Birrfeld/Brugg

Hospiz schickt einen Patient in den Himmel

Seit drei Wochen lebt Peter Kobert im Hospiz Aargau in Brugg. Sein Körper hat nicht auf eine Chemotherapie angesprochen. Der 70-Jährige erzählt, was er vom Fliegen hält und warum er es in seinem Leben noch nie so schön hatte.

In der letzten Lebensphase nochmals abheben zu können und den Aargau von oben zu sehen: Die Idee, die im vergangenen Herbst am 20-Jahr-Jubiläum der Hospiz Palliative Care plötzlich die Runde machte, ist am Samstagabend zum Fliegen gekommen.

Der eigentliche Star am Flugtag auf dem Flugplatz Birrfeld ist Peter Kobert. Der 70-Jährige lebt seit drei Wochen im Hospiz Aargau in Brugg. «Ich wohne in einem der drei neuen Zimmer – am Ende der Kegelbahn», sagt der Patient und lacht herzlich. Auch wenn das Zimmer etwas klein sei, so könnte er es derzeit nicht besser haben, sagt er. Alle seien sehr nett.

Hospiz-Patient Peter Kobert und seine Begleiterinnen sind nach dem Flug überglücklich.

Hospiz-Patient Peter Kobert und seine Begleiterinnen sind nach dem Flug überglücklich.

Da sein Körper nicht auf die Chemotherapie angesprochen hatte, wurde die Behandlung abgesetzt. «Nun lasse ich die Krankheit machen, was sie will, und geniesse jede Sekunde meines Lebens. Was soll ich mich um morgen kümmern?», so Kobert während er mit Daniela Zumsteg auf den Rundflug wartet. Die Chemie zwischen ihm und der freiwilligen Mitarbeiterin im Hospiz habe auf Anhieb gestimmt. Deshalb freue er sich sehr, dass sie ihn auf dem Flug begleiten werde. Fliegen ist für Kobert ein Symbol für grenzenlose Freiheit. Das Zusammenspiel von Mensch und Motor fasziniert ihn. Sein letzter Flug liegt schon einige Jahre zurück.

Im Birrfeld startete er bisher einmal mit einem Arbeitskollegen, der noch Flugstunden absolvieren musste. Selber probierte er früher mal das Delta-Segeln aus.

Pilot Heinz Wyss hilft Peter Kobert, in das französische Robin-Motorflugzeug mit 180 PS zu steigen. Zum Trio stösst noch Verena Kalt vom Trauertreff Zurzach. Und schon wenige Minuten später hebt die Maschine ab und verschwindet am Horizont.

Badener Stadtammann Geri Müller spricht über sein Flugerlebnis.

Badener Stadtammann Geri Müller spricht über sein Flugerlebnis.

Nach rund 20 Minuten landet der Tiefdecker trotz Wind wieder sanft auf der Piste im Birrfeld. Alle drei Passagiere sind nach dem Flug über Brugg, Lenzburg, Telli Aarau, das obere Fricktal und Baden überglücklich. Wie schnell das kleine Flugzeug auf jeden Luftstoss reagierte und wie geschickt dies der Pilot mit dem Seitenruder wieder korrigierte, hat Peter Kobert beeindruckt. Auch das Fliegen der engen Kurven hat ihm gefallen. Die grosse Freude über diesen Flug werde noch sehr lange anhalten, sagt Kobert mit Nachdruck.

Alle am gleichen Strick gezogen

Möglich wurde der Hospiz-Flugtag dank der Unterstützung vom Lions Club Brugg, dem Flugplatz Birrfeld und dem Aero-Club Aargau. Kobert ist der einzige Patient, der abhebt. Den freiwilligen Mitarbeitenden wird der Flug ebenfalls gesponsert. Die anderen Gäste profitieren von einem Sondertarif. Rolf Tschannen, Geschäftsleiter vom Hospiz Aargau in Brugg, bilanziert: «Das ist ein wunderbarer Abend. Dass das Wetter so gut mitspielt, zeigt, dass das Hospiz doch eine spezielle Verbindung zum Himmel hat.»

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