«Diese Busse finde ich nicht in Ordnung», sagt die Frau am Telefon. Sie tönt nicht aufgebracht. Sie habe, fährt sie fort, das einfach einmal zu bedenken geben wollen. Ihr Mann lebt im Süssbach Pflegezentrum in Brugg, schildert sie. Für die zuvorkommende, liebenswürdige Pflege sei sie dankbar, ihr Mann sei zufrieden. Eines Tages wollte sie mit ihm einen Ausflug unternehmen, wie es regelmässig vorkommt. «Ich will für meinen Mann da sein, ihm eine Freude machen.»

Um ihn im Zimmer abzuholen, hat sie ihr Auto für kurze Zeit stehen lassen, allerdings nicht auf einem vorgesehenen, markierten Parkplatz. Prompt kassierte sie eine Busse von 40 Franken. Als sie später in der Aargauer Zeitung über den Brugger Rechnungsabschluss las und feststellte, dass die Stadt ein Nettovermögen von 78,5 Mio. Franken hat, griff sie zum Telefonhörer. «Das ist einfach nicht richtig.»

Sie ist nicht die Einzige mit einer Parkbusse. Eine andere Frau erzählt, dass sie für den Besuch des Pflegezentrums mittlerweile oben im Eisi parkiert und die Strecke an die Fröhlichstrasse zu Fuss zurücklegt. Bei einem Augenschein am Dienstagnachmittag suchen gleich mehrere Autofahrer einen freien Parkplatz. Eine Frau kurbelt das Fenster runter. Sie habe einen Arzttermin, sagt sie und fragt, wo es weitere Parkierungsmöglichkeiten gebe.

Reklamationen gibt es regelmässig

Dass die Parkplatz-Situation derzeit angespannt ist, weiss Claudia Kirsch, Stv. CEO sowie Leiterin Organisationsentwicklung und Kommunikation bei der Süssbach Pflegezentrum AG. Durch die gewachsenen Strukturen – sie erwähnt neben dem Süssbach Pflegezentrum auch das Haus der Medizin sowie das Medizinische Zentrum Brugg – habe der Bedarf an Parkplätzen in den letzten Jahren zugenommen. Durch das Bauprojekt Akkord habe sich die Situation insofern verschärft, dass teilweise eine gewisse Anzahl an Parkplätzen vorübergehend nicht genutzt werden konnte. Eine Entschärfung sei voraussichtlich ab Mitte 2020 mit dem Abschluss des Grossprojekts Akkord zu erwarten, sagt sie. «Dann werden insgesamt 60 Parkplätze mehr zur Verfügung stehen.» Diese würden eine gewisse Entlastung bringen.

Beim ambulanten Empfang an der Fröhlichstrasse 7 gebe es mehrmals pro Woche Kritik wegen fehlender freier Parkplätze, sagt sie auf Nachfrage. Reklamationen aufgrund von Bussen kämen im Süssbach etwa zwei-, dreimal pro Monat vor.

Empfohlen wird Anreise mit öV

Den Angehörigen und weiteren Besuchern des Pflegezentrums stehen zwar kostenpflichtige Parkplätze an der Fröhlichstrasse 5 und 7 zur Verfügung, auf denen die Autos während maximal 12 Stunden abgestellt werden können. Der Süssbach sei aber auch sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar, hält Claudia Kirsch fest, der Bahnhof Brugg in 5 Minuten zu Fuss erreichbar. «Wir empfehlen, wenn immer möglich, mit öV anzureisen.» Auf der Süssbach-Website, fügt sie an, sei ein Lageplan zu finden, auf dem der Fussweg eingezeichnet sei.

Andreas Lüscher, Chef der Regionalpolizei (Repol) Brugg, rät den Besuchern, ihre Fahrzeuge ausschliesslich auf den dafür vorgesehenen Plätzen abzustellen – selbst bei kurzen Aufenthalten. Denn bei Kontrollen würden fehlbare Lenker geahndet. Bei welchen Autofahrern es sich dabei um Angehörige handle, könne die Repol nicht abschätzen. Kontrollen würden im Bereich des Süssbach Pflegezentrums sowie des Medizinischen Zentrums Brugg seit Jahren regelmässig durchgeführt, ergänzt Lüscher. Die Praxis sei die gleiche wie in allen anderen Stadtgebieten.