Alstom-Schock

GE-Stellenabbau: Standort in Birr kommt mit blauem Auge davon

Markus Büttikofer, Gemeindeammann Birr: «Wir hätten gerne vorher gewusst, dass dieser Stellenabbau geplant ist.»

Gross war die Verunsicherung am Standort Birr, bis die Mitarbeitenden gestern Mittwoch über den Stellenabbau informiert wurden.

Markus Büttikofer, Gemeindeammann Birr: «Wir hätten gerne vorher gewusst, dass dieser Stellenabbau geplant ist.»

1300 Stellen will die Alstom an ihren Standorten abbauen. Betroffen ist auch Birr, wo unter anderem Rotoren für Turbinen produziert werden. Gemeindeammann Markus Büttikofer ist erleichtert, dass die Rotoren-Fabrik trotz -Stellenabbau weiterläuft.

Die Stimmung an den Standorten der Alstom war gestern genauso trüb wie das Wetter. Die Meldung, dass der Konzern im Aargau 1300 Stellen abbauen will, fährt den Angestellten durch den Körper wie der eisige Wind an diesem denkwürdigen Mittwochnachmittag.

Trubel herrscht auch am Standort in Birr, wo rund 1500 Mitarbeitende Rotoren für Turbinen produzieren und Hydrogeneratoren fertigen. «Die Stimmung ist bedrückt», sagen zwei Lernende des ansässigen Dienstleister libs «Industrielle Berufslehren Schweiz». «Es waren mehr Leute unterwegs als sonst, es kam zu Diskussionen.» Viele Alstom-Mitarbeitende seien unsicher gewesen, ob auch ihre Stelle gestrichen wird oder ihr Arbeitsplatz gefährdet ist. «Obwohl wir selber nicht betroffen sind und noch Lernende sind, beschäftigt uns dieser Stellenabbau. Man macht sich Gedanken über die Zukunft», sagen sie und rauschen mit ihren Velos ab.

Markus Büttikofer, Gemeindeammann in Birr, steht vor dem Alstom-Sitz in Birr den Medien Red und Antwort.

Markus Büttikofer, Gemeindeammann in Birr, steht vor dem Alstom-Sitz in Birr den Medien Red und Antwort.

Auf dem Parkplatz vor dem Alstom-Areal taucht wie aus dem Nichts eine Gruppe von rund 50 Arbeitern in blauen Übergwändli auf. Sie sprechen miteinander, diskutieren. Den Medien allerdings geben sie keine Auskunft, gehen mit ausdruckslosen Gesichtern an den wartenden Journalisten vorbei. «Fragen Sie andere», sagen die einen. Aber auch die anderen wollen nichts anmerken. «Ich glaube, wir von der Rotorenfertigung sind sicher. Also alles ok», sagt dann doch einer. Ein anderer ruft: «Wir müssen jetzt an die Arbeit, die Schicht fängt an!»

Bereits nach neuen Stellen gesucht

Die Unruhe, die seit einiger Zeit bei den Alstom-Mitarbeitenden herrschte, hatte auch Gemeindeammann Markus Büttikofer von Birr mitbekommen. Einige hätten sich schon nach einer neuen Stelle umgesehen. Büttikofer ist am Dienstagabend per Mail von der Geschäftsleitung eingeladen worden, sich am Mittwochnachmittag beim Standort Birr einzufinden. Was der Stellenabbau für das Eigenamt bedeutet, konnte der Gemeindeammann zu diesem Zeitpunkt noch nicht abschätzen. Als Arbeitgeber habe sich die Bedeutung der Alstom in den letzten Jahren reduziert. Aktuell arbeiten nur noch etwa 150 Einwohnerinnen und Einwohner von Birr beim Industriekonzern.

Beim Haupteingang der Alstom in Birr stehen drei Mitarbeiter zusammen. Sie erzählen, dass sie soeben über den Stellenabbau informiert worden sind. Sie scheinen die Informationen gelassen hinzunehmen. Angst, die Stelle zu verlieren, haben sie nicht. Ein Deutscher zuckt mit den Schultern und merkt an: «In der Schweiz findet man immer einen Job, wenn man arbeiten will.»

Alstom-Abbau: So reagieren Mitarbeiter, Politiker und Gewerkschafter

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Um halb vier Uhr trifft Gemeindeammann Markus Büttikofer gemeinsam mit dem Gemeindeschreiber Alexander Klauz ein und wird anschliessend von der Alstom über die Ereignisse informiert. Gegenüber den anwesenden Medien gibt er sich vor dem Gespräch zurückhaltend: «Wir hätten gerne vorher gewusst, dass dieser Stellenabbau geplant ist.» Dann schreitet er durch die eiserne Drehtür und geht die lange Strasse auf dem Alstom-Gelände entlang zu den Büros, wo er aufdatiert werden soll.

Nach dem Gespräch ist Büttikofer erleichtert. Der Standort Birr sei vom Stellenabbau nicht stark betroffen. «Zum Glück läuft die Rotoren-Fabrik mit rund 600 Angestellten weiter», sagt der Gemeindeammann. In anderen Abteilungen werde es zu Entlassungen kommen, die jedoch auch über natürliche Fluktuation abgefedert werden sollen. Der Stellenabbau soll insgesamt über die nächsten vier Monaten erfolgen.

Kanton soll Birr unterstützen

Die kommunizierten Massnahmen seien eine Restrukturierung der ehemaligen Alstom-Sparten, fährt Büttikofer fort. Einerseits wurden diese Massnahmen bereits durch Alstom geplant, dann durch die Übernahme jedoch beiseite gelegt. General Electric (GE) hole die Umsetzung dieser – eigentlich seit längerem notwendigen Massnahmen – nun nach. Gemäss GE würden nun die einzelnen Abteilungen gesund geschrumpft und fit für die Zukunft gemacht.

«Wenn es in einer Firma schlecht läuft, wirkt sich das natürlich auch negativ auf die Finanzen einer Gemeinde aus», sagt Büttikofer. Die Aktiensteuer-Einnahmen von juristischen Personen gehen zurück. Der Gemeinderat Birr erwartet deshalb Unterstützung vom Kanton in Sachen Finanzausgleich und Deblockade von Industrieland, insbesondere vom Regierungsrat.

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