Kinderrechte
Naturschutz, Verkehr, Schule: Bruggerin setzt sich für mehr Mitspracherecht der Kinder ein

Die zwölfjährige Carla Schmucki hat einige Forderungen in Genf persönlich beim UN-Kinderrechtsausschuss vortragen dürfen. Sie findet, dass es ein Schulfach geben sollte, in dem man lernt, gut zu argumentieren und fair zu diskutieren.

Claudia Meier
Drucken
Teilen
Carla Schmucki (rechts) macht bei der Stadterkundung mit der Gruppe vor der UNO in Genf Halt.

Carla Schmucki (rechts) macht bei der Stadterkundung mit der Gruppe vor der UNO in Genf Halt.

Bild: zvg (8. Juni 2021)

Wie kann ich als Kind meine Wünsche deponieren, sodass sie von Erwachsenen auch ernst genommen werden? Welche Rechte haben Minderjährige? Mit solchen Fragen hat sich Carla Schmucki aus Brugg in den vergangenen Monaten beschäftigt. Quasi als Krönung durfte die Zwölfjährige letzte Woche zwei Tage als Teil einer Neunergruppe nach Genf reisen und ihre Anliegen beim UN-Kinderrechtsausschuss einbringen.

Wie kam die Sechstklässlerin zu ihrer ersten Reise nach Genf? Angefangen hatte alles im vergangenen Jahr: Carla Schmucki nahm an der Kinderkonferenz im Kinderdorf Pestalozzi in Trogen AR teil. Dort arbeitete sie in der Gruppe «Klima und Umwelt» mit. Sie hat auch erfahren, dass in der Schweiz viele Kinder unter Armut und Gewalt leiden. Die Kinder haben deshalb Forderungen formuliert, die in den «Kinderrechtsbericht» von «Netzwerk Kinderrechte Schweiz» einflossen.

Kinder beschreiben die Situation in der Schweiz

Dieser Verband besteht aus verschiedenen Schweizer Nichtregierungsorganisationen aus dem Sozialbereich. Das Dokument wurde nun an den UN-Kinderrechtsausschuss in Genf weitergeleitet. Das Netzwerk hat beim Berichterstattungsverfahren erstmals die Sicht von Kindern und Jugendlichen zum Aufwachsen in der Schweiz und die Verwirklichung ihrer Rechte in einem «Kinderrechtsbericht» integriert.

Die am Bericht Mitwirkenden wurden eingeladen, sich zu bewerben, wenn sie bei der Präsentation des Berichts in Genf dabei sein wollten. Das liess sich Carla Schmucki nicht zweimal sagen. Gross war ihre Freude, als sie erfuhr, dass sie einige Forderungen persönlich in Genf vortragen darf. Im Mai kam die kleine Gruppe mit Teilnehmenden aus allen Landesteilen zum Vorbereitungstreffen in Bern zusammen. Dort wurden auch Videos realisiert.

Der Zutritt zum UNO-Gebäude war nicht möglich

Coronabedingt beinhaltete die Reise nach Genf nur eine anstatt zwei Übernachtungen in der Jugendherberge. Leider war auch der persönliche Zutritt zum UNO-Gebäude «Palais de Nations» für die Kinder nicht möglich. Sie brachten ihre Anliegen deshalb per Videokonferenz ein.

Carla Schmucki aus Brugg (Mitte) mit ihrer Gruppe in Genf.

Carla Schmucki aus Brugg (Mitte) mit ihrer Gruppe in Genf.

Bild: zvg (9. Juni 2021)

Die Mitglieder des UN-Kinderrechtsausschusses schalteten sich von Japan, Bhutan, Bulgarien, Togo, Island, Barbados, Samoa, Marokko, Georgien, Uruguay und Belgien zu. Die Kinder und Jugendlichen präsentierten dem Komitee, was ihnen wichtig ist (Partizipation, Kinderrechtsbildung respektive, dass alle Kinder ihre Rechte kennen sollen, Sorge tragen zur Umwelt, Enttabuisierung von Gewalt an Kindern etc.).

Einsitz in Kommissionen als Forderung

Carla Schmucki trug ihre Forderung nach mehr Mitspracherecht auf Deutsch vor. In der Vorbereitung war ihre Stellungnahme auf Englisch übersetzt und in Genf auf einer Folie präsentiert worden. In der Diskussion wurden Fragen vom Ausschuss und die Antworten der Kinder übersetzt. Die Bruggerin findet, dass Kinder viel öfters Einsitz in Kommissionen haben sollten, wenn es etwa um Naturschutz, Verkehr, Schule oder Spielplätze geht. Die Zwölfjährige sagt:

«Oft handelt es sich um Themen, die uns auch betreffen, wenn wir grösser sind. Deshalb möchten wir von Anfang an mitreden.»

Deshalb würde sie es auch begrüssen, wenn es ein Schulfach gäbe, wo Kinder lernen, gut zu argumentieren und fair zu diskutieren. Die Projektleiterin von Pro Juventute, Nadja Forster, schrieb den Teilnehmenden nach der Rückkehr: «Den UN-Kinderrechtsausschuss habt ihr mit euren wertvollen Aussagen sehr beeindruckt. Ihr könnt stolz darauf sein, wie ihr das gemeistert habt.»

Politik und Umweltthemen interessieren die Bruggerin

Im September 2021 werden auch Bund und Kantone vom UN-Kinderrechtsausschuss angehört. Aus all den Anhörungen wird der Ausschuss der Schweiz Empfehlungen bezüglich Verbesserungen der Kinderrechte abgeben. Für die Bruggerin war die Reise nach Genf inklusive dem Baden im See ein «sehr cooles Erlebnis».

Sie möchte noch mehr über Kinderrechte erfahren und vielleicht in der Schule von ihren Erkenntnissen erzählen. Was sie später werden möchte, weiss die aufgestellte Sechstklässlerin noch nicht. Politik- und Umweltwissenschaften sind auf jeden Fall zwei Bereiche, die Carla Schmucki sehr interessieren.

Aktuelle Nachrichten