Bezirksgericht Brugg
Halb gerauchter Joint hat teures Nachspiel: 40-Jähriger verursacht Feuerbrunst – und wird schuldig gesprochen

Bezirksgericht Brugg spricht 40-jährigen Mann schuldig. Er erhält eine bedingte Geldstrafe von 150 Einheiten à 70 Franken. Zur Last gelegt wurde ihm auch mehrfache Übertretung gegen das Betäubungsmittelgesetz, weil er einige Gramm Marihuana, Haschisch und Kokain besass.

Michael Hunziker
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Der Beschuldigte hat gemäss Anklageschrift einen Joint «nicht ordentlich entsorgt» (Symbolbild).

Der Beschuldigte hat gemäss Anklageschrift einen Joint «nicht ordentlich entsorgt» (Symbolbild).

Guido Röösli (Neue LZ)

Wie und wo ist der Brand ausgebrochen? Mit diesen Fragen hat sich kürzlich das Bezirksgericht Brugg beschäftigt. Der beschuldigte Salvatore (Name geändert) hat gemäss Anklageschrift fahrlässig eine Feuersbrunst verursacht, weil er einen Joint «nicht ordentlich entsorgte». Er habe beim Rauchen elementare Sorgfaltspflichten missachtet. Die Staatsanwaltschaft forderte eine bedingte Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu je 180 Franken sowie eine Busse von 840 Franken.

Zum Vorfall gekommen war es im Sommer des letzten Jahres in einem der oberen Stockwerke eines grossen Mehrfamilienhauses in der Region. Die Wohnung teilt Salvatore mit seiner Mutter. Der 40-Jährige – gepflegte Frisur und modischer Bart, dunkles Hemd, blaue Jeans und schwarze Turnschuhe – erinnerte sich gut an diese Nacht. Er habe an seinem Schreibtisch gesessen, am Computer gearbeitet und zwischendurch ferngesehen. Der Joint, den er geraucht habe, sei erloschen. Er habe diesen in den Aschenbecher gelegt und sei schlafen gegangen.

Brandermittler schliesst Geräte als Brandursache aus

Um 2 oder 3 Uhr wurde Salvatore wach. Er habe Rauch wahrgenommen und Flammen gesehen bei seinem Schreibtisch, sei erschrocken, aufgestanden und habe versucht, das Feuer zu löschen mit einem Kübel Wasser. Aber er habe keine Chance gehabt, sagte er in der Befragung durch Einzelrichter Sandro Rossi. Das Feuer sei immer stärker geworden. Verheerend sei wohl gewesen, dass er die Fenster geöffnet habe.

Mit seiner Mutter stürmte er aus der Wohnung, weckte die Nachbarn und verständigte die Polizei. Diese sei genau wie die Feuerwehr schnell vor Ort gewesen. Dankbar und froh sei er, dass er überhaupt erwacht sei, stellte Salvatore fest. Normalerweise schlafe er sehr tief. Er habe ein neues Leben geschenkt bekommen, es tue ihm leid, was passiert sei. Er sei «leider» zwar kein Spezialist, erklärte er. Aber er zeigte sich fest davon überzeugt, dass der Brand von der Steckdosenleiste am Boden ausging.

Der Brandermittler, der als Zeuge vor Gericht aussagte, schloss dagegen sämtliche Elektrogeräte aus als Brandursache. Die Steckdosenleiste sei in einem intakten Zustand gewesen.

Verteidiger bezeichnet den Bericht als unbrauchbar

Der Verteidiger übte harsche Kritik am Fachbericht des Brandermittlers, bezeichnete diesen als absolut ungenügend, unbrauchbar und einseitig. Sein Mandant – dieser sei nach dem Brand in ein tiefes Loch gefallen – sei vom Vorwurf der fahrlässigen Verursachung einer Feuersbrunst freizusprechen. Auch die Zivilforderung soll abgewiesen werden. Beim Brand entstanden war ein Sachschaden von 140'000 Franken. Die Aargauische Gebäudeversicherung machte eine Regressforderung von rund 56'000 Franken geltend.

Gericht sah keine technische Ursache

Die Polizei habe sich, führte der Verteidiger in seinem Plädoyer aus, von Anfang an auf den Aschenbecher als Brandherd fixiert, habe keine andere Brandursache – wie ein Fehler bei der Steckerleiste – in Betracht gezogen. Ein Fachbericht aber dürfe keine Möglichkeit ausschliessen.

Dieser Aussage widersprach Gerichtspräsident Sandro Rossi in der Urteilsbegründung. Der Brandermittler gehe nach dem Ausschlussprinzip vor, zähle also auf, was nicht zum Brand geführt habe. Das Gericht sah ebenfalls keine technische Ursache für den Brand, verwies auf die geringen Schäden an Steckdosenleiste, Boden darunter und Wand dahinter.

Nur mit Riesenglück kamen sie unversehrt davon

Kein Zweifel bestand für das Gericht darin, dass unsachgemässer Umgang mit Raucherwaren zum Brand geführt hatte. Als angemessen erachtete es eine bedingte Geldstrafe von 150 Einheiten à 70 Franken sowie eine Busse von 1000 Franken. Nicht in vollem Umfang gutgeheissen werden könne die Zivilforderung, weil keine konkrete Schadensberechnung vorgenommen wurde, so das Gericht.

Widerhandlung gegen Strassenverkehrsgesetz zur Last gelegt

Auch in den weiteren Punkten – diese waren unbestritten – wurde der Angeklagte schuldig gesprochen. Als strafbare Handlungen zur Last gelegt wurden ihm weiter mehrfache Übertretung gegen das Betäubungsmittelgesetz, weil er einige Gramm Marihuana, Haschisch und Kokain besass, sowie Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz, weil er eine Geschwindigkeitsbusse nicht bezahlt hatte. An die Deckung der Verfahrenskosten wird ein in der Wohnung beschlagnahmter Geldbetrag von 11750 Franken und 150 Euro angerechnet.

Gerichtspräsident Sandro Rossi wies den Beschuldigten zum Schluss darauf hin, dass er sowie seine Mutter und die weiteren Bewohner des Mehrfamilienhauses nur mit Riesenglück unversehrt davongekommen seien bei diesem Brand.