kommt die Stadt zu einem anderen Schluss wie wir», sagt Christian Arrigoni dazu.

Arrigoni ist seit 4,5 Jahren Präsident des FC Brugg und Leiter der Arbeitsgruppe Winterrasen. Diese setzt sich für einen Kunstrasen auf dem Platz 2 im Stadion Au ein. Und das hat Gründe.

Von November bis Februar müssen sie auf Einfachhallen ausweichen

Bei der Vorinformation der Medien am Mittwoch betonte Arrigoni, dass der FC Brugg Hauptnutzer der Spielfelder sei und deshalb seine Bedürfnisse schildern wolle. Der Verein gehört zu einem der grössten des Kanton Aargaus. Gemäss dem Präsidenten verfügt der Fussballclub über 450 Aktivmitglieder.

Der FC Brugg gehört zu den grössten Vereinen des Kanton Aargau.

Der FC Brugg gehört zu den grössten Vereinen des Kanton Aargau.

Maja Reznicek

24 Mannschaften, 17 davon Juniorinnen und Junioren, sowie 45 Trainer sind regelmässig auf dem Spielfeld. Arrigoni führt aus: «Die Vereinsarbeit ist grösstenteils ehrenamtlich.»

Der Bau eines Kunstrasenfeldes erlaube dem FC Brugg ganzjährig im Freien Fussball zu spielen. Aktuell muss der Verein zwischen November und Februar auf Einfachhallen ausweichen, was gemäss Urs Walter, Arbeitsgruppen-Mitglied und Leiter Nachwuchs, «einfach nicht mehr zeitgemäss ist». Die vom Stadtrat vorgeschlagene Sanierung sei problematisch:

«Wir haben unter anderem in Möhlin angefragt, wie die Erfahrungen mit diesen Ganzjahresrasen sind. Keiner konnte uns bestätigen, dass so ein Platz tatsächlich das ganze Jahr bespielt werden kann.»

Wegen des Einflusses von Regen und Schnee während des Winters seien die Felder unverlässlich.

Bei schlechten Witterungsverhältnissen könne sich die Problematik auch auf die Monate März/Oktober ausdehnen. Zudem, ergänzt Christian Arrigoni, benötige der Ganzjahresrasen eine vierwöchige Ruhepause: Falls im Winter tatsächlich auf dem Feld gespielt werden könne, müsste dieses anschliessend im Frühling regenerieren. «Das führt dann wieder zum Kapazitätsproblem.» Ausserdem benötige dieser Rasen «viel mehr Unterhaltsarbeiten» als aktuell im Bericht des Stadtrats eingerechnet.

Auch bezüglich der Nutzung der Spielfelder zeichnet Urs Walter ein anderes Bild. In der Analyse der Stadt Brugg habe sich etwa ergeben, dass der Platz 1 im Stadion Au völlig unterbenützt sei. «Das konnten wir bereits ausgleichen und deshalb auch gewisse Juniorenmannschaften dazunehmen», sagt Walter.

Bevölkerung soll das Feld ebenfalls nützen können

Von den Kosten für den Bau des eingezäunten Kunstrasenfeldes (inklusive Beleuchtung) müsste der FC Brugg zirka 20 Prozent respektive rund 340'000 Franken übernehmen. Das ist mehr als siebenmal so viel, wie der Verein für die Sanierung des Platzes 1 zu erbringen hätte (Investition: 46'900 Franken).

Rainer Hartmann von der Arbeitsgruppe Winterrasen sagt:

«Dabei geht die Stadt Brugg aber von einer hundertprozentigen Nutzung des Kunstrasens durch den FC Brugg aus.»

Da die Trainings des Klubs erst um 18 Uhr starten, könnte aber auch das Berufs- und Weiterbildungszentrum Brugg (BWZ), dem aktuell grundsätzlich das Feld im Geissenschachen zur Verfügung steht, den Platz in Gebrauch nehmen. Zudem wäre eine Nutzung des Felds durch die Bevölkerung denkbar. Walter ergänzt: «Auch eine Vermietung des Platzes an andere Mannschaften ist möglich. Das könnte für die Stadt ebenfalls rentabel sein.»

Das Stadion fasst 3300 Personen.

Das Stadion fasst 3300 Personen.

Janine Müller (27. April 2020)

Am 11. Oktober will die Arbeitsgruppe Winterrasen das Projekt aus Sicht des FC Brugg vorstellen. Zusätzlich wird Eric Hardmann, Agronom und Sportstättenplaner, Nutzen, Kosten sowie Ökologie von Natur- als auch Kunstrasen erläutern. Ausserdem besteht die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Gemäss der Arbeitsgruppe gilt die Einladung für alle Interessierten: vom Einwohnerrat über den Stadtrat bis zur Bevölkerung.

Informationsanlass Winterrasen: Nutzen und Ökologie von Natur- vs. Kunstrasen. 11. Oktober, 20 Uhr, Klubhaus FC Brugg beim Stadion Au. Zertifikatspflicht.

Aktuelle Nachrichten