Brugg-Windisch

«Grüner Güggel»: Die katholische Kirchgemeinde setzt sich aktiv für die Umwelt ein

Teamarbeit bei der Kirche St. Nikolaus in Brugg.

Teamarbeit bei der Kirche St. Nikolaus in Brugg.

Zur Eindämmung der Klimakrise wollen auch Kirchen vermehrt ihren Beitrag leisten. Was Reformierte in Deutschland mit dem Label «Grüner Hahn» initiiert haben, findet in der Schweiz mit dem Label «Grüner Güggel» seine Fortsetzung.

Als erste Schweizer Kirchgemeinde wurde Romanshorn 2015 mit diesem Umweltzertifikat ausgezeichnet. Aktuell befinden sich rund 20 weitere Kirchgemeinden in Schweiz auf dem Weg zur Zertifizierung. Im Aargau sind es die drei römisch-katholischen Kirchgemeinden Brugg-Windisch, Lenzburg und Schöftland sowie die Verwaltung der Landeskirche Aargau.

In den nächsten Monaten steht das Prüfverfahren durch einen externen Auditor an. Läuft alles nach Plan, so können die vier Anwärterinnen das Label «Grüner Güggel» am 28. Juni in Form einer Bronzeplakette entgegennehmen.

Kirchgemeinde organisiert im Mai Setzlingsmarkt

Mit der Einführung eines nachhaltigen Umweltmanagementsystems übernimmt der Pastoralraum Brugg-Windisch eine Vorreiterrolle im Kanton. Iris Bäriswyl hat diesen Prozess angestossen, der über den Verein «oeku – Kirche und Umwelt» läuft. Die 49-Jährige leitet den Fachbereich Soziales und ist Umweltbeauftragte der Kirchgemeinde Brugg-Windisch.

«Ich habe mit der Kirchenpflege Kontakt aufgenommen und stiess auf offene Ohren.» Das Gremium beschloss 2018, ab Herbst mit allen fünf Kirchenzentren (Brugg, Windisch, Birr, Riniken und Schinznach-Dorf) am Zertifizierungsprozess «Grüner Güggel» teilzunehmen.

Bis im April muss nun der Umweltbericht fertig sein. Iris Bäriswyl ist begeistert, wie motiviert sich Angestellte und Freiwillige im Umweltteam mit den unterschiedlichen Themen auseinandersetzen. Sie spricht von einem natürlichen Prozess, der– zuerst im Kopf und dann manuell – in Gang gesetzt wurde.

Erste positive Auswirkungen

So plane beispielsweise die Untergruppe Biodiversität am Samstag, 9. Mai, einen Markt beim Windischer Kirchenzentrum mit Setzlingen von ProSpecieRara und einheimischen Pflanzen.

Iris Bäriswyl verweist auf die ersten positiven Auswirkungen dieses Zertifizierungsprozesses: «Zum Beispiel verwenden wir als Kopier- und Druckpapier nur noch 100-prozentiges Recyclingpapier. Zudem vermeiden wir Plastik und nutzen nur noch Mehrweggeschirr. Auch im Bereich Recycling hat jedes Kirchenzentrum aufgerüstet und sammelt Plastik, PET, Alu und weitere Wertstoffe getrennt.»

Eine Gruppe des Umweltteams befasse sich mit dem Energieverbrauch und dessen Optimierung. Die Sozialarbeiterin spricht von einem Sensibilisierungsprozess, der auch mal zu kontroversen Diskussionen führen kann. Auf jeden Fall gehe es nicht darum, alles auf den Kopf zu stellen, sondern beispielsweise bei Neuanschaffungen an die Ökologie zu denken. Die Bewahrung der Schöpfung ist spätestens seit der Papst-Enzyklika «Laudato Si» ein wichtiges Thema für die Kirche.

Aus der Öffentlichkeit sind Anregungen willkommen

Was genau hinter dem Zertifizierungsprozess «Grüner Güggel» steckt, wollen Iris Bäriswyl sowie der externe WWF-Umweltberater Andreas Frei am nächsten Donnerstag an einer öffentlichen Informationsveranstaltung im Kirchenzentrum in Windisch aufzeigen. Dabei sind auch Anregungen aus dem Publikum willkommen.

Bäriswyl ist überzeugt, dass die Kirchgemeinde die Prüfung schaffen wird. Der «Grüne Güggel» besteht aus einem Vierjahresprogramm, das jährlich intern überprüft wird. Nach zwei Jahren gibt es ein Gutachten und nach vier Jahren die Re-Zertifizierung.

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