Innenverdichtung

Historischer Ortskern von Schinznach-Dorf soll dichter werden: Der neue Masterplan gibt Spielregeln vor

Der Bearbeitungsperimeter entspricht in etwa der Dorfkernzone gemäss Zonenplan. Situativ wurde der Perimeter an die örtlichen Gegebenheiten angepasst.

Der Bearbeitungsperimeter entspricht in etwa der Dorfkernzone gemäss Zonenplan. Situativ wurde der Perimeter an die örtlichen Gegebenheiten angepasst.

Es soll nach vorne gehen im Schinznacher Zentrum, aber mit Qualität. Verdichtetes Bauen in einem historischen Umfeld ist jedoch nicht einfach. Ein Plan soll Abhilfe schaffen.

Wie kann der historisch wertvolle Ortskern Schinznach-Dorf qualitätsvoll weiterentwickelt und gleichzeitig die bestehende Bausubstanz erhalten werden? Antworten auf diese Frage gibt der Masterplan, der öffentlich aufliegt. Er enthält Grundlagen zum Umgang mit Bauten, Freiräumen, Gärten, Verkehrswegen oder Parkierung.

Der Masterplan ist für Schinznach wichtig, weil die Gemeinde ein Ortsbild von nationaler Bedeutung hat, sagt Urs Leuthard, Gemeindeammann und Präsident der Begleitkommission. Eine Innenverdichtung in einem solchen Ortsbild zu erzielen, sei anspruchsvoll, denn: «Innenverdichtung bedeutet nicht einfach, möglichst viele Bauten auf engem Raum zu realisieren», stellt Leuthard fest. «Auch die Qualität und Intensität des Freiraums ist zentral.»

Es sei entscheidend, dass im Perimeter des Masterplans – Unter- und Oberdorfstrasse – weiterhin gebaut werden kann und das Dorf lebendig bleibt, fährt Leuthard fort. «Ausserdem ist es dem Gemeinderat wichtig, dass sich Gewerbebetriebe entwickeln und auch ansiedeln können.»

Die Rückmeldungen der Bevölkerung sind gefragt

In der Bau- und Nutzungsordnung in Schinznach, die 2015 angenommen wurde, ist verbindlich vorgegeben, dass ergänzend eine Masterplanung erfolgen soll. «Der Masterplan ist nach der Genehmigung durch den Gemeinderat behördenverbindlich», erklärt Leuthard. Bevor der Gemeinderat diesen jedoch genehmige, ergänzt er, sei es ihm ein Anliegen, die Bevölkerung zu informieren, den Puls zu spüren und Rückmeldungen sowie Stellungnahmen zu berücksichtigen.

Morgen Mittwoch sowie am Dienstag, 26. November, finden in der Mehrzweckhalle zwei inhaltlich unterschiedliche Informationsanlässe statt. Beim ersten Anlass werden vor allem die Inhalte des Masterplans vorgestellt und Fragen entgegengenommen, sagt Leuthard. Beim zweiten soll dann eine Diskussionsmöglichkeit bestehen. Dem Gemeinderat liege eine breite Information zu den Auswirkungen, der Einbezug der Bevölkerung nach der langen Bearbeitungsphase am Herzen. Deshalb erhofft sich die Behörde, dass möglichst viele teilnehmen und sich konstruktiv einbringen.

Vorgesehen ist geschicktes Parkplatzmanagement

Im Masterplanbericht heisst es etwa konkret, dass bei den ökologisch wertvollen Freiräumen und den öffentlichen Räumen eine Weiterentwicklung gewünscht ist, der Ursprung – Charakter und Strukturen – aber lesbar bleiben soll: bei Vorgärten und Baumgärten, im Bereich Talbach, Schulhausplatz, Kirche oder Gasthof Bären.

Beim Strassen und Wegnetz ist laut Masterplan eine neue Verbindung entlang des Dorfbachs zentral, um die Neubaugebiete mit dem Ortskern und der Schule zu verbinden.

Stark eingeschränkt sei die Möglichkeit für die Erstellung eines Parkplatzangebots, wird weiter ausgeführt. Zusätzlicher Bedarf soll in gemeinschaftlichen Parkierungsanlagen angeboten werden. «Im Sinne einer nachhaltigen Mobilitätsentwicklung soll das Parkplatzangebot auf ein minimiertes Angebot reduziert werden, ohne die Entwicklung einzuschränken», heisst es. «Zudem sollen für die Nutzung der öffentlichen Parkfelder – insbesondere für die Dauernutzung – die Voraussetzungen für eine Parkplatzbewirtschaftung geschaffen werden.»

Mit einem geschickten Parkplatzmanagement sei es überdies möglich, das vorhandene Angebot über den ganzen Tag besser auszulasten und die erforderlichen Flächen zu reduzieren. Zum Beispiel könnten Parkplätze, die über den Tag von Angestellten und Geschäftskunden genutzt werden, zu Randzeiten und während der Nacht von Bewohnerinnen und Bewohnern zur Verfügung stehen.

Mit verschiedenen Massnahmen soll ein autoarmes Mobilitätsverhalten unterstützt werden. Als Stichworte genannt werden unter anderem Car-Sharing-Angebot, Hauslieferdienst, Verleih von Transportvelos oder Veloreparaturmöglichkeiten.

Im Bereich Trotte besteht ein hohes Potenzial

Sogenannte Vertiefungsbereiche erfordern gemäss Masterplan einen erhöhten Koordinationsbedarf. Die Rede ist beispielsweise von: Ortseingang Oberflachs, Wannenweg, Oberdorfstrasse und Vorplatz Gemeindehaus, Mittlere Mühle und Untere Mühle, Talbach oder Trotte.

Bei Letzterer handelt es sich gemäss Masterplan um ein zentral gelegenes Grundstück mit einem hohen Potenzial für Umnutzung und Verdichtung. «Die Bauten der Trotte können durch neue, zeitgemässe und gestalterisch hochstehend eingepasste Bauten ersetzt werden.»

Die weiteren Planungsschritte werden nun in enger Zusammenarbeit mit den betroffenen Grundeigentümern, der Ortsbildkommission sowie der übrigen Bevölkerung erfolgen.

Informationsanlässe

zur Masterplanung am Mittwoch, 13.November, und Dienstag, 26.November, Mehrzweckhalle; Türöffnung jeweils 18.30 Uhr; Begrüssung jeweils 19.30 Uhr.

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