Altstadt Brugg
Kauf wegen 200'000 Franken gescheitert

Die Genossenschaft Altstadt betreibt eine von ihr renovierte Liegenschaft an der Hauptstrasse 66 in Brugg. Weitere Projekte scheiterten – eine Ursachensuche.

Claudia Meier
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Das ehemalige Restaurant Freihof in der Brugger Vorstadt steht seit Monaten zum Verkauf. Die Genossenschaft Altstadt konnte sich den Erwerb nicht leisten. CM

Das ehemalige Restaurant Freihof in der Brugger Vorstadt steht seit Monaten zum Verkauf. Die Genossenschaft Altstadt konnte sich den Erwerb nicht leisten. CM

Claudia Meier

Für das ehemalige Restaurant «Freihof» wird seit Monaten ein neuer Besitzer gesucht. Interesse an der grossen Liegenschaft in der Vorstadt hatte unter anderem auch die Genossenschaft Altstadt Brugg (GAB). Zusammen mit der Stadt Brugg wurden verschiedene Abklärungen zur Revitalisierung der Vorstadt getroffen. Gleich mehrere Liegenschaften standen zum Verkauf. Ebenfalls diskutiert wurde die Möglichkeit, die Zugänglichkeit des Nordtors im Zusammenhang mit der Strassenraumgestaltung Vorstadt durch die Stadt Brugg und den Kanton Aargau anzugehen. Der Vorschlag der GAB wurde vom Stadtrat ernsthaft geprüft. Im November seien die Bedingungen so ausgehandelt gewesen, dass sich die Stadt Brugg am Projekt beteiligt hätte, heisst es im GAB-Jahresbericht 2015.

Genossenschaft Altstadt sucht Darlehen

Die Genossenschaft Altstadt Brugg beabsichtigt, gezielt Liegenschaften zu erwerben und Wohn- sowie Gewerberäume für Nutzergruppen anzubieten, die zu einem vitalen Altstadtgefüge beitragen. Mit der Sanierung von Liegenschaften soll ein Beitrag zur Aufwertung des Altstadtbilds geleistet werden. Derzeit zählt die Genossenschaft rund 50 Mitglieder. Neue sind willkommen. Aktuell werden für den Vorstand zwei unterstützende Persönlichkeiten mit Finanz- und bautechnischen Kompetenzen gesucht. Auf Darlehen gab es letztes Jahr 1% Zins. (AZ)

Der Vorstand musste allerdings aufgrund der veränderten Wirtschaftslage – insbesondere auf dem Mietwohnungsmarkt in den letzten sechs Monaten – den Verkaufspreis nachkalkulieren. Weitere Aspekte waren die unbekannte Erdgeschoss-Nutzung im «Freihof» sowie das Zeitfenster für die Strassenraumgestaltung von fünf Jahren. Schliesslich musste sich die GAB vom Projekt zurückziehen, weil der verlangte Verkaufspreis um 200 000 Franken zu hoch war. «Das juckt mich, auch weil wir mit der Stadtbehörde noch nie so weit kamen», sagte GAB-Präsident Max Kuhn an der Generalversammlung am Mittwochabend.

Laufenburg als Vorbild für Brugg

Welche Voraussetzungen es braucht, damit die Altstadt gemeinschaftlich weiterentwickelt werden kann, machte Gastreferent Kurt Brandenberger von Laufenburg deutlich. Er ist Mitglied der Fachkommission Stadtgestaltung und Präsident des ehrenamtlichen Forums Altstadt. Mit 3500 Einwohnern ist die Stadt Laufenburg zwar nur einen Drittel so gross wie die Stadt Brugg. Dennoch gibt es zwischen den beiden Kommunen viele Parallelen wie eine verkehrsfreie Altstadt, Nutzungskonflikte zwischen Bewohnern, Gewerbetreibenden und Besuchern – Stichwort Fasnacht – sowie immer weniger Ladenlokale.

2014 ging man durch die Laufenburger Altstadt und nahm den Bestand auf. Resultat: 177 Gebäude, 298 Haushalte, 651 Bewohner sowie 19 leerstehende Liegenschaften – 40 bis 45 Prozent aller Häuser sanierungsbedürftig. Wenn man die gesamte Altstadt sanieren möchte, bräuchte es zirka 200 Mio. Franken. Vor wenigen Monaten hiessen die Stimmbürger eine neue Gemeindeordnung gut, die es dem Stadtrat erlaubt, schlecht unterhaltene Altstadt-Liegenschaften zu kaufen, zu sanieren und zu vermieten. Gerechnet wird mit 3,5 Mio. Franken pro Objekt resp. 20 Mio. total. Die Stadt wird die Liegenschaften verwalten.

Die Rolle der Gemeinde als Investor sei eine kritische, aber eine notwendige, wenn der Markt nicht spielt, so Brandenberger weiter. Der Wegzug der Firma Swissgrid Ende 2016 nach Aarau beispielsweise werde zu Steuereinbussen führen. Nun gelte es in der Altstadt für attraktiven Wohnraum zu sorgen, damit solche Steuerausfälle teilweise durch Privatpersonen kompensiert werden können. Auch die Sozialhilfequote könnte sich so reduzieren lassen. Weil solche Bauvorhaben viel Koordination und Dialoge erfordern, wurde das Forum Altstadt ins Leben gerufen. «Im Sisslerfeld entstehen derzeit 5000 neue Arbeitsplätze. Es ist gut möglich, dass einige Angestellte bei uns eine Wohnung suchen werden», schilderte Brandenberger die aktuelle Situation.

Bruggs Vizeammann Andrea Metzler sagte, dass die Stadt private Initiativen wie die GAB gerne unterstütze, aber nicht bereit sei, überhöhte Preise für Liegenschaften zu bezahlen. Brandenberger wies darauf hin, wie wichtig gute Kommunikation und Medienarbeit seien. Neue Investoren und Mieter liessen sich so oft einfacher finden.