Brugg

Frust über fehlendes Entwicklungskonzept: «Fordern wir das Potenzial der Altstadt heraus, jetzt!»

Peter Beyeler, der Alt-Regierungsrat und Präsident der IG Aargauer Altstädte will Zukunft für die Altstadt.

Peter Beyeler, der Alt-Regierungsrat und Präsident der IG Aargauer Altstädte will Zukunft für die Altstadt.

Aus Frust über das fehlende Altstadt-Entwicklungskonzept ist auf privater Basis eine Veranstaltung entstanden, an der drei Stadträte teilgenommen haben.

«Wir sind seit 20 Jahren am Üben in der Brugger Altstadt. Doch wie finden wir den Zündschlüssel, damit wir den Motor endlich zum Starten bringen?», fragte Max Kuhn, Präsident der Genossenschaft Altstadt Brugg, nach dem Impulsreferat von Peter Beyeler. Der Alt-Regierungsrat und Präsident der IG Aargauer Altstädte sprach am Mittwochabend im Rathaussaal zum übergeordneten Thema «Altstadt Brugg – Auslaufmodell oder Zukunftsquartier?».

Eingeladen hatten Ladenbesitzer, Gastronomen und Bewohner, die sich um die aktuelle Entwicklung der Altstadt grosse Sorgen machen, wie Fürsprecher Jürg Waldmeier erklärte. Gekommen sind gegen 100 Gäste, darunter Frau Stadtammann Barbara Horlacher sowie die beiden Stadträte Willi Däpp und Reto Wettstein. Auslöser für die Veranstaltung war der Entwurf des neuen Altstadtreglements, der Ende 2017 von vielen Seiten heftig kritisiert wurde, weil die Stadt diesem mangels finanzieller und personeller Ressourcen kein Entwicklungskonzept zugrunde gelegt hatte.

Auf Max Kuhns Frage sagte Referent Beyeler: «20 Jahre. Brugg ist nicht alleine.» Weil noch ein Dutzend andere Städte im Aargau mit gleichen oder ähnlichen Problemen zu kämpfen haben, sei vor drei Jahren die IG Aargauer Altstädte ins Leben gerufen worden. Peter Beyeler zeigte auf, dass sich nicht nur die Altstädte verändern, sondern die ganze Gesellschaft. Die Stichworte sind Individualisierung und Digitalisierung. Auf die politischen Trends wollte der Freisinnige nicht eingehen und sagte nur: «Wir sparen uns fast zu Tode.»

Schnell und kostengünstig

Der Grundsatz der IG Aargauer Altstädte lautet: «Einmal denken für alle 13 Mitgliederstädte und 13-mal umsetzen.» Die IG möchte nun einen transparenten Prozess anstossen, mit dem die Städte schnell, pragmatisch und kostengünstig eine auf sie zugeschnittene Entwicklungsstrategie erarbeiten und Massnahmen definieren können.

In allen 13 Städten sollen die gleichen Strukturen für diesen Prozess zum Zug kommen, damit sich die Resultate vergleichen lassen. Der dreistufige Prozess umfasst Entwicklungsfelder (wie Wohnen, Detailhandel, Verkehr), Sachbereiche (zum Beispiel Bauqualität, Denkmalpflege, Veloverkehr) und Massnahmen (Revision der Bau- und Nutzungsordnung, Bildung von Genossenschaften). In einem Vademecum sollen alle möglichen Themen gesammelt werden.

Erst am Montag hat der IG-Vorstand entschieden, dass noch in diesem Jahr mit zwei Aargauer Städten ein Pilot gestartet werden soll. «Brugg könnte ein Pilot sein. Der Entscheid fällt im März», sagte Beyeler. Wichtig dabei sei, dass es auch Spielraum für unkonventionelle Ideen gebe. Der IG-Präsident warnte aber auch davor, diesen Prozess nur mit den entsprechenden finanziellen und personellen Ressourcen zu starten. Auf die Frage von Stadtrat Reto Wettstein, mit welchen Kosten eine Stadt dafür rechnen müsse, konnte Beyeler keine Zahl nennen.

Stadtverwaltung hätte den Lead

Eine Entwicklungsstrategie wird regelmässig überprüft und weiterentwickelt. «Der Lead muss bei der Stadtverwaltung sein. Die Gesamtverantwortung liegt bei der Stadtexekutive», betonte Beyeler. Ideal wäre ein Stadtkümmerer, der die Veränderungen aktiv mitverfolgt und Ansprechperson für Gewerbetreibende, Liegenschaftsbesitzer und Bewohner sein sollte.

Um damit Erfolg zu haben, braucht es laut Beyeler ein Bekenntnis zur Altstadt, die Überzeugung der Stadtexekutive und der Politik, eine gewisse Verbindlichkeit vom Gewerbe sowie eine sinnvolle Organisation. Wichtig sei zudem das Tempo, damit bald erste Massnahmen umgesetzt werden können.

Brugg gilt bei der IG zusammen mit Bremgarten und Mellingen als belebte Wohn-Altstadt. «Fordern wir das Potenzial der Altstadt heraus, jetzt und nicht erst in fünf Jahren», hielt Beyeler fest. Es könne sich lohnen, mit kleinen Sachen wie Heizpilzen anzufangen.

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