Geht es nach dem Kanton Aargau, so soll beim Bachthalen-Kreisel in Windisch der Fussgängerstreifen entfernt und das Tor zum Areal Königsfelden geschlossen werden. Gegen die Anfang 2018 geplante Aufhebung des Fussgängerstreifens regte sich Widerstand. Eine Beschwerde von Fussverkehr Schweiz, dem Fachverband der Fussgängerinnen und Fussgänger, sowie von Windischer Institutionen und Einwohnern hat der Regierungsrat kürzlich abgewiesen.

Das kantonale Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) kündigte daraufhin an, den umstrittenen Fussgängerstreifen noch vor Weihnachten entfernen zu lassen. Der Übergang würde als Querungsstelle erhalten bleiben, weil laut BVU nach wie vor ein einfacher Fussgängerzugang in die Gaswerkstrasse gewährleistet sein muss. So weit wird es nun aber in den nächsten Monaten nicht kommen. Denn Fussverkehr Schweiz und Heini Glauser aus Windisch haben gestern Donnerstag gegen den Regierungsratsentscheid Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Aargau eingereicht.

Drei Minuten Zeitverlust auf Umweg

Die Beschwerdeführer stören sich daran, dass mit der Aufhebung des Fussgängerstreifens beim Bachthalen-Kreisel der Fussweg, der den Campus mit dem zur Fachhochschule gehörenden Sportausbildungszentrum Mülimatt verbindet, unterbrochen würde. Von bis zu drei Minuten Zeitverlust für Umwege ist die Rede. «Auch der kürzeste Fussweg vom Bahnhof Brugg zur Klinik Königsfelden verlängerte sich empfindlich», schreibt Fussverkehr Schweiz in einer Medienmitteilung. Der Kanton argumentiert mit der Stausituation am Bachthalen-Kreisel, für die er die dort querenden Fussgänger verantwortlich macht. «Wer die Situation kennt, weiss aber, dass nicht die Fussgänger für den zähen Verkehrsfluss verantwortlich sind, sondern das hohe Verkehrsaufkommen», heisst es bei Fussverkehr Schweiz.

Mit seinem Entscheid setze sich der Kanton Aargau in Widerspruch zum neuen Kommunalen Gesamtplan Verkehr (KGV), den der Regierungsrat am 13. November 2017 genehmigt hat und der am 1. Januar 2018 in Kraft getreten ist. Der KGV enthält den kommunalen Fusswegnetzplan gemäss Fuss- und Wanderweggesetz. Darin sind sowohl der Fussgängerstreifen als auch der Durchgang durchs Tor auf das Klinikgelände als behördenverbindliche Planung festgehalten. Die konsequente Nichtbeachtung der Fusswegnetzplanung und die mangelnde Güterabwägung sind für die Beschwerdenführer Grund genug, um die geplante Aufhebung dieser Fusswegverbindung nun vom Verwaltungsgericht prüfen zu lassen.

Mitte Juni hatte sich der Gemeinderat Windisch gegenüber dem Kanton ebenfalls gegen die Aufhebung des Fussgängerstreifens Bachthalen ausgesprochen, da dieser im KGV explizit festgesetzt ist. Für das gesamte Gemeindegebiet besser wäre es stattdessen, das Verkehrsmanagement Brugg Regio endlich umzusetzen.

Beschwerdeführer Heini Glauser stört sich daran, dass der Kanton für den beschleunigten Verkehr im Rahmen der Ostaargauer Strassenentwicklung (Oase) teure Tunnels bauen will und die Fussgänger tendenziell immer mehr an den Rand gedrängt werden. Der Windischer bedauert auch, dass die bisherigen Mitstreiter die Gewinnchance als Einsprecher beim Verwaltungsgericht als gering beurteilen und sich zurückgezogen haben. Er selber engagiert sich weiterhin mit Leidenschaft für die Fussgänger vor Ort – darunter unzählige Studenten und Dozenten der Fachhochschule.