Bezirksgericht
Italienerin stirbt, weil 27-Jähriger im Bözbergtunnel ihr stehendes Auto übersieht

Weil 2015 eine Kollision im Bözbergtunnel für eine Frau tödlich endete, stand ein 27-Jähriger vor dem Bezirksgericht Brugg.

Claudia Meier
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Unfall im Bözbergtunnel (Themenbild)

Unfall im Bözbergtunnel (Themenbild)

Es ist die Horrorvorstellung jedes Autofahrers: Bei einer Kollision zwischen zwei Fahrzeugen im Bözbergtunnel kam im November 2015 eine 22-jährige Italienerin ums Leben. Die Lenkerin war kurz vor Mitternacht mit einem Alfa Romeo auf der A3 Richtung Basel unterwegs, als das Fahrzeug den Randstein touchierte. Daraufhin hielt sie auf dem Normalstreifen an und setzte den Pannenblinker. Von hinten näherte sich ein Honda-Fahrer und fuhr auf den Alfa Romeo auf. Die Frau wurde im Fahrzeug eingeklemmt und verstarb auf der Unfallstelle. Ihr 26-jähriger Beifahrer trug schwere Verletzungen davon.

Tödlicher Unfall im Bözbergtunnel
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Tödlicher Unfall im Bözbergtunnel

Kapo AG

Diese Woche musste sich der heute 27-jährige Honda-Fahrer Noé (Name geändert) vor dem Gesamtgericht am Bezirksgericht Brugg wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger schwerer Körperverletzung verantworten. Neben Gerichtspräsident Thomas Müller, Staatsanwalt Sandro Rossi und dem Verteidiger waren neun Familienangehörige der Verstorbenen im Gerichtssaal anwesend. Da sich die Parteien schon im Vorfeld einigen konnten, kam es zu einem abgekürzten Verfahren.

Die Unfallnacht

Er sei in der Unfallnacht alleine auf dem Heimweg von einer Ausbildung gewesen und habe sich fit gefühlt, sagte Noé. Wie es zum Unfall kam, kann er sich nicht erklären. «Ich hatte das stehende Auto nicht als stehend wahrgenommen», betonte Noé. Nach dem tragischen Vorfall habe er sich bei den Angehörigen des Opfers schriftlich und mündlich entschuldigt und verschiedene Gespräche geführt. Sein Ziel sei es, das Ganze zu bewältigen. Dabei werde er auch von seiner Frau unterstützt.

Staatsanwalt Sandro Rossi schlug eine bedingte Freiheitsstrafe von 12 Monaten sowie eine Busse von 2000 Franken vor, da der Beschuldigte keine Vorstrafen hat und einsichtig ist. Auch die Untersuchungskosten in der Höhe von über 22 000 Franken sollen zusammen mit den Gebühren und Spesen zulasten des Beschuldigten gehen.

Opferfamilie will kein Geld

Die Familie des Opfers stellte keine Geldforderung. Ein Familienmitglied sagte: «Mit einer Entschädigung käme die Verstorbene ja nicht zurück. Der Beschuldigte soll eine gerechte Strafe erhalten.» Der Verteidiger erinnerte an das Video, auf dem ersichtlich sei, dass Noé die Verkehrssituation falsch eingeschätzt hatte. «Es tut mir unendlich leid, was passiert ist, und ich entschuldige mich in aller Form dafür», sagte Noé, indem er sich umdrehte und den Blick auf die Angehörigen richtete.

Das Gesamtgericht genehmigte den «vernünftigen» Urteilsvorschlag der Staatsanwaltschaft einstimmig. «Bei einem Raser hätte das Strafmass anders ausgesehen», lautete Müllers Fazit.

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