Birr
Gemeinderat Birr überrumpelt von Entscheid des kantonalen Sozialdiensts

In der Asylunterkunft in Birr werden künftig statt Männern Frauen und Familien untergebracht, die ausreisepflichtig sind. Die Behörde wurde darüber kurzfristig informiert.

Janine Müller
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Asylunterkunft "Alte Post"

Asylunterkunft "Alte Post"

Chris Iseli

In der kantonalen Asylunterkunft «alte Post» in Birr werden bald ausreisepflichtige Personen untergebracht. Dabei handelt es sich um Familien, alleinstehende Frauen und Frauen mit Kindern. Bis anhin bewohnten bis zu 50 Männer die Unterkunft. Neu bietet die Unterkunft noch Platz für 34 Personen.

Informiert über diese Änderung wurde der Gemeinderat Birr vom kantonalen Sozialdienst (KSD) am 3. Juli. Der Gemeinderat sei nicht grundsätzlich gegen diesen Kurswechsel und habe auch Verständnis dafür, dass der kantonale Sozialdienst auf die Veränderung der Flüchtlingsströme reagieren müsse, heisst es in einer Medienmitteilung von gestern Freitag. «Man ist jedoch vom kurzfristigen Entscheid überrascht und enttäuscht, dass die Gemeinde nicht früher in die Entscheidfindung miteingebunden wurde.»

Ausgaben schwierig planbar

Zudem: Die Unterbringung von Familien bringe eine Mehrbelastung für die Schule. «Welche Kosten aufgrund dieser Umstellung auf die Gemeinde Birr zukommen, ist noch unklar und schwierig planbar», sagt Gemeindeschreiber Alexander Klauz. Ausschlaggebend ist, wie viele Kinder in die Klassen der Schule Birr integriert werden müssen und ob diese aufgrund schlechter Deutschkenntnisse in die Integrationsklasse in einer anderen Gemeinde geschickt werden müssen. «Ist dies der Fall, dann müssen wir mehr Schulgeld bezahlen», erklärt Klauz. Abhängig sind die Kosten zudem davon, ob alle Kinder in dieselbe Klasse kommen und dann eine neue Abteilung inklusive neuer Lehrperson eröffnet werden muss.

Ein Wermutstropfen aus Sicht des Gemeinderats: Das gut angelaufene Fussballprojekt mit den Bewohnern der Asylunterkunft musste seinen Betrieb bereits wieder einstellen. «Dabei hat dieses Projekt zur Belebung beigetragen und zu einem guten Austausch mit der Bevölkerung und dem Fussballclub geführt», sagt Klauz. «Der FC hat den Asylsuchenden Material zur Verfügung gestellt. Für einige hat man sogar versucht, einen Platz in einem der Teams zu finden.»

Kanton stösst an Grenzen

Auf Nachfrage der AZ beim kantonalen Sozialdienst heisst es: «Tatsächlich ist es so, dass der Kanton mit der Unterbringung von Familien zunehmend an seine Grenzen gestossen ist.» Hintergrund: Der Bund weist dem Kanton seit einigen Monaten weniger allein reisende Männer zu. Im Verhältnis wurden mehr Familien/Frauen mit Kindern zugewiesen. Auf die Situation der stark belegten Familienunterkünfte reagiere der KSD mit Umwandlungen von weniger stark ausgelasteten Männerunterkünften.

Die Evaluation der möglichen Standorte habe einige Zeit in Anspruch genommen. «Der nun gestartete ‹Umwandlungsprozess› dauert beinahe zwei Monate, was der Gemeinde Birr und dem KSD erlaubt, gut vorbereitet die Neubelegung anzugehen und umzusetzen», sagt Stephan Müller, stv. Leiter Asyl. Er betont auch, dass der Gemeinderat über die Anpassungen in der Unterkunft unterrichtet war und telefonisch über die Pläne vorinformiert wurde. «Der KSD bemüht sich immer, seine Partner so rasch wie möglich in seine Prozesse einzubinden.»
In der Medienmitteilung der Gemeinde Birr heisst es: «Anlässlich der gemeinsamen Besprechung wurde mit dem kantonalen Sozialdienst vereinbart, dass künftig eine gegenseitige aktive Kommunikation gepflegt wird und der KSD darauf achtet, die Schulstrukturen sowie die Finanzen der Gemeinde Birr – wenn immer möglich – nicht zu stark zu belasten.

Per 15. August zieht eine Frau mit zwei Kindern in der Unterkunft ein. Die weitere Belegung wird ab September erfolgen.