Brugg

Im neuen Surffilm sucht ein junger Brugger die perfekte Welle – und das Glück

Zum Surfen reist der Brugger Jonas Studer um die ganze Welt.

Zum Surfen reist der Brugger Jonas Studer um die ganze Welt.

Der eine surft, der andere vertont: Die beiden Brugger Jonas Studer und Michael Schwarz haben beim ersten Schweizer Dokumentarfilm über die Schweizer Surfszene «I Wanna Surf» tatkräftig mitgewirkt.

«Wenn du durch die Welle gleitest, bleibt die Zeit stehen. Das Denken stellt sich komplett ein.» Jonas Studer sitzt im «Odeon» Brugg. Die Welle, von der er erzählt, sie scheint hautnah – seine Augen leuchten. «Da ist so viel Energie, so viel Adrenalin drin. Das ist einer der geilsten Momente im Leben, nicht nur beim Surfen.»

Wenn Jonas Studer vom Meer erzählt, von den Wellen und von den vielen Stunden des Wartens, bis wieder eine gute Welle gesichtet wird – es scheinen Momente der Erfüllung zu sein, Momente des Glücks.

Kaum vorstellbar, welche Wirkung das Meer auf den 33-Jährigen ausübt. Er ist in Brugg aufgewachsen, hier am Fluss.

Jugenderinnerungen an die kleinen Inseln in der Aare, an das Rauschen der Schlucht «chopfvorah id Wirbelfluet». Dennoch – irgendetwas hat ihn fortgezogen. «Solange ich hier war, ich wusste immer schon: Ich will weg.»

Trailer zum Surffilm «I wanna surf»

Jonas Studer ist nicht der einzige Schweizer, der diese Leidenschaft für die Wellen des weiten Ozeans ins sich trägt. Eine Crew von jungen, engagierten Menschen aus der ganzen Schweiz hat sich zusammengefunden, um Surfer wie ihn zu porträtieren: Menschen aus dem Binnenland Schweiz, die ihren eigenen Weg gehen, um auf der Welle reiten zu können – sei es auf der Flusswelle in Bremgarten oder am offenen Meer.

Entstanden ist der Dokumentarfilm «I Wanna Surf» über die Schweizer Surferszene, der in diesen Tagen im Kino läuft.

Jonas Studer ist einer der Protagonisten, der mit dem Brett über die Leinwand surft – zusammen mit der Filmcrew war er im letzten Jahr mehrere Wochen in Indonesien und in Nicaragua unterwegs.

Grosse Überraschung in Nicaragua: Dort traf er Philip Bienz, der vor acht Jahren aus Schinznach-Dorf ausgewandert ist, um jeden Tag surfen zu können.

Ein Surfresort

Heute betreibt der Aargauer ein Surfresort. Auch er kommt im Film zu Wort. Was treibt Jonas Studer immer wieder dazu, ins Flugzeug zu steigen?

«Es ist die Suche nach der perfekten Welle», sagt er, «nach einer Freiheit. Es ist die Suche nach einem Leben, das nicht nur in Bahnen geleitet ist.»

Er spricht von der Spirale Arbeiten, Geld verdienen, Konsumieren. Er spricht von einem gesicherten Dasein, das wir in der Schweiz zu haben scheinen – und von den vielen Unfreiheiten, die damit einhergehen.

Der Primarlehrer hat in den letzten Jahren zwischen seinen Reisen hier in der Schweiz Stellvertretungen übernommen – so, dass er baldmöglichst wieder ans Meer reisen konnte. «Das Surfen bringt mich ins Hier und Jetzt zurück. Du fragst dich nicht, wo du nächsten Monat arbeiten gehst. Wichtig ist, was im Moment geschieht; dass du den Moment lebst.»

Wenn im Kinosaal das Wasser gurgelt, dann kommt das Geräusch aus der Brugger Aareschlucht. Denn derjenige, der Musik, Geräusche und Kommentare der Protagonisten zusammengefügt hat – auch er ist ein Brugger. «Wenn eine Szene mit Wasser gefilmt wird, hat das Geräusch des Wassers oft den unangenehmen Charakter eines Rauschens», erklärt Michael Schwarz.

Er war einst Lastwagenmechaniker, heute ist er professioneller Filmvertoner. Ein authentisches Wassergeräusch muss also anderswo herkommen. «Ich war oft an der Aare unterwegs, habe mir die schönsten Plätze gesucht – und die schönsten Flussgeräusche aufgezeichnet», erzählt Michael Schwarz.

Die Unterwassergeräusche imitierte er entweder mit dem Synthesizer – oder er stöberte im Archiv des Tonstudios Jingle Jungle, wo er arbeitet.

«Für einen Dschungel-Klang hast du unzählige Geräusche zur Auswahl», sagt er. So zwitschern schliesslich die passenden Vögel, wenn Jonas Studer vor der Kamera von der «perfekten Welle» erzählt.

Ungewöhnliches wagen

Vielleicht liegt es doch gar nicht so weit voneinander entfernt, die «Wirbelfluet» der Brugger Aare und die tosende Wellenflut des Ozeans. Doch der Sprung ins Wasser, ob da oder dort, der verlangt eine gute Portion Mut – und die Offenheit, Ungewöhnliches zu wagen im Leben; sich einen Moment lang von der Welle treiben zu lassen.

Der Dokumentarfilm «I Wanna Surf», initiiert vom Regisseur und Filmemacher Timon Rupp, ist in diesen Tagen auf der Schweizer Premiere-Tournee. In Brugg wird er am Freitag, 4. April, um 23 Uhr im Kino Odeon gezeigt. Jonas Studer sowie ein Teil der Filmcrew werden anwesend sein.

Mehr Infos und weitere Kinovorstellungen unter www.iwannasurf.ch.

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