Bözberg
Im Lockdown fehlten die Eier: Die grosse Nachfrage war für den «Buurelade» nicht immer ein Segen

In Zeiten, in denen andere Mitarbeitende einsparen, stockten Kathrin und Stephan Märki auf. Seit August leben neben dem Hofladen «Land Läbe – Bözberger Buurelade» 300 statt wie bisher 80 Hühner. Rund 2000 Eier legen die Hennen pro Woche.

Maja Reznicek
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Seit 2015 hält Bäuerin Kathrin Märki ihre Hühnerschar.

Seit 2015 hält Bäuerin Kathrin Märki ihre Hühnerschar.

Bilder: Sandra Ardizzone

Vertrieben werden die Produkte freitags im «schönsten Hofladen der Schweiz 2019» oder über einen «Selbstbedienungschaschten». Die Vergrösserung der Hühnerschar ist laut Kathrin Märki bitter nötig gewesen, weil der Bedarf nach Eiern im Frühling stark stieg.

«Es hatte immer zu wenig davon, manche Leute kamen sogar vergebens. Da mussten wir uns entscheiden: ausbauen oder aufhören. Und Letzteres kam ja nicht in Frage», erklärt die Bäuerin. Dass das letzte Jahr für Hofläden allgemein sehr gewinnbringend gewesen sei, dem widerspricht Märki aber.

Sie bleiben auf 250 Eiern sitzen

Einerseits seien während des Lockdowns insbesondere Gemüse und Früchte gefragt gewesen. Auf ihrem Milchvieh- und Ackerbaubetrieb baut die Familie keine an. Andererseits stieg gemäss der Bäuerin mit der Nachfrage nach Hofladenprodukten auch der Aufwand.

Im März bot der Bözberger Betrieb einen Liefer- und Abholservice für die Kundschaft an. Telefonisch konnte vorbestellt und dann, in Tüten abgepackt, abgeholt werden. Denn maximal eine Person darf sich seit der Pandemie zusätzlich zum Personal im Hofladen aufhalten.

Märki führt aus: «Das ganze Reservationssystem ist extrem aufwendig. Gleichzeitig haben wir Kunden, die nicht draussen anstehen wollen und darum auf einen Einkauf verzichten. Noch heute fallen Zusatzverkäufe aus dem Sortiment weg.»

Ausserdem schauen zwar mehr Privatpersonen im «Land Läbe» vorbei, Geschäftskunden bleiben dafür aber teilweise aus. Beispielsweise schloss das Café Stadtklatsch vorübergehend im Rahmen der neuen Coronamassnahmen: «Das heisst, dass wir neu auf 250 Eiern sitzenbleiben.» Und man habe Stammkunden verloren.

«Normalerweise zeigt unser Geschäft einen ‹Dorfladencharakter›. Es gibt gute Gespräch, man redet vielleicht auch mal über Sorgen. Aber wenn schon die nächste Person vor der Tür wartet, dann haben wir keine Zeit dafür. Der Austausch, den man in der Isolation umso mehr bräuchte, findet nicht mehr statt.» Dafür kamen Neukunden aus den städtischen Gebieten wie Brugg dazu.

Eine Henne büxte regelmässig aus

Ob nun aber im Lockdown oder davor: Ein Kernprodukt von Märkis Hofladen bleiben die Eier – und das seit der Gründung im Jahr 2015. «Ich wollte schon lange einen Laden eröffnen. Als es dann so weit war, fand die ganze Familie: Ein Hofladen braucht einfach Eier», sagt die Bäuerin. Ausserdem seien Hühner «einfach ziemlich coole Tiere». So habe sie schon eine Henne gehabt, die regelmässig ausbüxte und zum Nachbarshaus wanderte. Dort klopfte sie mit dem Schnabel an die Glastür und bettelte um Körner – die sie dann natürlich auch bekam.

Im mobilen Stall finden aktuell 300 Hennen Platz.

Im mobilen Stall finden aktuell 300 Hennen Platz.

Bilder: Sandra Ardizzone

Für den Start vor sechs Jahren legte sich Märki 60 Hühner zu, jährlich wurden es mehr. Jeweils im Sommer werden die Tiere, die älter als ein Jahr sind und nicht mehr genug Eier legen, «ausgestallt». Sie kommen also in die Metzgerei. Das Fleisch werde wieder im «Land Läbe» angeboten. Die aktuelle Schar stammt vom Hermenhof in Staufen und war bei der Ankunft 20 Wochen alt. Für sie legten sich Märkis einen mobilen Hühnerstall zu, der bis zu 420 Tiere beherbergen könnte. Das Mobil lasse mit Funktionen wie einer automatisierten Fütterung keine Wünsche bei Huhn und Halter offen. Zudem stehe den Hennen je nach Wetter- und Temperaturlage ein Auslaufgehege zur Verfügung.

Neben dem Backen von Brot und der Produktion anderer Hofladenartikel – im Advent stellte Märki hunderte Geschenkkörbe zusammen – sind die Betreuung der Hennen sowie die Vermarktung der Eier zwei Hauptaufgaben der Bäuerin. In der Vorweihnachtszeit verlangte ihr das fast 40 Prozent mehr Arbeitspensum ab. Die Haltung wirke sich eben auf das Produkt aus. «Geht es den Tieren gut, schmeckt man das im Ei.» Wer sich davon überzeugen möchte, kann das auch während der Feiertage: Der «Selbstbedienungschaschte» des Hofladens bleibt geöffnet.