Brugg-Windisch

«Es gibt schon noch Zuversicht»: In der Not bietet der Campussaal Vorteile

Am 19. Juni 2020 tagte der Einwohnerrat Brugg zum ersten Mal im Campussaal, am 12. Dezember kommt er nochmals.

Am 19. Juni 2020 tagte der Einwohnerrat Brugg zum ersten Mal im Campussaal, am 12. Dezember kommt er nochmals.

Viel Aufwand, aber kaum Einnahmen in Brugg-Windisch: Geschäftsleiterin blickt auf Coronajahr zurück und sagt, was ihr Hoffnung gibt. Resignieren ist für Kathrin Kalt keine Option.

Noch im Februar dieses Jahres gingen die Campussaal-Betreiber davon aus, dass 2020 das beste Geschäftsjahr seit der Saaleröffnung im Herbst 2013 sein wird. «Wie sich zeigt, ist es nun ohne unser Verschulden zum allerschlechtesten geworden», sagt Geschäftsleiterin Kathrin Kalt vom Campussaal Brugg-Windisch. Das gelte für die Zulieferer und Partner natürlich genauso.

Die Coronapandemie hat der gesamten Eventbranche einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Doch auf die beiden Standortgemeinden bezogen hat es – trotz der wirtschaftlichen Einbussen – einen Vorteil: Inzwischen haben alle Einwohnerräte von Brugg und Windisch den Campussaal auch von innen gesehen. Denn, um Abstandsregeln und Hygienevorschriften des BAG einzuhalten, haben beide Gemeindeparlamente ihre Sitzungen vom Windischer Gemeindehaus und vom Brugger Rathaus in den Campussaal verlegt. Letzte Woche hielt auch die Römisch-Katholische Landeskirche des Kantons Aargau ihre Herbstsynode anstatt im Aarauer Grossratssaal im Campussaal ab.

14 Veranstaltungen weniger als im vergangenen Jahr

Weil der Brugger Einwohnerrat das Budget 2021 an seiner letzten Sitzung zurückgewiesen hat, wird er am Samstag, 12. Dezember, nochmals im Campussaal tagen. Stand jetzt ist das dann dort die letzte Veranstaltung für dieses Jahr, weil abgesehen von politischen Versammlungen nur noch Veranstaltungen mit maximal 50 Personen durchgeführt werden dürfen, was zwar grundsätzlich weiterhin im Campussaal möglich, aber halt relativ kostspielig ist. Im Durchschnitt nahmen bisher über 400 Personen an einem Anlass teil.

«Sitzungen in einem sehr grossen Meetingraum»

Somit kann die Campussaalbetreiberin ABA Management GmbH im Coronajahr voraussichtlich 48 Veranstaltungen verbuchen. Das tönt auf den ersten Blick nicht dramatisch, muss aber stark relativiert werden: Im Vergleich zu den Jahren 2018 mit 68 und 2019 mit 62 Veranstaltungen entspricht dies zwar anzahlmässig 74 Prozent. Kathrin Kalt stellt aber klar: «Den Umsatz, den wir dieses Jahr mit 48 Veranstaltungen erwirtschaften, entspricht nur 38 Prozent des Vorjahresumsatzes.» Das hat laut der Geschäftsleiterin damit zu tun, dass ab 16. März nur noch Veranstaltungen «aus Platzgründen» im Campussaal durchgeführt wurden, und keine Veranstaltungen im üblichen Sinn mehr. «Es waren eigentlich Sitzungen in einem sehr grossen Meetingraum», präzisiert Kalt.

Ohne Dekoration, Catering, Blumen oder Mietmobiliar

Mit anderen Worten: Bei den Veranstaltungen gab es in der Regel kein Catering oder Getränke-Umsatz und somit auch kein Servicepersonal, keine zusätzliche Technik oder Logistik für Shows und Künstler, keine Dekoration oder Floristik, kein Mietmobiliar, keine Auf-/Abbautage und keine zusätzlichen Räume. Die Saalmiete bildete also die Haupteinnahmequelle und bei den zehn mietfreien Patronatsanlässen pro Jahr fällt auch die noch weg. Zu Letzteren zählen die bisherigen Einwohnerratssitzungen, der Windischer Neujahrsapéro, der gemeinsame Unternehmens­apéro sowie zwei Veranstaltungen der SVP Aargau und Schweiz sowie der Grünen Schweiz.

Auf der anderen Seite nahm der Aufwand enorm zu: Schutzkonzept x-mal anpassen, Desinfektionsstationen anschaffen, Temperatur-Scanner zur Verfügung stellen, Abtrennungen aufstellen, Plexiglasscheiben platzieren, stündlich Oberflächen/Türklinken desinfizieren, kontinuierliche Toilettendesinfektion. Diese Dienstleistungen konnten die Betreiber den Kunden nicht weiterverrechnen. Hätte das Team nicht die Einhaltung der BAG-Massnahmen überwacht, hätte es eine Saalschliessung riskiert. «Dies geht alles zu Lasten des Deckungsbeitrags, den wir ursprünglich ganz anders budgetiert hatten», so Kathrin Kalt.

«Jammern führt nicht zu kreativen Lösungen»

Auf die Frage, wie es der Campussaal-Betreiberin gehe, sagt Kalt: «Ich müsste lügen, wenn ich gut sagen würde.» Aber jammern habe bekanntlich noch nie zu kreativen Lösungen geführt. Von einer so langen Durststrecke seien alle nicht ausgegangen. Die Kunden hätten ihre Anlassplanung zur Zeit auf Eis gelegt, bis konkret wird, wann und wie Veranstaltungen wieder in einem angemessenen Rahmen stattfinden können.

Was der Campussaal-Betreiberin Hoffnung gibt, ist einerseits das angekündigte Härtefallpaket vom Bund und Kanton, das ab 1. Dezember beantragt werden kann, und andererseits die früher als erwartete Verfügbarkeit von Impfstoffen. Resignieren ist für Kathrin Kalt keine Option: «Es gibt schon noch Zuversicht auf eine Entspannung der Situation.» Die sieben Festangestellten sind seit März auf Kurzarbeit, für ihre Kunden sind sie aber jederzeit zu erreichen. Dem Campussaal wollen sie auch in der Not zur Seite stehen.

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