Schenkenbergertal
Fusion von Schinznach-Bad mit Brugg würde Oberstufe Schenkenbergertal in Bedrängnis bringen

Mögliche Fusion sorgt für Besorgnis bei der Kreisschule Oberstufe Schenkenbergtal: Die Oberstufenschüler aus Schinznach-Bad würden künftig in Brugg zur Schule gehen. Dies hätte nicht nur einen längeren Schulweg zur Folge, sondern würde sich auch negativ auf den Standort Schenkenbergtal auswirken.

Janine Müller
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«Sollten die Schülerzahlen sinken, könnte dies zum Aus für den Oberstufenstandort Schinznach-Dorf führen», sagt Schulleiterin Christa Jäggi. Das würde die Bezirksschüler betreffen. (Symbolbild) Keystone

«Sollten die Schülerzahlen sinken, könnte dies zum Aus für den Oberstufenstandort Schinznach-Dorf führen», sagt Schulleiterin Christa Jäggi. Das würde die Bezirksschüler betreffen. (Symbolbild) Keystone

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Bei einer Fusion mit Brugg wird Schinznach-Bad seine Oberstufenschüler von der Kreisschule Oberstufe Schenkenbergertal abziehen. Sie sollen dann künftig in Brugg zur Schule gehen. Diese Information war das Thema am Mitwirkungsverfahren in Schinznach-Bad am Donnerstag, 9. Juni (die az berichtete). Zwei Tage zuvor wurden die betroffenen Gemeinden Auenstein, Veltheim (Schulstandort Sekundar- und Realschule), Villnachern, Thalheim und Schinznach (Standort Bezirksschule) per Brief von der Fusions-Projektleitung informiert.

Das kommt bei den Gemeindeammännern der Standortgemeinden Schinznach und Veltheim nicht gut an. «Ich war sehr erstaunt über die Mitteilung, dass Schinznach-Bad bei einer allfälligen Fusion die Oberstufenschüler nicht mehr nach Schinznach oder Veltheim schicken würde. Denn bei den vorausgegangenen Diskussionen stand eigentlich immer der Verbleib im Vordergrund», sagt Ulrich Salm, Gemeindeammann in Veltheim und zudem Präsident des Kreisschulvorstands. Es sei genau das Szenario, von dem man immer gehofft habe, dass es nicht eintrete. Urs Leuthard, Gemeindeammann in Schinznach, ergänzt: «Es wurde auch gesagt, dass ohne Erweiterung von Schulräumen die Schüler aus Schinznach-Bad mittelfristig nicht in Brugg aufgenommen werden könnten.»

Besonders enttäuscht sind die Gemeindevertreter von der Art und Weise, wie sie über diesen Entscheid informiert wurden. Gerne wären sie in einem persönlichen Gespräch in Kenntnis gesetzt worden. Ein solches soll es allerdings noch geben. «Uns wurde seitens der Projektleitung das Gespräch angeboten. Das werden wir auch wahrnehmen», sagt Salm. «Wir werden uns für den Oberstufenstandort Schenkenbergertal einsetzen.» Die Oberstufe im Schenkenbergertal sei für die Schüler aus Schinznach-Bad nahe, mit einem sicheren Weg per Velo erreichbar. Die Schüler könnten über Mittag nach Hause fahren. «Das sind doch nebst der Einbindung im Schenkenbergertal überzeugende Aspekte», so Salm. «Wir möchten trotz der Ungewissheit nach vorn schauen und unsere Anliegen einbringen.» Schliesslich könne man das Schenkenbergertal nicht stets als familienfreundlich bezeichnen und dann den Schulstandort schwächen.

Attraktivität gehe verloren

Die Gemeindeammänner argumentieren: «Mit der heutigen Struktur, den jetzigen Partnern und den geltenden Vorgaben wird die Mindestschülerzahl an der Oberstufe knapp erreicht.» Weniger Schüler könne sich negativ auf den Standort im Schenkenbergertal auswirken. «Das Tal verliert dadurch an Attraktivität, was bestimmt nicht im Sinn der Region Brugg ist», sagt Leuthard. Und Salm meint: «Im Verband Brugg Regio wird immer davon geredet, dass jede Region gestärkt werden soll, auch das Schenkenbergertal. Mit solchen Aktionen erreicht man das Gegenteil.»

