Brugg

«Ich musste mich der Leere hingeben»: Odeon-Leiterin Sarina Schmid über den Corona-Lockdown

Sarina Schmid betreibt in Brugg seit November 2019 ihren Coiffeursalon «Zäme».

Sarina Schmid betreibt in Brugg seit November 2019 ihren Coiffeursalon «Zäme».

Sie ist Musikerin, selbstständige Coiffeuse und Leiterin der Bar im «Odeon». Sarina Schmid sagt, wie der Lockdown sie verändert hat.

Sarina Schmid ist eine Frau mit vielen Facetten. Die 24-jährige ist Pianistin und Backgroundsängerin der Band Ellas, hat letzten November einen eigenen Coiffeursalon in der Brugger Altstadt eröffnet und arbeitet als Leiterin der Bar im Kulturhaus Odeon. Konzerte und Festivals abgesagt, Coiffeursalon geschlossen, «Odeon»-Bar zu. Der Lockdown hat sie hart getroffen.

Ab Mitte März durfte sie nicht mehr arbeiten. Für Sarina, die sonst immer alles gibt, eine einschneidende Erfahrung. «An manchen Tagen konnte ich diese erzwungene Entschleunigung auch geniessen, an anderen fiel mir schlichtweg die Decke auf den Kopf. Es hat mir gefehlt, eine Aufgabe zu haben.» Auch die Ungewissheit, wie lange der Lockdown dauern würde, belastete sie: «Ich musste mich der Leere hingeben.»

Jeden Job macht sie mit Leidenschaft

In ihrer Musik fand sie Ablenkung. Gemeinsam mit Jorina Stamm und den Bandkollegen von Ellas feilte sie an neuen Songs. Über Video-Calls entstanden neue Stücke. Im Mai wäre die feierliche Taufe des neuen Albums geplant gewesen. Diese wurde nun auf den Oktober verschoben. «Ellas ist mehr als ein Hobby», sagt sie. Auch ihren Coiffeursalon betreibt sie mit Herzblut. «Zäme», so der Name des Lokals. «Zusammen sein» ist Sarina wichtig. Sie liebt es, unter Menschen zu sein. Der Salon in der Brugger Altstadt befindet sich in der ehemaligen Eingangshalle des Gebäudes. Die markanten Dachbalken und das antike Interieur verleihen ihm den Charme vergangener Tage. Ihre Coiffeurlehre hat sie bei Franco Nocito in Brugg gemacht. «Ich liebe das Handwerk», sagt sie. Ihre Kunden möchte sie nicht nur verschönern, sondern auch eine gute Zeit mit ihnen haben. Das moderne «Zeit-ist-Geld»-Denken passt nicht zu ihr. Als Veganerin verwendet sie nachhaltige und vegane Produkte in ihrem Salon.

Lange Zeit war es Sarinas Ziel, einen Coiffeursalon mit Café- und Barbetrieb zu eröffnen. Um die nötige Erfahrung in der Gastronomie für das Wirtepatent zu sammeln, bewarb sie sich im Service der Bar des «Odeon». Bereits nach einem halben Jahr wurde sie stellvertretende Barleiterin. Verantwortlich ist sie zudem für die Organisation der sommerlichen Konzerte im «Odeon»-Garten.

Zeit für Hobbys und Freunde hat Sarina wenig. Sie arbeitet fast täglich. «Die Grenzen zwischen Arbeit und Hobby zerfliessen in meinem Leben», sagt sie. Viele ihrer Arbeitskollegen sind zu Freunden geworden oder waren es schon vorher. «Einerseits ist es schön, mit Freunden zusammenzuarbeiten, andererseits wird es so noch schwieriger, eine Grenze zwischen Arbeit und Freizeit zu setzen.» Ihre Arbeit und die Freizeit unter einen Hut zu bringen, ist ein Balanceakt: «Manchmal geht es schlicht nicht», sagt sie. Missen möchte Sarina dennoch keinen ihrer Jobs. «Ich brauche die Abwechslung.»

Der ungewohnt gewordene Kontakt überforderte sie

Am 27. April durften Coiffeure ihre Salons wieder öffnen. Sarina zögerte eine Woche mit der Wiedereröffnung des «Zäme». «Einerseits wollte ich erst Klarheit über die Umsetzung der Bestimmungen des Bundes, andererseits war ich vom ungewohnt gewordenen Kontakt zu Mitmenschen überfordert.» Auch das «Odeon» ist nun wieder offen und ab Ende August sind wieder Konzerte von Ellas geplant. Fast scheint es, als ob alles wie vorher wäre für Sarina.

Doch der Lockdown hat sie verändert: «Ich nehme die Dinge jetzt so, wie sie kommen.» Sie hat sich vorgenommen, sich in Zukunft mehr Pausen zu gönnen und ihre persönliche Leistungsgrenze zu erkennen. «Ich möchte die Freude nicht verlieren.»

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