Elfingen

Grosses Fest für Traktoren-Fans: Verlag Röthlin feiert Jubiläum mit über 200 Fahrzeugen

Gerold und Esther Röthlin vor ihrem Hürlimann D-210. Im Hintergrund die Scheune, in der am Wochenende eine der drei Festbeizen sein wird.

Gerold und Esther Röthlin vor ihrem Hürlimann D-210. Im Hintergrund die Scheune, in der am Wochenende eine der drei Festbeizen sein wird.

Der Verlag Röthlin in Elfingen ist seit 20 Jahren in der Traktoren-Szene bekannt. Nun wird sein rundes Bestehen gross gefeiert – über 200 Oldtimer und Landmaschinen werden erwartet.

Als Kindergärtler wusste Gerold, was er werden will: «Ich werde Bauer.» Rund 40 Jahre und drei Kinder später ist es ein wenig anders gekommen. Gerold Röthlin hat zwar seine Lehre als Landwirt absolviert und auch 13 Jahre auf dem Beruf gearbeitet. Während der letzten Jahre war er aber im Aussendienst tätig und lebt seine Leidenschaft für Traktoren und Landmaschinen auf andere Art aus.

Gemeinsam mit seiner Frau Esther betreibt der Familienvater den Verlag Röthlin in Elfingen. Der Verlag ist vor allem in der Traktoren-Szene bekannt und beliebt. Seit 20 Jahren schreibt und veröffentlicht Gerold Röthlin Bücher über die Entwicklung der Traktoren und die Firmengeschichten, die dahinterstehen. Dieses Wochenende wird das 20-jährige Bestehen des Verlags gross in Elfingen gefeiert.

«Wir sind zuversichtlich, dass unser neues Buch auf grosses Interesse stösst»

«Wir sind zuversichtlich, dass unser neues Buch auf grosses Interesse stösst»

Gerold Röthlin spricht über das neue Buch – und präsentiert einen Hürlimann-Traktor

Gerold Röthlin (49) sammelte bereits während der Schulzeit Traktoren-Prospekte. Er entdeckte seine Leidenschaft für die Entwicklung der Landtechnik und entschied sich, sein angesammeltes Wissen schriftlich festzuhalten. So erschienen 1998 die Zeitschrift «Diesel-Post» und sein erstes Buch «Bührer – Prospekte 1930 bis 1978». Unterstützt wurde er von seiner Mutter Hedy. Seine jetzige Ehefrau Esther (43) arbeitet seit 2010 im Verlag mit, da Amors Pfeil erst dann traf.

Recherche wurde schwieriger

Gerold Röthlin schreibt die Texte bis heute selber und ist auch für die Fotografie zuständig. Er arbeitet mit einem Grafiker aus Willisau zusammen, der für ihn das Layout der Seiten arrangiert und das Korrekturlesen organisiert. Obwohl es im Ausland massiv günstiger wäre, werden die Bücher aus Prinzip in der Schweiz gedruckt. Die Recherche wurde mit der Zeit immer schwieriger. Denn mit dem Versterben ehemaliger Mitarbeiter schwindet auch das Wissen über die Unternehmensgeschichte.

Der Verlag ist für Gerold Röthlin nie der Hauptberuf gewesen, sondern ein sehr zeitintensives Hobby. «Ich machte jahrelang keine Ferien», erzählt er. Das Magazin «Diesel-Post» startete holprig und schrieb rote Zahlen. Doch mit der Zeit entwickelte es sich und läuft gut. Es erschien viermal pro Jahr und zählte am Ende 1600 Abonnenten. Im Dezember 2008 wurde die letzte Ausgabe des «Diesel-Magazins» publiziert.

Grund für den Schlussstrich war der Zeitaufwand. Seine damals 73-jährige Mutter Hedy wollte in den wohlverdienten Ruhestand und alleine war es nicht machbar. «Ich stoppte auf dem Höhepunkt», sagt Gerold Röthlin. Rückblickend eigentlich schade, denn nur zwei Jahre später kam seine Ehefrau Esther in sein Leben und arbeitet seither für den Verlag.

Bis heute sind acht Bücher erschienen und am Fest ist der Erstverkauf des neunten Buchs, «Schweizer Traktoren und Landmaschinen». Für das neue Buch hat Gerold Röthlin das Konzept angepasst. Es ist erstmals ein Bildband. Rund 100 Fahrzeuge werden mit selber gemachten Bildern und einem kurzen, aber informativen Text vorgestellt.

