1.-Mai-Feier in Brugg

Grüne-Nationalrätin Irène Kälin auf dem Brugger Neumarktplatz: «Wir Frauen haben jeden Tag einen Grund zum Streiken»

Eigentlich möchte die Grünen-Nationalrätin Irène Kälin über etwas anderes reden als Frauenthemen an der 1.-Mai-Feier in Brugg. Eigentlich.

Es sei grundsätzlich eigentlich total unsinnig, dass die Frauenthemen immer an den Frauen hängen bleiben. Trotzdem – «wer, wenn nicht ich?» – schwört sie die Anwesenden an der 1.-Mai-Feier auf dem Neumarktplatz in Brugg auf den Frauenstreik 2019 ein: die kämpferische Irène Kälin, Nationalrätin der Grünen und Präsidentin von «ArbeitAargau».

Sie würde gerne auch einmal über etwas anderes reden als über Gleichstellung, Lohngleichheit und die geschlechterbedingte Ungerechtigkeit, betont sie. Aber solange sich an der Ausgangslage nichts ändere, eine Frau diskriminiert werde, weil sie eine Frau sei, so lange müsse der Missstand benannt, dagegen gekämpft werden, fährt sie fort. «Denn wenn man nichts fordert, dann wird es sicher nicht besser.»

Ausschnitte von den Reden an der 1.-Mai-Feier in Brugg

Sie werde – auch auf die Gefahr hin, dass sie als renitent wahrgenommen werde – weiterhin wiederholen, was die Frauen nicht länger akzeptieren: das fehlende Geld im Portemonnaie, versichert Irène Kälin. Um gleich darauf eine ganze Reihe von Gründen aufzuführen zum Streiken: von der Untervertretung der Frauen in den Chefetagen und der Übervertretung der Frauen im Tiefstlohnbereich bis zu den fehlenden Krippenplätzen und den fehlenden Möglichkeiten für Jobsharing. «Es stellt sich also wahrlich nicht die Frage, ob es einen Frauenstreik braucht», fasst die Nationalrätin zusammen. «Im Gegenteil: Eigentlich hätten wir Frauen jeden Tag einen Grund zum Streiken.» Es sei höchste Zeit, ein starkes Zeichen zu setzen. «Wir wollen das Stück vom Kuchen, das uns zusteht.»

SP-Grossrat Martin Brügger erzählt in seiner Rede in der Folge von seinem Besuch des 1.-Mai-Umzugs in den Sechzigerjahren zusammen mit seinem Vater. Er dürfe zurückblicken, stellt er mit einem Schmunzeln fest, denn er sei etwas älter als seine beiden Vorredner Irène Kälin und Cédric Wermuth, Nationalrat und Ständeratskandidat der SP.

Brügger erinnert an die Zeiten, als es keine Sozialversicherungen und Krankenkassen gab, als der Lohn kaum fürs Leben reichte. Er ruft dazu auf, sorgfältig umzugehen mit den Errungenschaften der Vorfahren. Für einen entlassenen über 50-Jährigen, macht er ein Beispiel, sei es schwierig, wieder Anschluss zu finden – «obwohl man viel geleistet hat». Es werde suggeriert, man sei nicht mehr auf dem aktuellen Stand, die Lohnnebenkosten seien zu teuer. «Dabei stimmt es meistens nicht.»

Durch die rege besuchte 1.-Mai-Feier an diesem strahlend sonnigen, milden Abend führt Sacha Schenker, Co-Präsident der SP Bezirk Brugg. Für den humorvollen Abschluss sorgt Slampoet Etrit Hasler aus St. Gallen.

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Autor

Michael Hunziker

Michael Hunziker

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