Bezirk Brugg

Jetzt sammelt der Pöstler Unterschriften für die Mandatszuteilungs-Initiative ein

Martin Gautschi, Yvonne Buchwalder, Reto Wettstein und Daniel Knecht (von links) wollen um den verlorenen Brugger Grossratssitz kämpfen.

Martin Gautschi, Yvonne Buchwalder, Reto Wettstein und Daniel Knecht (von links) wollen um den verlorenen Brugger Grossratssitz kämpfen.

Schweizer Novum: Stimmbürger im Bezirk Brugg können ihren Initiativbogen in den persönlichen Briefkasten legen. Denn in Zeiten von Corona ist die Unterschriftensammlung kein einfaches Unterfangen.

Der Brugger FDP-Stadtrat und Grossratskandidat Reto Wettstein lässt nichts unversucht, wenn es ums Unterschriftensammeln für seine kantonale Volksinitiative geht. Unter dem Namen Mandatszuteilungs-Initiative kämpft eine Gruppe von FDP-Politikern aus Brugg und Windisch seit Ende August dafür, dass die Anzahl Grossratssitze pro Bezirk neu berechnet wird.

Denn der Bezirk Brugg verliert mit den Wahlen vom 18. Oktober einen seiner elf Grossratssitze an Lenzburg, weil die Wohnbevölkerung weniger stark gewachsen ist als in anderen Bezirken. Wettstein wünscht sich deshalb eine stabilere Berechnungsgrundlage, bei der die Anzahl Stimmberechtigter über die Grossratsmandate pro Bezirk entscheidet. Die Initianten haben ein Jahr Zeit, um die benötigten 3000 Unterschriften zu sammeln. In Zeiten von Corona ist das kein einfaches Unterfangen. Das Sammeln auf der Strasse oder an Ständen ist aufgrund der Hygienevorschriften sehr schwierig. Selbst das Ausdrucken eines Unterschriftenbogens und der Weg zum gelben Postbriefkasten sei für einige Unterstützer schon zu viel, gibt Wettstein zu bedenken.

Datenschutz: Ausgefüllter Bogen wird zugeklebt

Um dem entgegenzuwirken, hat er sich bei der Schweizerischen Post gemeldet mit dem erklärten Ziel: «Die Hürde für den Rücklauf der Initiativbögen soll für die Unterzeichner möglichst klein sein.» Will heissen: Die Stimmberechtigten sollen nicht weiter als bis zu ihrem persönlichen Briefkasten vor dem Haus gehen müssen, um ihre Unterschrift für die Initiative abzugeben. Über 25'000 Unterschriftenbögen werden diese Woche an alle 28 Postleitzahlen im Bezirk Brugg verteilt. Die Bögen verfügen über eine Lasche, die man für das Abholen durch den Pöstler im eigenen Briefkasten deponieren kann. Zum Schutz der persönlichen Daten wird der ausgefüllte Bogen zugeklebt.

Wie Matthias Rieder, Projektleiter Geschäftsentwicklung bei der Schweizerischen Post, auf Anfrage der AZ bestätigt, ist diese Art der Abholung für Initiativbögen schweizweit ein Novum. Die Post sei ein Logistikpartner und offen für neue Projekte bei Dienstleistungen auf der letzten Meile zum Kunden.

Rieder erinnert in diesem Zusammenhang an das bereits etablierte Nespresso-Kapseln-Recycling-at-Home. Auch da nehme die Pöstlerin oder der Pöstler den Sack mit den gebrauchten Kaffeekapseln mit, wenn die Lasche im privaten Briefkasten steckt. Rieder ergänzt, dass dieses Abholsystem, wie es jetzt erstmals bei der Mandatszuteilungs-Initiative zum Einsatz kommt, auch aufgrund der Coronasituation eine interessante Option darstelle.

Je nach Erfolg kommen andere Bezirke an die Reihe

Mit der Idee, die Bögen im Bezirk Brugg zu verteilen und vom 12. Oktober bis zum 6. November bei den Kunden wieder abzuholen, sei Reto Wettstein an die Post gelangt, sagt Rieder. «Unsere Zustellung der Briefe und Pakete wird durch die zusätzliche Dienstleistung nicht tangiert», so der Projektleiter. Er ist selber gespannt, wie viele Postkunden vom neuen Angebot Gebrauch machen. Via Barcode werde man zählen, wie viele Bögen als Geschäftsantwort oder via Abholung zurückgeschickt werden. Je nach dem will Wettstein auch in anderen Bezirken einen Versand lancieren.

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