Brugg

«Ist das nicht Wahnsinn? Die sind ja fertig geworden!»

Das Wetter spielte bei der Eröffnung des Brugger Stadtfestes wunderbar mit.

Das Wetter spielte bei der Eröffnung des Brugger Stadtfestes wunderbar mit.

Erste Eindrücke beim Stadtfest Brugg zeigen: Der grosse Anlass fesselt mit einer Fülle von Sehens- und Liebenswertem ein breites Publikum von nah und fern.

«Morgens um 7 Uhr ist die Welt noch in Ordnung»: Diesen Titel trägt ein Buch, das vor Jahren ein Beststeller war. Kann sich auch das Brugger Stadtfest zum Bestseller entwickeln?

Wir sagen ja. Nicht morgens, sondern nachmittags um 16 Uhr war die Welt gestern in Brugg in Ordnung. Das Wetter: ein Traum. Die Eröffnung: kurz, aber innig. Das Publikum: gut gelaunt und neugierig.

Der erste Rundgang führt die Besucherin im Zickzack von der Altstadt bis zum Neumarkt. Ein Seniorengrüppchen bleibt staunend vor einem stattlichen, notabene nicht gezimmerten, sondern gemauerten Haus namens «Hühnerstall» stehen: «Isch das nöd de Wahnsinn? Die sind jo fertig worde!»

Alle nicken ringsum. Ja, das pünktliche Fertigwerden ist allenthalben ein Thema. Die Stadtfestbesucherin leistet innerlich Abbitte: Sie glaubte am Mittwoch nicht, dass aus dem Wust von Material ein Festgelände werden könnte. Nun ist es da, will erobert werden.

Alles leuchtet

«Was machsch denn du doo?» Mit dieser Frage und drei Küsschen auf die Wangen werden zwei dienstbare Geister in der In-Fusion-Beiz begrüsst. Die Angesprochenen leuchten etwa so wie die Lämpchen am Kronleuchter.

Wer leuchtet denn noch? Draussen zum Beispiel eine junge Frau, die der Besucherin unvermittelt über den Weg läuft und diese in gebrochenem Deutsch anspricht: «Wo haben gekauft?» Die Besucherin blickt auf ihren Teller, auf dem eine köstliche Crèpe liegt und darauf wartet, genüsslich verspeist zu werden. «Ich haben gerne das», sagt die Frau mit einem Lächeln.

Sehen und gesehen werden: Wo kann man das am besten? Die Meinungen sind so unterschiedlich wie die Besucherinnen und Besucher aus nah und fern. Eine junge Frau schwört auf die Füürwehr-Beiz, die sich elegant an das Halbrund des Modegschäfts Charles Vögele schmiegt.

Witzig: Die Beizbesucher beäugen das Fest; die Kundinnen betrachten durch die Fenster die Beizenbesucher.

Militär erobert Tortuga-Bar

Wer hat was in der Hand? Das steht bereits wenige Minuten nach Festeröffnung fest. Das Militär hat die Tortuga-Bar in Besitz genommen. Drinnen dominiert die Farbe Grün, draussen macht der Hinweis auf Blau neugierig.

Ein diskreter Pfeil lockt mit den Worten «Fotzelschnitten» und «Blauring Windisch». Ein exotisches Gericht? Nicht für die Besucherin, die Fotzelschnitten als Kind gern gegessen hat und jetzt – in Erinnerung daran – Augenwasser bekommt.

Wohin das Auge blickt – es entdeckt Sehenswertes, das eine Fülle liebevoller Details aufweist. Eine bekommt von alledem nichts mit: Die Frau, die den Kiosk beim Eisi betreut – dieser ist gleichsam «zugemauert». «Macht nüt», sagt die sympathische Frau tapfer: «Mir halted do d’ Stellig.»

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