In nur einem Jahr entstand das gesamte Buch. Eine sehr kurze Zeitspanne im Vergleich zu den vorherigen Büchern. Für das ausverkaufte Bührer-Buch benötigte Gerold Röthlin gar acht Jahre, bis er mit dem Endergebnis zufrieden war. Um die Bücher über Motrac (2003) und Meili (2004) zu schreiben, nahm er sich sogar eine berufliche Auszeit für ein Jahr und arbeitete intensiv an diesen Büchern.

Sein neustes Werk war ebenfalls mit viel Aufwand verbunden. Der 49-Jährige reiste in der ganzen Schweiz umher, um die Traktoren abbilden zu können. Eine fotografische Ausbildung hat er zwar nicht, dafür aber viel Erfahrung. «Ich bin ein heikler Fotograf», sagt er über sich selbst. Erst vor vier Wochen wurde die letzte Seite des Buches fertig.

«Gedruckt ist es schon, aber noch nicht gebunden», erzählt Gerold Röthlin und grinst. Eine Auflage von 2500 Stück wurde gedruckt und es sind bereits 400 Vorbestellungen eingegangen. Bei vier seiner Bücher ist die komplette Auflage ausverkauft. «Innerhalb eines Jahres muss ein Buch die Selbstkosten decken», erklärt der Verleger. Daher hofft er auch auf einen guten Verkaufsstart am Wochenende.

Am Samstag und Sonntag gibt es für das 20-Jährige ein grosses Fest in Elfingen. Der Anlass war ursprünglich viel kleiner angedacht. Doch als sich immer mehr Teilnehmer aus der Schweiz und aus Deutschland für das Oldtimer-Traktoren- und -Landmaschinen-Treffen meldeten, dämmerte es dem Ehepaar Röthlin: Es würde wohl eine grosse Sache geben. Der definitive Entscheid dazu kam allerdings erst diesen Februar. Innert weniger Monate stellten die beiden alles auf die Beine.

Über 200 Traktoren erwartet

Am Samstag geht es ab 9 Uhr los. Es wird viel geboten: drei Festbeizen, Hüpfburg und Spielplatz für die Kinder, Marktstände und vieles mehr. Die Familie Röthlin bietet auch Ware aus ihrem Laden an: Bücher, Modelle oder T-Shirts stehen unter anderem zur Auswahl. Für das Traktoren-Treffen hat das Ehepaar Röthlin einen Deal mit den Nachbarbauern.

Damit alle Traktoren – es werden über 200 erwartet – in Elfingen Platz finden, können die umliegenden Felder als Stellplatz benützt werden. Das Festgelände ist bewusst weitläufig, so können die Besucher zirkulieren. Am Abend wird dann in der Scheune gefeiert. Die ist allerdings noch nicht partytauglich, es stehen vier Traktoren drin und der Boden muss verstärkt werden. Seit gestern ist Gerold Röthlin voll mit dem Aufbau beschäftigt.

Ein Fest in dieser Grössenordnung ist ohne Helfer nicht machbar. Daher wurden die Vereine aus der Region angefragt. So haben sich 70 Helfer gefunden, sogar der Füürwehr-Verein Fislisbach hilft mit. Esther Röthlin hat die Helfer in mehrere Schichten eingeteilt: «Eigentlich bräuchten wir noch zehn Helfer mehr», erzählt sie. Die Helfer haben zwar lange Schichten, aber sie werden ordentlich entschädigt. «Wir wollen an unserem Fest nicht reich werden», sagt Esther Röthlin. «Daher wird ein allfälliger Überschuss an die Vereine weitergegeben.»

Es ist nicht das erste Fest des Ehepaars Röthlin. Seit ihrem Umzug 2014 von Fislisbach nach Elfingen findet im November das Schürfest statt. «Mit dem Umzug nach Elfingen ist ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen: ein altes Bauernhaus mit Schür», erzählt Gerold Röthlin mit einem Leuchten in den Augen. Für das Schürfest organisieren sie jeweils einen Fondueplausch mit Musikunterhaltung durch Hans Arnold.

Der Musiker wird diesen Samstagabend ebenfalls dabei sein und in der Scheune für Unterhaltung sorgen. Für das grosse Fest am Wochenende war eine Spezialbewilligung der 300-Seelen-Gemeinde nötig. Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde lief reibungsfrei. «Auch der Gemeinderat freut sich, dass in Elfingen etwas läuft», erzählt Röthlin.

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