Das frühere Gemeindehüsli in Gallenkirch ist nicht zu übersehen. Seit der Fusion mit Linn, Ober- und Unterbözberg zur Gemeinde Bözberg per 2013 stand das charakteristische Haus mit Aussentreppe leer.

Nun hat es im Innern ein neues Kleid erhalten. Seit März betreibt Agatha Baumgartner im Obergeschoss das Soulness-Stübli.

Mit Soulness meint sie Wellness für Körper, Geist und Seele. Als Symbol für die vier Elemente Luft, Feuer, Wasser und Erde hat sie jede Wand in einer anderen Farbe gestrichen und passend dekoriert.

Die 54-Jährige hat sich damit einen Traum erfüllt. Vor 15 Jahren ist die zweifache Mutter und Grossmutter mit ihrem heutigen Ehemann nach Gallenkirch gezogen. Beide lieben die Ruhe und die Natur. Baumgartner ist auf einem Bauernhof in Reichenburg aufgewachsen – zwischen Zürich- und Walensee. Ihre ersten beruflichen Gehversuche waren in der Landwirtschaft.

Später folgten die Wirte-schule, eine kaufmännische Lehre, Weiterbildungen in Führung, Betriebswirtschaft, Projektmanagement sowie als Bankfachfrau und Erwachsenenbildnerin.

Die aufgestellte Frau kennt sich auch mit Atem-, Meditations- und Entspannungstechniken sowie Achtsamkeit, Arbeitstechniken, Stress- und Zeitmanagement aus. Sie weiss, was es heisst Projekte zu realisieren, die gemessen werden an Erfolgsfaktoren wie Kosten, Zeit und Qualität.

Vor acht Jahren hat sie ihre Bank-Anstellung gekündigt

Als IT-Projektleiterin arbeitete sie bei grossen Projekten manchmal bis 2 Uhr früh.

Vor acht Jahren kündigte Baumgartner ihre Stelle auf der Bank und stieg bei der Firma ihres Manns im IT-Bereich ein. Daneben hat sie eine eigene Firma gegründet und ihre Unterrichtstätigkeit unter anderem in Arbeits- und Lerntechnik an einer höheren Fachschule fortgesetzt.

Weil sie die Musik von US-Soulsänger Solomon Burke so gerne mag, ist sie vor 17 Jahren auf den Begriff «Soulness» gestossen und liess die Internetadresse soulness.ch reservieren. Agatha Baumgartner widerstand zwar seither mehreren Kaufangeboten, wusste jedoch bis letztes Jahr nicht so recht, was sie mit der URL anfangen soll.

Dann stiess sie an der Kasse in einem Fricker Bio-Laden auf ein Heft, in dem es ums Waldbaden ging. Baumgartner war begeistert, wusste sofort, dass das etwas mit ihr zu tun hat, begann zu recherchieren und entschied, Waldbaden künftig auf dem Bözberg anzubieten. «Wenn ich etwas machen will, dann warte ich nicht noch zehn Jahre», erzählt die Powerfrau bei einer Tasse Tee im Soulness-Stübli.

Was in Japan nicht nur Tradition hat, sondern sogar als Medizin gilt, ist allmählich auch bei uns im Trend. Laut einer kürzlich publizierten Studie sollen zwei Stunden Auszeit pro Woche in der Natur – Wald- oder Naturbaden genannt – schon reichen, um eindeutige positive Effekte zu erzielen.

Mitte Mai war es dann soweit. Baumgartner führte an einem Samstag die erste Gruppe in einer Art Timeout durch die Natur. Langsam gehend nahmen sich die Teilnehmerinnen Zeit, die Landschaft, Blumen, Bäume und Tiere bewusst wahrzunehmen.

Das sei gut für das persönliche Wohlbefinden und helfe auch, sich wieder besser konzentrieren zu können.

Sie hilft, gesunden Umgang mit Stress zu finden

Als Coach hat sie mit den Kursteilnehmern immer Sichtkontakt. Die Gruppen zählen maximal sechs Personen. Baumgartner ist es wichtig, ihre Angebote stets zu optimieren. Anstatt bei der Linner Linde, wo es kein WC gibt, zu starten, geht es neu direkt von Gallenkirch aus in den Föhrenwald zum Weiher, Wasserfall oder Steinbruch. An einem dieser schönen Plätze können die Teilnehmer beispielsweise mit Naturbestandteilen Mandalas legen oder beruhigende Atemübungen machen.

Die Grossmutter geht selber jeden Tag in den Wald. Besonders lehrreich ist es für sie, mit den beiden auswärts wohnhaften Enkelkindern (3 und 5 Jahre alt) in der Natur unterwegs zu sein. Mit dem Jurapark Aargau, der seinen Hauptsitz nur wenige hundert Meter von Baumgartners Wohnhaus entfernt hat, arbeitet die 54-Jährige zusammen und lässt sich zur Landschaftsführerin ausbilden.

Viele Lebensschwierigkeiten kennt Agatha Baumgartner aus eigener Erfahrung. «Als Angestellte mit viel Verantwortung hatte ich während grossen Projekten oft schlaflose Nächte», nennt sie ein Beispiel. Jetzt will sie anderen helfen, einen möglichst gesunden Umgang mit Stresssituationen zu finden. Die Bözbergerin fokussiert sich deshalb auf Themen wie gesunde Ernährung, Säuren-Basen-Haushalt, Rituale, die dem Leben mehr Tiefe geben, oder ein kraftvolles Sonnenaufgangs-Ritual. Letzteres findet am Dienstag, 16. Juli, bei der Linner Linde wieder statt, wenn die Sonne den Vollmond begrüsst.