Brugg

Eismeister Edwin Walder ist der Chef auf dem Campus-Eisfeld

Stolz präsentiert der 66-jährige Edwin Walder seine Eismaschine, mit der er das Eis frisch macht.

Stolz präsentiert der 66-jährige Edwin Walder seine Eismaschine, mit der er das Eis frisch macht.

Aus seinem abwechslungsreichen Alltag beim Campus zwischen Brugg und Windisch berichtet der Eismeister.

Edwin Walder ist der Mann hinter der Kulisse. In der Region bekannt als der Eismeister vom Campus, ist er dieses Jahr zum dritten Mal zuständig für den Unterhalt des Eisfelds vor der Fachhochschule Nordwestschweiz an der Grenze zwischen Brugg und Windisch.

Das Eisfeld, ursprünglich aus einer Bachelorarbeit von Studenten entstanden, sorgt mittlerweile zum fünften Mal für euphorische Wintergefühle. Der Hintergrundgedanke des Projekts war, eine Begegnungszone für alle Menschen zwischen Brugg und Windisch zu schaffen.

Es sind verschiedene Angebote für Kinder und Firmen vorhanden: Schulklassen haben die Möglichkeit, das Eisfeld morgens zu mieten. Nachmittags steht das Feld allen offen, Voranmeldungen grösserer Gruppen sind allerdings erwünscht. Ergänzt wird das Programm zusätzlich von einer alljährlichen Eisdisco und dreimal pro Jahr von einem Bundhockey-Turnier.

Auch für Alternativen zum Schlittschuhfahren ist gesorgt

Als Alternative zum Schlittschuhfahren bietet sich das Eisstockschiessen an. Dabei handelt es sich um eine dem italienische Boccia ähnliche Sportart. Es werden aber keine Kugeln geworfen, sondern sogenannte Eisstöcke über die Eisfläche gestossen; man versucht möglichst präzise seinen Stock an einen Zielring zu bringen. Andere Sportarten wie beispielsweise Curling sind aufgrund der extensiven Vorbereitung des Materials und des Eises nur schwer umsetzbar, lässt Edwin Walder wissen.

Edwin Walder bei der Arbeit auf dem Eisfeld in Brugg.

Edwin Walder bei der Arbeit auf dem Eisfeld in Brugg.

Edi, wie die Leute ihm sagen, arbeitet im Auftrag der Rohr AG, die auch für die Campusanlage zuständig ist. Für die Firma aus Hausen sind die Reinigungsarbeiten beim Eisfeld die einzigen dieser Art. Gereinigt wird regelmässig vor Reservationen und zwischendurch, wenn das Eis zu stark mit Abrieb bedeckt ist. Gearbeitet wird an sieben Tagen pro Woche.

Edi ist allerdings nicht alleine: Zur Unterstützung ist ein weiterer Mitarbeiter für die Eispflege im Einsatz. Jeder einzelne von Edis Arbeitstagen ist anders: «Ich muss jeden Tag die Wetterbedingungen im Auge behalten.» Ist es zu warm, schmilzt das Eis schnell; schneit es, muss er das Feld freischaufeln, und regnet es, so hat die Kühlmaschine mehr Arbeit zu verrichten.

Unterhalt, Instandhaltung und Ordnung

Sein Stundenplan ist ebenfalls ständiger Variation unterworfen. Je nach Reservation und Bedarf kann es gut sein, dass er Pausen von zwei bis drei Stunden hat und keine Reinigungsarbeit vornehmen muss. In dieser Zeit kann Edi nach Hause gehen, um sich für den nächsten Einsatz auszuruhen.

Täglich misst er die Eisdicke. Wichtig ist, eine optimale Mitte zu finden. Als Gegenmassnahme zu sehr dickem Eis hobelt er mit seiner Eismaschine die oberste Schicht weg; ist das Eis zu dünn, wird Wasser auf der Bahn verteilt.

Zu seinen Aufgaben gehört der ganzheitliche Unterhalt des Eises, aber auch die Instandhaltung der Maschinen und die Ordnung auf dem Feld. Er gilt unter anderem auch als Streitschlichter. «Man muss ihnen zeigen, wer der Chef ist», sagt Edi.

Damit meint er die meist jugendlichen, aber auch erwachsenen Unruhestifter. Hohe Schüsse und Checks beim Eishockey sind strikt nicht erlaubt. Bei einem überfüllten Feld müssen gewisse Schlittschuhläufer weichen, da kennt Edi kein Pardon.

Besonders am Wochenende wird das Feld oftmals missbraucht und neben Unrat gelangen auch mal Festbänke aufs Eis. Die für Kinder gedachten Plastikseelöwen werden mittlerweile eingeschlossen.

Vandalenakt vom Stephanstag 2017 blieb unaufgeklärt

Die unangenehmste Erinnerung geht zurück auf den Stephanstag 2017, als Unbekannte auf dem Eisfeld randalierten. Sie gossen Wasser auf das Feld, wodurch das Eis schmolz. Die Folge waren teilweise freigelegte Kühlelemente. Es dauerte einen Tag, bis der Betrieb wieder aufgenommen werden konnte. Trotz erstatteter Anzeige waren die Täter unauffindbar.

Für die Zukunft ist durchaus noch Optimierungspotenzial vorhanden. Edi meint aber, am jetzigen Standort seien die Grenzen erreicht. Er ist vorsichtig bei der Frage, ob für die Eisqualität noch Verbesserungen möglich sind. Die Menschen haben sich bereits an einen gewissen Standard gewöhnt und beschweren sich, wenn etwas nicht der Normalität entspricht.

Doch perfekt könne das Eis nicht immer sein, dafür ist alleine schon die Witterung zu inkonstant. Interessanterweise wird der Neubau des Centurion Tower in Windisch in Zukunft durch seinen Schattenwurf an warmen Wintertagen für nötige Abkühlung sorgen, sodass das Eis nicht zu stark schmilzt.

Das Schönste an seiner Arbeit ist für Edwin Walder die Dankbarkeit der Menschen und die Anerkennung. Wenn die Menschen ihn auf der Strasse als Eismeister erkennen, dann freut er sich besonders.

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