Prozess in Brugg

Fast 70 km/h zu schnell: Raser erhält vor Gericht einen saftigen Denkzettel

Der gelernte KFZ-Mechatroniker drückt das Gaspedal durch und jagt die Tachonadel des Boliden auf fast 150 Kilometer pro Stunde hoch. (Symbolbild)

Der gelernte KFZ-Mechatroniker drückt das Gaspedal durch und jagt die Tachonadel des Boliden auf fast 150 Kilometer pro Stunde hoch. (Symbolbild)

Das Bezirksgericht Brugg hat einen jungen Raser verurteilt, der letzten Sommer die Bözbergstrasse zwischen Brugg und Effingen unsicher machte. Der heute 26-Jährige war ausserorts mit Tempo 150 geblitzt worden.

Es war der 23. Mai 2015, ein ganz gewöhnlicher Samstag im 1500-Seelen-Dorf Bözberg. Am Rande der beschaulichen Gemeinde war der 26-jährige Tobias (Name geändert) unterwegs. Er fuhr auf der Bözbergstrasse, einem kilometerlangen Asphaltstreifen zwischen Effingen und Brugg, der die grünen Felder, Wiesen und Wälder entzweit.

Wollte er nur seine Beifahrerin auf dem Nebensitz beeindrucken oder juckte es ihn schlicht im Fuss angesichts des Audi S4 Avant Quattro unter seinem Hintern, einem Sportkombi mit weit mehr als 300 PS? Vermutlich weiss das Tobias heute selbst nicht mehr so genau. Jedenfalls trat der gelernte KFZ-Mechatroniker das Gaspedal ordentlich durch und jagte die Tachonadel des Boliden auf fast 150 Kilometer pro Stunde hoch – erlaubt waren 80.

Blöd, dass auf Adrenalinkicks dieser Art meist die Quittung folgt. So auch im Fall von Tobias, der an diesem Sommertag prompt in die Radarfalle der Polizisten tappte. Das Fahrzeug mit baselländischen Kennzeichen, das Eigentum einer Drittperson ist, wurde beschlagnahmt, seinen Führerausweis ist er los.

Am Dienstag musste sich Tobias vor dem Bezirksgericht in Brugg für seinen Bleifuss verantworten. Die Anklage fand deutliche Worte, sprach von einer «krassen Missachtung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit» und davon, dass der Angeklagte «das hohe Risiko eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfern» eingegangen sei. Mit seinem Verhalten habe er nicht nur sich selber, sondern auch seine Beifahrerin sowie andere Verkehrsteilnehmer erheblich gefährdet.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wurde der Fall in einem abgekürzten Verfahren behandelt. Mit anderen Worten: Der Sachverhalt wurde materiell vom Gericht nicht nochmals übeprüft, da man sich zuvor in einem Vergleich geeinigt hatte.

Gemeinsam mit seinem Rechtsanwalt erschien Tobias im Gerichtssaal, adrett in Anzug und weissem Hemd gekleidet, das von der Anspannung gerötete Gesicht hinter dem frisch getrimmten Bart verborgen. Wortkarg und reuig beantwortete er die Fragen des Gremiums und anerkannte sein Fehlverhalten, ehe sich das Gericht zur Beratung zurückzog. Auch Tobias verschwand mit seinem Verteidiger rasch in einem der Nebenzimmer, um Journalistenfragen aus dem Weg zu gehen.

Kaum eine halbe Stunde später verkündete Gerichtspräsidentin Franziska Roth das Urteil: 15 Monate Freiheitsstrafe bedingt mit zwei Jahren Probezeit sowie 2000 Franken Bussgeld. Damit leistete das Gericht dem Antrag von Staatsanwalt Reto Waldmeier Folge. Auf die Möglichkeit eines Schlussworts verzichtete Tobias und verliess – um eine wichtige Lektion reicher – den Gerichtssaal.

Meistgesehen

Artboard 1