Bözberg/Fricktal

Früher war die Ernte ein regelrechtes Fest – seit über 56 Jahren drischt dieser Linner Getreide

In diesen Tagen wird Peter Brunner vom Bözberger Ortsteil Linn mit seinem Mähdrescher von vielen Landwirten sehnlichst erwartet. Der bald 78-Jährige drischt seit über 56 Jahren die Felder der Region. Die Ernte war früher ein Fest – und auch heute wird Brunner noch regelrecht von Aufträgen überschüttet.

Jetzt sieht und hört man sie wieder auf den Feldern und Strassen, die beeindruckenden Mähdrescher. Bis tief in die Nacht ziehen die Fahrer einsam ihre Bahnen auf den Getreidefeldern, rollen dann unüberhörbar heimwärts durch die Dörfer. Einer von ihnen ist Peter Brunner, gelernter Landwirt, aus dem Bözberger Ortsteil Linn.

Der heute bald 78-Jährige entdeckte schon früh seine Begeisterung für die imposanten Maschinen. Mit 22 Jahren erwarb Brunner seinen ersten John Deere Mähdrescher, der damals so um die 35000 Franken kostete, und machte sich selbstständig. «Früher waren die Fahrerkabinen offen und man atmete ganz schön viel Staub ein», sagt er und lacht.

Heutzutage wird viel Hightech eingesetzt, die Kabinen sind geschlossen und mit Klimaanlage ausgestattet und ähneln mit den vielen Anzeigen und Knöpfen eher einem Cockpit. Die Maschinen kosten bis zu 400 000 Franken und sind so konstruiert, dass sie bei unebenen Böden mit Vollhang -oder Teilausgleich den Mähbalken auskorrigieren können, um ein optimales Ergebnis und möglichst viel Ertrag zu erzielen. Heute hat Brunner zwei moderne Laverda Mähdrescher. Dafür beschäftigt er einen Teilzeitfahrer.

Ein Wettlauf mit dem Regen

Während der Erntezeit drischt der Linner seit über 56 Jahren die Felder der Landwirte der Region, dazu kommen seine eigenen. Im Moment ist Gersten und Raps an der Reihe, später folgen Weizen und Hafer. Da das Getreide einen gewissen Feuchtigkeitsgehalt und Reife haben muss und nur bei schönem Wetter geerntet werden kann, ist der richtige Zeitpunkt entscheidend für eine erfolgreiche Ernte.

Brunner wird dann regelrecht von Aufträgen überschüttet und alle wollen ihn am liebsten gleichzeitig auf ihren Feldern. Oft ist es ein Wettlauf mit dem Regen. In seinen jüngeren Jahren ist es auch schon vorgekommen, dass Brunner drei Tage und Nächte durchgefahren ist, heutzutage macht er nicht mehr ganz so verrückte Aktionen. Eines seiner eindrücklichsten Erlebnisse war, als einmal ein Helikopter auf einem Feld landete mit einem Monteur, der ihm ein dringend benötigtes Ersatzteil brachte.

Eine Tankfüllung kostet zirka 800 Franken

Ein typischer Dreschtag beginnt für Brunner um 10 Uhr und endet oft spät in der Nacht. Am Morgen werden die Maschinen voll betankt mit bis zu 600 Litern Diesel, Kostenpunkt zirka 800 Franken, am Abend sind die Tanks meist leer. Brunner nimmt sich ein paar selbstbelegte Brote und Getränke mit, für ein richtiges Mittagessen reicht die Zeit meist nicht.

Früher wurden die Fahrer mit Freude und Spannung von den Bauernfamilien erwartet und mit selbstgemachten Speisen verwöhnt. Die Ernte war ein regelrechtes Fest und alle waren gespannt, wie reich der Ertrag war. Heutzutage ist alles viel unpersönlicher und oft werden die leeren Wagen für das Getreide von den Landwirten einfach neben die Felder gestellt und man sieht sich gar nicht mehr.

Die AZ begleitet Peter Brunner in seinem Mähdrescher auf einem Gerstenfeld in Oberzeihen, wo er schon von den Landwirten Kurt und Sven Riner erwartet wird. Der Vater, selbst ehemaliger Mähdrescherfahrer, und sein Sohn schätzen Brunners zuverlässige und genaue Arbeit schon seit vielen Jahren. Trotz seines hohen Alters klettert Brunner flink die Leiter hoch und setzt sich in die Fahrerkabine. Nachdem er den Motor gestartet hat, fährt er mit der fast zwölf Tonnen schweren Maschine los. Obwohl Brunner sonst sehr gesellig ist, spricht er jetzt wenig und ist hoch konzentriert. Die Mäusebussarde kreisen über dem Feld und freuen sich über die aufgescheuchten Heuschrecken. Brunner ist es wichtig, dass seine Kunden zufrieden sind. So wie er es gerne hätte, macht er es für andere.

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