Der allfällige Wegfall der Oberstufenschüler aus Schinznach-Bad bereitet den Behördenvertretern Sorgen. «Weniger Schüler bedeutet, dass diese Mindestschülerzahl möglicherweise nicht erreicht wird. Zudem hat dies auch einen Einfluss auf das Schulgeld», gibt Leuthard zu bedenken. Und Salm fährt fort: «Wenn der Kanton eine Erhöhung der Mindestzahl an Schülern pro Klasse anstrebt, dann geraten wir in Bedrängnis.» Ob dann die Schule tatsächlich geschlossen wird, ist noch völlig offen. «Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass die Schülerzahlen gleich bleiben oder leicht steigen. Das hängt aber auch von der Bautätigkeit und der Entwicklung in den Gemeinden und Quartieren ab», sagt Salm.

Schülerzahlen am unteren Limit

Dass die Schülerzahlen zurzeit eher steigen, bestätigen Christa Jäggi und Rudolf Hirschi von der Schulleitung. «Ein Oberstufenstandort braucht 6 Klassen, im Moment haben wir 14, im kommenden Schuljahr wieder 15», gibt Jäggi einen Einblick in die Zahlen. Aber: «Unsere Schülerzahlen für die Klassenbildungen sind eher an der unteren Limite der vom Kanton festgelegten Zahlen. Wenn die Schüler aus Schinznach-Bad fehlten (in diesem Schuljahr sind es total 26, d. Red.), würde dies bedeuten, dass wir an der Bezirksschule eventuell nur noch eine Klasse pro Jahrgang bewilligt bekommen und die Schüler, die die Maximalzahl 25 übersteigen würden, müssten in Brugg oder Windisch an der Bez untergebracht werden.» Weitere Änderungen: «Bei der Sereal müssten Klassen altersübergreifend geführt werden, so wie es in diesem Schuljahr in der Real der Fall ist, wo wir die 3. und 4. Real als eine Klasse führen. Beide Szenarien sind für die Schüler nicht die optimale Lösung.»

Wie die Gemeindevertreter zeigt sich auch die Schulleitung enttäuscht von den Plänen von Schinznach-Bad. «Die Kreisschule hat im Schuljahr 2013/14 ihren Betrieb aufgenommen und befindet sich noch in der Aufbauphase. Dass sich bereits jetzt eine Vertragsgemeinde verabschieden will, ist schwer zu verstehen», sagt Christa Jäggi. Dazu komme, dass der Kanton bereits bestimmt hat, dass ab Schuljahr 2020/21 Bezirksschulen nur noch mit 6 Abteilungen geführt werden können. «Sollten die Schülerzahlen sinken oder Gemeinden abspringen, könnte dies zum Aus für den Standort Schinznach-Dorf führen.»

So argumentiert die Gemeinde Schinznach-Bad

Bei einer allfälligen Fusion sollen die Oberstufenschüler von Schinznach-Bad in Brugg zur Schule. «Der Besuch der Oberstufe in Brugg bietet eine grosse Chance, dass sich die jungen Menschen bereits mit der neuen Gemeinde identifizieren», argumentiert Oliver Gerlinger, Gemeindeammann von Schinznach-Bad. «Sie können in Brugg ein Netzwerk knüpfen und damit Brugg/Schinznach-Bad als eine Gemeinde wahrnehmen und leben.»
Gemäss Aussagen von Gerlinger, könne die Stadt Brugg Oberstufenschüler ohne zusätzliche Schulbauten (und damit verbundenen finanziellen Belastungen) aufnehmen. «Bei einem Verbleib der Oberstufenschüler in der Kreisschule Schenkenbergertal müsste mit zusätzlich zu leistenden Schulgeldern von jährlich (grob geschätzt) 250 000 Franken gerechnet werden», führt der Gemeindeammann aus. Die Vorteile der Schule in Brugg seien der Mittagstisch und die Jugendarbeit. Zudem soll es ab 2018 eine halbstündliche Bahn- und Busverbindung von Schinznach-Bad nach Brugg geben. Gerlinger räumt aber ein, dass der weitere Weg ein Nachteil sein kann.
Bisher hat der Gemeindeammann von Schinznach-Bad noch keine Rückmeldungen von den Behördenvertretern der Gemeinden aus dem Tal erhalten. «Die Projektleitung hat sich mit Schreiben vom 6. Juni an den Vorstand des Gemeindeverbands Oberstufe Schenkenbergertal gewandt und damit frühzeitig auf die Absicht hingewiesen, dass die Oberstufenschüler nach dem Zusammenschluss der beiden Gemeinden (2020) nach Brugg in die Schule gehen würden – verbunden mit dem Hinweis, dass Übergangsregelungen möglich und denkbar sind», erläutert Gerlinger. Nach den Sommerferien werde man aber einen Gesprächstermin vereinbaren.
Ein Punkt ist Gerlinger ebenfalls wichtig: «Es ist nicht neu, dass in Schinznach-Bad wohnende Schülerinnen und Schüler nach Brugg in die Schule gehen. Dies war auch bei früheren Generationen so.» (jam)

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