Brugg

Erbe des Kaiser Nero: Die Helvetier waren damals zwischen den Fronten

Die Projektleiterin der Ausstellung, Eva Oliveira, neben der Büste des siegreich aus den Kriegswirren hervorgegangenen Kaisers Vespasian.

Die Projektleiterin der Ausstellung, Eva Oliveira, neben der Büste des siegreich aus den Kriegswirren hervorgegangenen Kaisers Vespasian.

Packende Sonderausstellung im Vindonissa-Museum über Neros Erbe. Dazu sagt die Projektleiterin Eva Oliveira: «Die Helvetier waren damals Teil der römischen Gesellschaft und beeinflussten den Ausgang der Ereignisse.»

Bis zum 12. November 2017 ist im Brugger Vindonissa-Museum eine Sonderausstellung einer dramatischen Episode der römischen Geschichte gewidmet. Nach dem Selbstmord Neros stritten vier Thronanwärter um die Nachfolge.

Das Jahr 69 n. Chr. wird denn auch Vierkaiserjahr genannt. Galba, Otho, Vitellius und Vespasian wurden nacheinander zum Kaiser erhoben; die drei Erstgenannten schieden durch Ermordung oder Selbstmord nach kurzer Zeit wieder aus.

Revolten und Bürgerkriege pflästerten den Weg. Der Geschichtsschreiber Tacitus, der das Geschehen ausführlich dokumentiert hat, machte an der stark besuchten Vernissage dieser Ausstellung seine würdevolle Aufmachung. Die Projektleiterin Eva Oliveira wies darauf hin, dass es eine grosse Herausforderung war, eine Auswahl aus den schriftlich geschilderten Episoden zu treffen.

Sie wurden zu Gegnern

«Wir konzentrierten uns bei der Ausstellung auf die Ereignisse hier in der Umgebung von Vindonissa und im schweizerischen Mittelland, auf den Konflikt zwischen den Helvetiern und der 21. Legion, die damals in Vindonissa stationiert war», so Oliveira.

«Die Helvetier waren damals Teil der römischen Gesellschaft und beeinflussten den Ausgang der Ereignisse.» Diese und die 21. Legion favorisierten aber unterschiedliche Thronanwärter und wurden deshalb zu Gegnern.

Die Projektleiterin dankte Caty Schucany für die gründliche wissenschaftliche Recherche. Kantonsarchäologe Georg Matter zeigte Parallelen auf zwischen heutigen Krisenherden und den Vorfällen in römischer Zeit. Die Ausstellung vermittle komplette Ergebnisse dieses Schicksalsjahres und schaffe durch den Bezug zum Hier und Heute interessante Einblicke.

Bekanntschaft mit dem Kaiser

Der Gang durch die attraktive Ausstellung fasziniert: Der Besucher wird einbezogen und hineingezogen in das turbulente, minutiös wiedergegebene Geschehen. Man macht Bekanntschaft mit Nero, hört die Thronanwärter sprechen, erfährt viel über die römische Gesellschaft und die Helvetier, welche zwischen die Fronten gerieten.

Die Ereignisse überstürzten sich: Die 21. Legion überfiel einen Soldtransport der Helvetier, die Helvetier fingen Briefe des Vitellius an die Donaulegionen ab. Als Strafe brandschatzte die 21. Legion Aquae Helveticae, das heutige Baden.

Das Heer der Helvetier zog sich vor der Übermacht der Vitellius-Truppen auf den Mons Vocetius zurück und wurde dort vernichtend geschlagen. Ob es sich beim Mons Vocetius um den Bözberg handelt, ist nach wie vor ungeklärt.

Museumsleiter «ehrenhaft entlassen»

Der Leiter der kantonalen Abteilung Kultur, Thomas Pauli, verwies an der Vernissage auf den Umbruch im Museum. Dieses gehört ab 1. Januar 2017 zum Museum Aargau. Man hofft, dass in Kombination mit dem Legionärspfad die Geschichte Vindonissas gebündelt noch kraftvoller vermittelt werden kann.

Pauli verabschiedete den Museumsleiter René Hänggi mit herzlichem Dank und einem träfen Militärdiplom, einer römischen Entlassungsurkunde, die ihm als römischem Veteran eine ehrenhafte Entlassung samt Zusicherung von Privilegien bekundet.

Hänggi habe in den über 25 Dienstjahren viel fürs Museum geleistet, so auch viele interessante Ausstellungen und Anlässe organisiert, wofür sich die Besucher mit kräftigem Applaus bedankten. Entgegen dem Usus bei Legionärsentlassungen erhielt Hänggi allerdings kein Geld oder Land für den Bau eines Gutshofes . . .

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1