Brugg
Käserei, Bäckerei, Cafés: Holland könnte Vorbild für Brugger Altstadt sein

Der Gewerbeverein will Kunden in die Altstadt locken und bedauert die Schliessung mehrerer Läden. Stadtammann Moser träumt derweil von einem Altstadt-Ambiente wie in Holland. Und dem Quartierverein schweben Läden mit besonderem Angebot vor.

Claudia Meier
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Läden in der Altstadt Brugg
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Im Lädeli «Zum Goldenen Zauber» entsteht ab März eine kleine Kaffee- und Teenische.
Wie es im Erdgeschoss an der Hauptstrasse 19 weitergeht, ist noch offen. Das Fachgeschäft Arcta Bergsport schliesst.

Läden in der Altstadt Brugg

Claudia Meier

Wie kann die Brugger Altstadt aufgewertet werden? Welche Geschäfte würden zum aktuellen Branchen-Mix passen? Diese Fragen drängen sich auf, weil in den nächsten sechs Wochen zwei Läden – Arcta Bergsport und Flash & Change Gloria – verschwinden (die az berichtete).

Die Schliessung des Fachgeschäfts Arcta Bergsport nach 22 Jahren sei für den Gewerbeverein Zentrum Brugg sehr bedauerlich, sagt Urs Boller, Leiter der Geschäftsstelle Zentrum Brugg.

Hauptstrasse 49: Neue Nische ab März

Loredana Caponata holt Kunden aus der ganzen Schweiz in ihr Lädeli «Zum Goldenen Zauber» in die untere Altstadt. An der Hauptstrasse 49 gegenüber des Schwarzen Turms führt sie seit über zwei Jahren eine Vintage Boutique. Ab März will sie den Laden mit einer Kaffee- und Teenische ergänzen. «Bei mir gibt es Filterkaffee und Tee wie zu Grossmutters Zeiten. Hier soll man sich entspannen können», so Caponata. Vorläufig ist das Geschäft am Mittwochnachmittag und Samstag geöffnet. Bei entsprechender Nachfrage werde sie die Öffnungszeiten aber ausdehnen. (Cm)

Der Gewerbeverein sei zwar bemüht – zum Beispiel mit der Organisation des Weihnachtsmarkts – die Kunden in die Altstadt zu holen. «Die Situation ist aber relativ schwierig. Wir sind ständig mit der Stadt in Kontakt, um für die Gewerbetreibende optimale Rahmenbedingungen zu erzielen», so Boller weiter, der die grössten Chancen für ein Geschäft sieht, das nicht stark von den Grossverteilern abhängig ist. «Etwas Exquisites, aber nichts Abgehobenes.»

«Uns ist es ein grosses Anliegen, dass die Altstadt belebt ist und die Achse vom Campus bis zum Schwarzen Turm gepflegt wird», sagt Stadtammann Daniel Moser.

Es sei aber nicht immer einfach, allen Interessen in Sachen Autos, Postautos und Parkplätze Rechnung zu tragen. Besonders erfreulich seien Privatprojekte. «Wir können um jeden Eigentümer froh sein, der in seine Liegenschaft investiert und für die Erdgeschoss-Nutzung besorgt ist.»

Moser nennt die Genossenschaft Altstadt Brugg, die die Liegenschaft an der Hauptstrasse 66 wieder auf Vordermann gebracht hat. Die Stadt unterstützte dieses Engagement mit einem finanziellen Beitrag.

Zunehmend ein Standortvorteil

Stadtammann Moser träumt von einem Altstadt-Ambiente wie in Holland mit Käserei, Bäckerei und Strassencafés: «Das kann aber nur funktionieren, wenn die Leute dieses Angebot schätzen und nutzen.»

Auch der Quartierverein Altstadt hat klare Vorstellungen. «Die Zukunft der Altstadt dürfte in kleinen Geschäften mit Angeboten und Produkten liegen, die es sonst in Brugg nicht oder nicht in dieser Qualität gibt», sagt Präsident Konrad Zehnder.

Die langfristige Entwicklung der Altstadt gehe wie in anderen Kleinstädten auch vermehrt in Richtung Wohn- und Freizeitkultur. Dazu passten Ateliers, Werk- und Begegnungsstätten aller Art. Die Rendite könne dann nicht mehr im Geschäft liegen, so Zehnder weiter. Überrissene Lokalmieten seien deshalb sehr kontraproduktiv.

«Ein erfreuliches Beispiel für eine sinnvolle Nutzung ist die kürzlich eröffnete Werkstatt des Heimgartens, das ‹Wärchrich› in der unteren Altstadt», betont Zehnder.

«Das Entscheidende scheint mir, dass die Lage in der Altstadt nicht als Nachteil, sondern zunehmend als Vorteil wahrgenommen und genutzt wird.» Denn: Eine Brugger Altstadt gebe es im Unterschied zu Neumärkten und Shoppingcenters eben nur einmal.

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