Die Skilager waren in den vergangenen Wochen so präsent wie kaum. Grund dafür war das Bundesgericht. Dieses kam vor einem Jahr zum Schluss, dass obligatorische Angebote (Schulreisen, Klassenlager – und streng genommen auch Skilager) von Schulen kostenlos sein müssen. Deshalb dürften von Eltern maximal 16 Franken pro Tag für Verpflegung verlangt werden. Viele Lager sind aber teurer, weshalb im Land die Unsicherheit umging, ob Schul- und Skilager überhaupt noch durchgeführt werden können.

Die AZ hat bei den Oberstufen im Bezirk Brugg nachgefragt: Können Skilager durchgeführt werden, wie gross ist das Interesse, wie hoch sind die Kosten und wie schwierig ist es, Leiter zu rekrutieren?

Schüler haben Wahlmöglichkeit

Die gute Nachricht zuerst: Alle Brugger Oberstufen führen dieses Jahr ein Skilager durch. Gemäss Viktor Steinacher, Stufenschulleiter der Oberstufe Birr, sei die Nachfrage nach dem Skilagerbesuch immer recht hoch, sodass das Lager nicht infrage gestellt werden müsse. In Birr wird für das Skilager ein Elternbeitrag von 200 Franken fällig. «Der Gemeindebeitrag hängt von der Anzahl der Teilnehmer und Leiter ab und liegt etwas über dem Elternbeitrag», sagt Steinacher. Das Birrer Skilager findet in einer Projektwoche statt. Das heisst, die Schülerinnen und Schüler können zwischen dem Skilager oder einer Themenwoche am Schulort wählen. Stattfinden wird das Skilager der Birrer Oberstufe im März in Engelberg OW.

Etwas früher unterwegs sind die Oberstufenschüler von Brugg. Ihr Skilager findet in der ersten Woche der Skiferien statt, vom 3. bis 8. Februar. «Logieren werden wir im Sport Resort Fiesch im Wallis, den Wintersport betreiben wir in der Aletsch Arena», sagt Siegbert Jäckle, Gesamtschulleiter der Schule Brugg. Genau wie in Birr haben die Brugger Schüler die Möglichkeit, zwischen dem Skilager und einer Themenwoche zu wählen. In Brugg findet diese Themenwoche jedoch nicht gleichzeitig mit dem Skilager statt, sondern in der ersten Woche nach den Frühlingsferien. «Jene Schülerinnen und Schüler, die ins Skilager gehen, geniessen in der Woche nach den Frühlingsferien eine zusätzliche Ferienwoche», so Jäckle.

Langjährige Begleitpersonen

In Brugg kostet das Skilager die Eltern 350 Franken, 180 Franken zahlt die Stadt. Vom Interesse der Schüler am Skilager sei man positiv überrascht worden, sagt Siegbert Jäckle. «Während das Skilager 2018 mit rund 65 Schülerinnen und Schüler durchgeführt wurde, haben sich für das Skilager 2019 108 Jugendliche angemeldet.» Auch bei der Rekrutierung von Leitern und Begleitpersonen hatte die Brugger Oberstufe, genau wie jene in Birr, kein Problem. «Glücklicherweise gibt es einige externe Begleitpersonen, die bereits seit Jahren mit ins Skilager Brugg kommen», sagt Gesamtschulleiter Jäckle. Da das diesjährige Lager fast doppelt so gross sei wie das letztjährige, hätten weitere Leiter akquiriert werden müssen. «Dank Kontakten zu Sportstudenten gestaltete sich die Rekrutierung der externen Begleitpersonen unproblematisch.»

Die Kreisschule Oberstufe Schenkenbergertal, zu der die Bezirksschule in Schinznach-Dorf sowie die Sekundar- und Realschule in Veltheim gehören, führt aufgrund der zahlreichen Anmeldungen sogar zwei Schneesportlager durch, wie Lagerleiterin Simone Fehlmann sagt. Mitte März können sich die Schülerinnen und Schüler in Sedrun GR und Obersaxen GR wintersportlich austoben, während die Daheimgebliebenen eine Projektwoche besuchen. «In den letzten Jahren, wie auch in diesem Jahr, war die Nachfrage nach der Skilager-Teilnahme gross», sagt Fehlmann. Auch die Rekrutierung von Leitern und Begleitpersonen klappe gut. «Externe Leiter rekrutieren wir vor allem über ein Sportnetzwerk im Internet oder im Bekanntenkreis», so Fehlmann. Über die genauen Kosten könne sie noch keine Auskunft geben. «Das hängt von der Teilnehmerzahl ab. Die Kosten werden zwischen der Gemeinde und den Eltern geteilt.»

Mehr Anmeldungen als Plätze

In Windisch ist die Situation eine andere. «Unser Lager ist freiwillig und findet in der ersten Sportferienwoche, vom 2. bis 8. Februar in Grächen im Wallis statt», sagt Rebekka Kämpfen, Stufenleiterin der Bezirksschule Windisch. Da das Lager freiwillig ist, kann die Schule höhere Elternbeiträge verlangen. In Windisch zahlen die Eltern 400 Franken fürs Skilager, von der Gemeinde gibt es pro Schüler 200 Franken. Auch in Windisch erfreut sich das Skilager grosser Beliebtheit. «Wir hatten bedeutend mehr Anmeldungen als Plätze», sagt Kämpfen. Die 50 Schüler, die am diesjährigen Skilager teilnehmen, seien schon mehr als ursprünglich geplant. Das Rekrutieren der Lagerleiter gestalte sich hingegen schwieriger. «Dank einem Lehrer, der aus seinen J+S-Kursen noch Kontakte hat, haben wir genügend Leiter gefunden», sagt Rebekka Kämpfen.

An allen Oberstufen im Bezirk herrscht ein ausgesprochenes Interesse am Skilager. Die einzige grundlegende Veränderung, die den meisten Schulen auffällt, ist, dass der Anteil an Snowboardern stetig abnimmt. In Brugg führte das zu einem Umplanen, wie Gesamtschulleiter Siegbert Jäckle sagt: «Da dies in den letzten Jahren umgekehrt war, musste das Leiterteam etwas verändert werden, da wir wieder mehr Skilehrer benötigen.»