Brugg

Finanzielle Schieflage: «Es geht um die Rettung des Hospiz»

Das Hospiz Stationär Palliative Care in Brugg mit seinen neun Zimmern befindet sich unter dem Dach des ehemaligen Bezirksspitals.CM

Das Hospiz Stationär Palliative Care in Brugg mit seinen neun Zimmern befindet sich unter dem Dach des ehemaligen Bezirksspitals.CM

Geschäftsführer Dieter Hermann erklärt, warum Hospiz Aargau in finanzieller Hinsicht unter Druck gerät.

Der Ausbau im Hospiz Stationär Palliative Care in Brugg von sechs auf neun Zimmer ist einer von mehreren Gründen, die dem Hospiz Aargau in der Vergangenheit finanziell zugesetzt haben. Dass der Ort der Ruhe und Geborgenheit für sterbende Menschen auch keine Leistungsvereinbarung mit dem Kanton hat, ist aus Sicht der Institution ein weiterer Grund für die roten Zahlen.

Das Sterbehospiz übernimmt immer öfter schwerkranke Patienten aus den Spitälern. Da solche Institutionen in der schweizerischen Gesetzgebung der Langzeitpflege unterliegen, werden am Schluss nicht alle Kosten vergütet. Für das Hospiz Aargau bedeutet das: Pro Tag und Bett kostet ein Patient heute 600 bis 650 Franken. Gedeckt über die öffentliche Hand und die Krankenversicherung sind jedoch nur 400 Franken. Deshalb mache Hospiz Aargau pro Patient und Tag rund 200 Franken Defizit, sagte Geschäftsführer Dieter Hermann vor gut einem Monat gegenüber SRF.

Jährlich 600 000 Franken Spenden

Der Kanton habe richtig erkannt, dass eine Lücke besteht und ein Hospiz in der Schweiz irgendwo zwischen Pflegegesetz (Alters- und Pflegeheime, Langzeitpflege) und Spitalgesetzgebung (Akut- und Kurzzeitpflege) eingestuft werden müsste, sagt Hermann auf Nachfrage. Er fordert eine Sonderlösung, angelehnt an die Spitalliste.

Aktuell werden die anfallenden Kosten zu 20 bis 25 Prozent von den Krankenkassen und den Gemeinden gedeckt, 40 bis 45 Prozent tragen die Patienten selbst und 30 bis 40 Prozent gehen zulasten des Spendenkontos von Hospiz Aargau. «Um die Kosten für die neun Betten in Brugg zu decken, müssen wir pro Jahr über Fundraising gut 600 000 Franken hereinholen», bringt es Hermann auf den Punkt. 

Der Kostensatz pro Patient ist von der Zimmerkategorie im Hospiz abhängig und bewegt sich zwischen 230 und 270 Franken pro Tag. Kann man diesen Betrag nicht einfach erhöhen, um die Finanzen ins Lot zu bringen? Dieter Hermann sagt: «Mit Kostensätzen von durchschnittlich knapp 250 Franken pro Tag bewegen wir uns auf den ersten Blick bereits im oberen Bereich verglichen mit Pflegeinstituten, die uns mit Palliative-Care-Betten heutzutage Konkurrenz machen.»

Allerdings sei im Pflegeheim nicht immer sofort erkennbar, welche verdeckten Kosten den effektiven Bettenpreis hochtreiben, weil noch verschiedene Einzelabrechnungen dazukommen, so der Hospiz-Geschäftsführer. Hermann ist der Meinung, dass sich hier der Staat (Bund/Kanton) nicht aus der Verantwortung ziehen darf, weil die finanzielle Belastungsgrenze für den Patienten und die Familien bereits erreicht ist.

Palliativzuschlag solls richten

Helfen könnte die Einführung eines Palliativzuschlags, der aber zuerst definiert und analysiert werden muss, was noch einige Zeit dauern dürfte. Um mehr Gewicht bei den Verhandlungen mit der öffentlichen Hand zu haben, will der Hospiz-Aargau-Verein in den kommenden drei Jahren seine Mitgliederzahl von derzeit 1000 auf etwa 5000 erhöhen.

Die Benefiz-Veranstaltung am Wochenende in Brugg-Lauffohr ist laut Hermann eine weitere Massnahme zur Mittelbeschaffung: «Es geht um die Rettung des Hospiz.» Man wolle zeigen, dass Hospiz Leben bedeutet und der letzte Lebensabschnitt nicht von Traurigkeit geprägt sein muss, sondern positiv gestaltet werden kann, wenn das Umfeld stimmt. Dafür setzten sich viele auch ehrenamtlich ein.

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