Brugg

«Gretli-Effekt» am Villiger Rotberg: Skilift-Betreiber blickt trotz Totalausfall optimistisch in die Zukunft

Ein Bild aus besseren Jahren: 2014 konnte die Saison des Skilifts Rotberg schon vor Silvester starten.

Ein Bild aus besseren Jahren: 2014 konnte die Saison des Skilifts Rotberg schon vor Silvester starten.

Nachdem der Skilift schon im letzten Winter nur einen einzigen Tag in Betrieb war, hat Roger Meier den aktuellen Winter bereits komplett abgeschrieben, selbst wenn noch Schnee fallen sollte.

Nein, dies ist kein aktuelles Bild des Skilifts Rotberg. «Alles grün, alles grün», bekräftig Roger Meier, Initiant und treibende Kraft hinter der Anlage zwischen Villigen und Mandach. «Diese paar Flocken machen schon alle verrückt», sagt er schmunzelnd. Sein Telefon läutet am Mittwochmorgen Sturm. Nicht nur die Medien, sondern auch Private wollen unbedingt wissen, ob der Skilift nun in Betrieb geht, nachdem gestern Morgen die ersten Schneeflocken des Winters im Flachland fielen.

Doch diese paar Flocken reichen bei weitem nicht, um den Skilift Rotberg zum ersten Mal in der Saison 2019/20 in Betrieb zu nehmen. Mindestens zehn Zentimeter Schnee müssten liegen, um mit dem Präparieren der Piste zu beginnen.

Nachdem der Skilift schon im letzten Winter nur einen einzigen Tag in Betrieb war, hat Roger Meier den aktuellen Winter bereits komplett abgeschrieben, selbst wenn noch Schnee fallen sollte. «Der Boden ist zu warm, als dass der Schnee überhaupt ansetzten könnte», meint Roger Meier.

Seit November steht die Anlage bereit

Der mobile Skilift selber steht indes längst parat. Wie in den Vorjahren wurde er vom Team rund um Roger Meier in einem viertägigen Arbeitseinsatz bereits im November aufgestellt. Ernüchtert ist er deshalb nicht: «Wir haben vier Tage schon doofer verplempert». Beizli und Gondelbar stehen ebenfalls bereit. Geöffnet waren aber auch sie diesen Winter noch nicht. «Ohne Schnee kommt niemand hier hoch», sagt Roger Meier.

Um dies zu ändern, plant die bunt zusammengewürfelte Truppe, die hinter dem Skilift Rotberg steht, für den nächsten Winter bereits ein «Schlechtwetterprogramm»: Heisst in diesem Fall, eine Veranstaltung, die auch funktioniert, wenn kein Schnee fällt. In den Startlöchern steht das Projekt eines Seifenkisten-Wettbewerbs. So sollen Seifenkisten gebaut werden, die zwar auf Rädern rollen, aber innert kürzester Zeit zu Schlitten umfunktioniert werden können. So kommen die Kisten wetterunabhängig den Hügel hinunter, um danach vom Skilift wieder nach oben gebracht zu werden. Ein möglichst originelles Motto und dessen Umsetzung soll dann von einer Jury bewertet werden.

Zum Saisonende gibt es trotzdem Raclette

Trotz Totalausfall und finanziellem Schaden von rund 2500 Franken diesen Winter, blickt Roger Meier optimistisch in die Zukunft. Nebst der Idee des Seifenkisten-Turniers als «Plan B», glaubt Meier auch, dass bald wieder richtige Winter kommen werden. Vom «Gretli-Effekt» – eine Anspielung auf die Klima-Aktivistin Greta Thunberg – spricht er leicht ironisch. Schwankungen habe es immer gegeben.

Um den finanziellen Verlust zu minimieren, hofft Meier auf rege Beteiligung am traditionellen Raclette-Essen zum Saisonende im Beizli beim Skilift Rotberg am 28. März. «In diesem Jahr wird der Anlass Saisonende und -start in einem sein», gibt Roger Meier zu. Tatsächlich hat die Saison 2019/20 für den Skilift Rotberg gar nie begonnen.

Das Team um den Skilift Rotberg ist kein Verein, sondern eine Gruppe von Idealisten, die sich zum Ziel gesetzt haben, Kindern und Familien Schneesport im Unterland zu ermöglichen. Die Benutzung des Liftes ist kostenlos und wird, nebst Sponsoren und Gönnern sowie freiwilligen Beiträge der Benützer, durch die Bewirtschaftung und Vermietung des Beizlis und der Gondelbar finanziert. Das Team um Roger Meier arbeitet unentgeltlich.

An sonnigen Wintertagen tummeln sich in schneereichen Jahren jeweils bis zu 1000 Schneesportbegeisterte um den 250 Meter langen Skilift am Villiger Hausberg.

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