Effingen
Ihre Waffe ist der Schwingbesen: Ehemalige Polizistin erstellt jetzt Motivtorten

Die ehemalige Polizistin Simone Knechtle kreiert Motivtorten. Die Effingerin und Besitzerin von «Cake-Design Simone» wurde auch schon mit einer sitzengelassen.

Maja Reznicek
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Im Juli machte sich Simone Knechtle mit «Cake-Design Simone» selbstständig.

Im Juli machte sich Simone Knechtle mit «Cake-Design Simone» selbstständig.

Chris Iseli

Ob als herziger Minion oder in Form eines Eiskübels mit echten Smirnoff-Flaschen drin – für Simone Knechtle ist kein Tortenwunsch zu schwierig. «Es gibt nichts, was nicht möglich ist», erklärt die gelernte Konditorin-Confiseurin. Seit Juli bietet sie als «Cake-Design Simone» von ihrem Zuhause in Effingen aus aufwendige Backkreationen. Dabei möchte die 43-Jährige bei jedem Auftrag etwas Neues kreieren. Bereits vorhandene Torten kopieren, das macht Knechtle nur ungern. «Da fehlt mir die Herausforderung.»

Aufgewachsen in Klingnau, absolvierte Knechtle ihre Lehre als Konditorin-Confiseurin in Baden. «Ich wollte nie Bäckerin werden, aber Torten interessierten mich von Anfang an. Dafür kann ich heute kein Brot backen», sagt die Effingerin mit einem Lachen.

Für ihre drei Kinder, die mittlerweile 6, 18 und 20 Jahre alt sind, unterbrach sie später ihre Erwerbstätigkeit. 2011 entschied sie sich dann für einen ganz anderen Weg. Ein befreundeter Polizist habe ihr immer wieder von seiner Arbeit erzählt – das packte Simone Knechtle. Sie besuchte die Polizeischule und war während sechs Jahren bei der Kapo Aargau beschäftigt.

Die Eier stammen von den eigenen Hühnern

Das Kreieren von Torten liess Simone Knechtle aber nie ganz los. Neben ihrer Haupttätigkeit backte sie regelmässig für Familie und Freunde und nahm auch externe Anfragen an. Dass diese immer mehr wurden, freute die Effingerin nicht nur: «Am Anfang fehlte mir das richtige Equipment, um professionell zu arbeiten. Das ärgerte mich. Ich mache lieber nichts als etwas halbpatzig.» Irgendwann wurde Knechtle so gefragt, dass ihr die Steuer riet, sich als Selbstständige anzumelden. Im Juli 2020 rief Knechtle «Cake-Design Simone» ins Leben.

Im Juli machte sich Simone Knechtle mit «Cake-Design Simone» selbstständig.

Im Juli machte sich Simone Knechtle mit «Cake-Design Simone» selbstständig.

Chris Iseli

Zu Beginn feierte die Einzelfirma grosse Erfolge. «In einer Woche produzierte ich teilweise bis zu zehn Torten», erinnert sich die Effingerin. Im Schnitt wird zwischen sechs und zehn Stunden an einem Backwerk gearbeitet. Knechtle legt besonders Wert darauf, möglichst viel selbst zu machen. Sie verwende keine Pulver. So stellt sie alle Biskuitböden nicht nur eigenhändig her, sondern setzt auch Früchte aus ihrem Garten ein. «Dieses Jahr ernteten wir über 20 Kilogramm Erdbeeren dafür.» Zudem stamme die Milch vom Bauern aus der Region und für die Eier habe sie sich eigene Hühner gekauft.

Knechtle bäckt darum zwar laktose- und glutenfreie, aber keine veganen Torten. «Vegane Ersatzprodukte sind keine natürlichen Produkte», sagt sie.

Keiner bestelle eine Torte für vier Leute

Diese grosse Nachfrage im Sommer freute und forderte Knechtle gleichzeitig. «Teilweise bekam ich nur zwei bis drei Stunden Schlaf pro Nacht.» Einmal habe sie ein Kunde auch zusätzlich gefordert – er liess sie nämlich mit einer dreistöckigen und 450 Franken teuren Geburtstagstorte sitzen. «Am Anfang war er eher aufdringlich und rief mich teilweise acht Mal täglich an. Dann, als die Bestellung abholbereit war, konnte ich ihn nicht mehr erreichen.» Glücklicherweise fand das Backwerk einen anderen Abnehmer.

Im Oktober wandte sich das Blatt aber für «Cake-Design Simone». Durch die Verschärfung der Coronamassnahmen wurden Feste wieder verschoben oder gar abgesagt. «Keiner bestellt eine Torte für vier Leute», meint Knechtle nüchtern. Neu bietet die Konditorin-Confiseurin für die Weihnachtszeit Desserts in einzelnen Gläsern. Einige Anfragen gäbe es trotzdem noch, diese seinen tendenziell kleiner und kurzfristiger. Kürzlich musste sie eine Hochzeitstorte in wenigen Tagen kreieren.

Trotz Pandemie behält Knechtle ihren Mut. Als Nächstes möchte sie einen Teil ihres Hauses zu einer professionellen Backstube umbauen. Ihr Ziel sei es aber nicht, als Unternehmen zu wachsen, obwohl sie bereits Bewerbungen erhalten habe. Denn Knechtle möchte auch in Zukunft alles wie bisher halten – und möglichst viel «selber machen».

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