Brugg

Kein Ausgang mehr für die Rekruten – das hat auch Auswirkungen auf die Gastrobetriebe

Zweimal pro Woche haben die Militärangehörigen in Brugg Ausgang. Dann gibt es in der Regel Bier (Symbolbild).

Zweimal pro Woche haben die Militärangehörigen in Brugg Ausgang. Dann gibt es in der Regel Bier (Symbolbild).

Von den 1100 Rekruten und Soldaten auf dem Waffenplatz Brugg haben die Gastrobetriebe dieses Jahr kaum etwas.

Das Militär und die Stadt Brugg pflegen eine langjährige Beziehung, von der beide Seiten profitieren. Der Waffenplatz Brugg beheimatet das Kommando der Genieschule 73. Dieses ist verantwortlich für die Grund- und Fachdienstausbildung aller Geniefunktionen. Zum Stadtbild gehört, dass die Militärangehörigen zweimal pro Woche die Bars und Beizen in der Altstadt in Beschlag nehmen – am Dienstag für den kleinen und am Donnerstag für den grossen Ausgang mit Nachtessen.

Doch seit dem Ausbruch der Coronapandemie dürfen die Rekruten und Soldaten das Kasernenareal für den Ausgang nicht mehr verlassen, wie der Kommandant, Oberst Daniel Wegrampf, bestätigt. Damit wird einer Anordnung des Kommandos Ausbildung Folge geleistet. Zu gross sei die Einschleppungsgefahr, wenn alle gleichzeitig Restaurants aufsuchen. Es gelte auch, die Bevölkerung vor einer Coronainfektion zu schützen.

Auf dem Kasernenareal wird Bier ausgeschenkt

Für die Rekruten und Soldaten besteht auf dem Waffenplatz Brugg ein Freizeitangebot mit Sport- und Spielmöglichkeiten. «Zudem wird zweimal pro Woche ein Ausgang auf dem Kasernenareal organisiert», erklärt Wegrampf. In dieser Zeit werde auch Bier ausgeschenkt. Und als Verpflegung produziere die Waffenplatzküche die Mahlzeiten in gewohnt hohem Standard. Teilweise wird den Rekruten und Kadern Alkohol durch Angehörige zugesandt. Dieser darf laut Wegrampf zu Ausgangszeiten konsumiert werden.

Auf die Frage, ob es auf dem Waffenplatz Brugg auch schon Coronainfizierte gegeben habe, sagt Wegrampf: «Die Armee erteilt keine Zahlen pro Standort.» Gegenwärtig befinden sich in der Schweiz 24 Armeeangehörige in Isolation (Vorwoche: 19). Auf dem Waffenplatz Brugg wird nach Möglichkeit darauf geachtet, dass sich die Gruppen nicht mischen. Beim Einrücken nach dem Wochenende wird den Rekruten und Soldaten jeweils die Temperatur gemessen. Zudem müssen sie ein Selbstdeklarationsformular über Symptome und Kontakte ausfüllen. Die Rekrutenschule 73-2 läuft noch bis Ende Oktober. Momentan sind rund 450 Armeeangehörige auf dem Waffenplatz Brugg einquartiert. Insgesamt waren es dieses Jahr etwa 1100 Personen.

Über 100 Cordon bleu werden pro Woche gegessen

Das geänderte Ausgangsregime auf dem Waffenplatz Brugg führt zu grossen Umsatzeinbussen bei den Bar- und Restaurantbetreibern in der Altstadt. Wirt Vittorio Timpano von der Trattoria Rotes Haus Brugg spricht von einem wichtigen Standbein, das dieses Jahr weggebrochen ist: «Die Armeeangehörigen essen bei uns während des grossen Ausgangs am Donnerstagabend über 100 Cordon bleu und sind auch sonst konsumfreudig.» Da die speziellen Wochenkurse der Armee dieses Jahr ebenfalls nicht stattfinden, fehlen Timpano weitere Gäste. Er spricht von massiven Umsatzeinbussen in der Höhe von mehreren tausend Franken. Ähnlich tönt es bei Wirt Kenan Selcuk vom Restaurant La Dolce Vita: «Das Militär ist die Einnahmequelle der Altstadt.» Während der Rekrutenschulen fehlt ihm nun wöchentlich ein vierstelliger Betrag.

Auch die Pizzeria Fulmine spürt das geänderte Ausgangsregime der Armee. Vor Corona konnte sie oft in die benachbarten Bars liefern, jetzt nur noch selten auf das Kasernenareal.

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