Der Fussgängerstreifen beim Bachthalen-Kreisel in Windisch kommt nun doch nicht weg. Fussverkehr Schweiz hat sich erfolgreich beim Verwaltungsgericht gewehrt. Das Urteil liegt der Aargauer Zeitung exklusiv vor.

Rückblick: Der Kanton wollte den Fussgängerstreifen beim Bachthalen-Kreisel entfernen und das Tor zum Areal Königsfelden schliessen. Bereits per Anfang 2018 sollte der Fussgängerstreifen aufgehoben werden. Dagegen regte sich Widerstand. Eine Beschwerde von Fussverkehr Schweiz, dem Fachverband der Fussgängerinnen und Fussgänger, sowie von Windischer Institutionen und Einwohnern wurde vom Aargauer Regierungsrat Ende 2018 abgewehrt. Das kantonale Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) kündigte daraufhin an, den umstrittenen Fussgängerstreifen noch vor Weihnachten 2018 entfernen zu lassen.

Mehrere Minuten Zeitverlust wegen Umweg

Fussverkehr Schweiz und Heini Glauser aus Windisch haben daraufhin gegen den Regierungsratsentscheid Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Aargau eingereicht. Die Beschwerdeführer störten sich daran, dass mit der Aufhebung des Fussgängerstreifens beim Bachthalen-Kreisel der Fussweg, der den Campus mit dem zur Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) gehörenden Sportausbildungszentrum Mülimatt verbindet, unterbrochen würde. Von bis zu drei Minuten Zeitverlust für Umwege ist die Rede. «Auch der kürzeste Fussweg vom Bahnhof Brugg zur Klinik Königsfelden verlängerte sich empfindlich», schrieb Fussverkehr Schweiz damals in einer Mitteilung.

Der Kanton wiederum argumentierte mit der Stausituation am Bachthalen-Kreisel, für die er die dort querenden Fussgänger verantwortlich macht. «Wer die Situation kennt, weiss aber, dass nicht die Fussgänger für den zähen Verkehrsfluss verantwortlich sind, sondern das hohe Verkehrsaufkommen», meinte  Fussverkehr Schweiz.

Fussgängerstreifen sind geschützt

Nun also hat Fussverkehr Schweiz vom Verwaltungsgericht vollumfänglich Recht erhalten. "Damit wird gerichtlich bestätigt, dass Fussgängerstreifen, welche Teil eines Fusswegnetzes gemäss dem Bundesgesetz über die Fuss- und Wanderwege sind, nicht ersatzlos aufgehoben werden dürfen", sagt Fussverkehr Schweiz.

Der Fussgängerstreifen sei eine direkte Verbindung zwischen dem Bahnhof Brugg und der psychiatrischen Klinik Königsfelden sowie zwischen dem Campus und den Sportanlagen, die von Studierenden genutzt werden. Zudem verbinde der Fussgängerstreifen die Siedlungsgebiete von Windisch mit dem Erholungsraum entlang der Aare. "Der Fussgängerstreifen hat daher eine hohe Bedeutung und wird stündlich von mehreren 100 Fussgängerinnen und Fussgängern benutzt", heisst es in einer Mitteilung, die der AZ vorliegt. 

Netzlücken widersprechen der Zielsetzung

Das Verwaltungsgericht habe die Argumentation des Regierungsrats zerpflückt. "In den Zielsetzungen des kommunalen Gesamtplans Verkehr KGV der Gemeinden Brugg und Windisch, ist die Förderung des Fussverkehrs und die Verdichtung des Fusswegnetzes explizit als Zielsetzung enthalten", heisst es. Der Kanton habe diese genehmigt. Die Schaffung von Netzlücken durch Entfernung von Fussgängerstreifen und der Schliessung des Gartentors widerspreche diesen Zielsetzungen. Zudem sei nicht nachgewiesen, dass die Stausituation des motorisierten Verkehrs in einem Zusammenhang stehe mit dem Fussgängerstreifen, argumentiert das Verwaltungsgericht. 

Die Freude über den Entscheid des Verwaltungsgerichts ist bei Fussverkehr Schweiz gross: "Der Kanton kann nicht etwas genehmigen und einige Monate später das Gegenteil umsetzen", lässt sich Thomas Hardegger, Präsident von Fussverkehr Schweiz, in der Mitteilung zitieren. "Das Verwaltungsgericht hat den Behörden klar gemacht, dass in einem Fusswegnetzplan festgelegte Fusswege und Fussgängerstreifen nicht ersatzlos aufgehoben werden können."