Sondierbohrung am Bözberg

Kaum Reklamationen – aber das Piepen des Gabelstaplers hat gestört

Auf dem Bohrplatz «Bözberg 1» wird rund um die Uhr gebohrt.

Auf dem Bohrplatz «Bözberg 1» wird rund um die Uhr gebohrt.

Zur Sondierbohrung «Bözberg 1» sind bei der Nagra bisher nur wenige Reaktionen eingegangen aus der Bevölkerung.

Rund um die Uhr wird gebohrt in den nächsten sechs bis neun Monaten – bis in eine Tiefe von rund 1000 Metern. Auf der Suche nach einem geeigneten Standort für ein geologisches Tiefenlager für die radioaktiven Abfälle gilt es, den Untergrund zu untersuchen. Vor rund dreieinhalb Wochen hat die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) den Betrieb aufgenommen auf dem Bohrplatz «Bözberg 1» in der Nähe der Weiler Ursprung und Vierlinden.

Bei einem Augenschein wurde damals betont, dass der Nagra der Dialog mit der lokalen Bevölkerung wichtig sei. Nur: Wegen der Coronapandemie sind Besucherpavillon und Aussichtsplattform geschlossen, Bohrplatzführungen und öffentliche Besuchstage gestrichen. Bei Fragen und Anliegen zur Verfügung steht – neben dem Weg via E-Mail – die 24-Stunden-Gratis-Hotline.

Sechs Kontaktaufnahmen sind erfolgt

Wie oft wird diese Möglichkeit genutzt? Welche Reaktionen hat die Nagra erhalten auf die Sondierbohrung «Bözberg 1»? Es sei momentan eher ruhig, antwortet Felix Glauser, stellvertretender Leiter der Nagra-­Medienstelle. Denn normalerweise, nennt er den Grund, gehen viele Anfragen ein im Zusammenhang mit den Bohrplatzführungen.

Konkret: Seit dem Start von «Bözberg 1» seien sechs Kontaktaufnahmen erfolgt, wobei drei Anrufe auf die Hotline nicht direkt mit dieser Sondierbohrung zu tun hatten. Ein Fall betraf eine Erkundigung zur aktuellen Tiefe der Bohrung, ein anderer Anwohner teilte der Nagra mit, dass ihn in der Nacht die Scheinwerfer blenden. Diese wurden in der Folge anders eingestellt «und das Problem dadurch behoben», stellt Glauser fest.

Erste Sondierbohrung für Tiefenlager im Bözberg gestartet

Erste Sondierbohrung für Tiefenlager im Bözberg gestartet – im Video erklärt Patrick Studer von der Nagra-Medienstelle, bei den Sondierbohrungen gemacht wird. (30.4.2020)

 

Weiter wurde gemeldet, dass manchmal ein Piepen zu hören sei. Das Geräusch, erklärt der Nagra-Mediensprecher, entstand beim Rückwärtsfahren eines Gabelstaplers, der auf dem Bohrplatz im Einsatz ist. «Wir haben mittlerweile die laute Piepvorrichtung durch eine leisere ersetzt.» Apropos Geräusch: Letzte Woche seien an mehreren Orten Lärmmessungen durchgeführt worden, fügt Glauser an. Die Resultate würden für diese Woche erwartet. Weitere Lärmschutzmassnahmen seien zurzeit keine geplant.

Auch die Gemeinde Bözberg habe lediglich einige wenige Rückmeldungen erhalten seit Beginn der Bohrung, sagt Gemeindeammann Therese Brändli. «Im Wesentlichen hat die Bevölkerung in unmittelbarer Nähe des Bohrplatzes Fragen zu den Themen Lärmimmissionen und allfällige Erschütterungen.» In der Regel verweise der Gemeinderat die Bevölkerung für fachliche Fragen an die dafür zuständige – und kompetente – Nagra.

Ruhig blieb es ebenfalls im benachbarten Villnachern. Bei der Gemeindeverwaltung seien bisher keine Reaktionen bezüglich der Sondierbohrung eingetroffen, sagt Gemeindeschreiber Benjamin Plüss. Er sei, bestätigt Gemeindeammann Roland König, seit dem Aufbau und der Inbetriebnahme der Bohranlage von keinem Bürger aus Villnachern darauf angesprochen worden.

Daraus darf aber nicht abgeleitet werden, ergänzt der Gemeindeammann, dass es nicht auch kritische Meinungen gebe bezüglich der Endlagerung von radioaktivem Material mit Standort Bözberg. «Hier gibt es sicher unterschiedliche Ansichten.»

Auf der Facebook-Seite «Ich ben vo Villnachere wenn ...» schreibt ein Einwohner, dass oberhalb des Bahndamms die Geräusche zumindest nachts konstant mehr als deutlich zu hören seien.

Voraussichtlich im Sommer startet «Bözberg 2»

«Bözberg 1» ist die insgesamt vierte Bohrung der Nagra, die erste in der Standortregion Jura Ost. Besonderes Augenmerk gilt der Dicke, Dichtigkeit und Zusammensetzung des Wirtgesteins Opalinuston, in dem das Tiefenlager dereinst gebaut werden soll.

Die Arbeiten verlaufen planmässig. «Wir sind mit dem Bohrfortschritt zufrieden», sagt Nagra-Sprecher Glauser. Aktuell befindet sich der Bohrkopf auf gut 400 Meter Tiefe. «Wenn eine Tiefe von rund 450 Metern erreicht ist, werden die ersten Tests im Bohrloch durchgeführt.»

In der Region Jura Ost ist am Standort «Bözberg 2» eine weitere Tiefbohrung geplant. Der Bohrplatzbau unweit der Landwirtschaftsbetriebe Äbertsmatt und Riedacker hat Anfang April begonnen. Der Boden ist abgetragen und die Kofferung mit Kies erstellt.

Momentan werden der Bohrkeller realisiert, die Entwässerung eingerichtet sowie Kabel eingezogen. Ende Juni sollte der Bohrplatz fertig gebaut sein, so Glauser. Anders gesagt: Voraussichtlich diesen Sommer kann die Bohrung starten.

Der Bohrplatz "Bözberg 1" aus der Vogelperspektive:

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