Zwanzig Jahre ist es her, als Bruno Schuler zusammen mit seinen drei Töchtern die erste Kinderspielwaren-Börse Brugg ins Leben rief. Dieses Jahr wird die beliebte Börse zum letzten Mal stattfinden. «20 Jahre – ich glaube, das ist genug», sagt Schuler und schmunzelt. Er rollt einen kleinen Servierwagen voller Ordner in den Kopierraum der Schule Lauffohr. Seit 35 Jahren arbeitet der 59-Jährige als Hauswart der Schule Au-Erle.

Bruno Schuler greift nach einem der Ordner und legt ihn vor sich auf den Tisch. Jede Kinderspielwaren-Börse hat er dokumentiert und alle Unterlagen sorgfältig abgelegt. Schuler schlägt den Ordner auf: 1999, die erste Brugger Börse. Bereits damals stiess die Kinderspielwaren-Börse Brugg auf Interesse; 120 Verkaufstische mussten aufgestellt werden.

Das Erfolgsrezept war Bruno Schulers neuartige Idee: Anders als an den bestehenden Börsen, wo vor allem Kinderkleider und Sportartikel verkauft wurden, durften Kinder in Lauffohr nur Spielwaren verkaufen. Das neue Konzept traf einen Nerv, und über die Jahre wurde die Brugger Börse immer beliebter: Zu Spitzenzeiten nahmen über 250 Kinder teil.

Immer mehr Konkurrenz

Obwohl in den letzten Jahren immer noch 210 geschäftstüchtige Jungverkäufer ihren Weg nach Lauffohr an die Börse fanden, zeichnete sich ein Rückgang in den Teilnehmerzahlen ab. «Das ist mitunter ein Grund, wieso ich die Kinderspielwaren-Börse dieses Jahr zum letzten Mal organisiere», sagt Bruno Schuler und setzt seine Brille auf. Das rückläufige Interesse sei sicherlich auf das steigende Angebot in den Gemeinden zurückzuführen – inzwischen bieten viele eine Spielwarenbörse an.

Schuler blättert gedankenverloren durch den Ordner und tippt auf die ersten Anmeldeformulare: «Die Kinder von damals sind heute alle um die 30 Jahre alt.» Ja, das Alter; ein weiterer Grund aufzuhören. Denn viele der Helfer seien seit der ersten Spielwarenbörse mit dabei, und einige von ihnen sind inzwischen über 70 Jahre alt.

Die erste Spielwarenbörse 1999 fand in der Turnhalle statt.

Die erste Spielwarenbörse 1999 fand in der Turnhalle statt.

Auch sei der Aufwand gestiegen, um Bewilligungen zu erhalten. So darf Bruno Schuler seit Jahren die anliegende Wiese eines Bauers als Parkplatz nutzen. «Aber wenn es regnet, wird es schwierig.» Das sei in den 20 Jahren zwar nur einmal passiert, doch: «Im Moment spielt das Wetter ja nicht so mit», sagt Schuler und wirft einen Blick aus dem Fenster. Plötzlich klingelt sein Telefon: Eine Frau möchte ihre Kinder für die letzte Börse anmelden. Schon fast 200 Anmeldungen hat Schuler inzwischen erhalten. Viele bedauern das Ende der beliebten Börse.

Langweilig wird ihm nicht

All die Jahre hat Bruno Schuler die Kinderspielwaren-Börse unentgeltlich und mit viel Herzblut organisiert. Wird er das nicht vermissen? «Schwierig.» Schuler schliesst den Ordner und legt ihn zu den anderen zurück. «Ein Wermutstropfen bleibt sicherlich, aber es geht immer weiter im Leben.» Möglicherweise übernimmt auch der Quartierverein Au-Lauffohr die Spielwarenbörse, jedoch mit dem Verkauf von Kleidern und Sportartikeln. Bruno Schuler wird ohne die Börse auf jeden Fall nicht langweilig. Denn stehen bleiben, das kennt er nicht. Der gebürtige Untersiggenthaler absolvierte seine Lehre auf der Post, wo er einige Jahre für den Paketversand zuständig war. Nachdem er die Stellenanzeige für den Hausabwart in Lauffohr sah, bewarb er sich kurzerhand und wechselte das Berufsfeld. «Ich fand es spannend. An der Schule ist kein Tag wie der andere, und mir gefällt der Umgang mit den Kindern», sagt Schuler, lächelt und nimmt die Brille ab.

Auch der handwerkliche Aspekt der Arbeit gefiel ihm sofort. Denn in seiner Freizeit hat Bruno Schuler immer schon gerne gebastelt und gemalt. So kümmert er sich an jedem Schulfest um die Dekoration. Doch der Hausabwart ist auch an vielen Anlässen ausserhalb der Schule anzutreffen, sei es an der Fasnacht, am Stadtfest mit seinem bunt bemalten Wagen oder am Markt in der Stadt. «Da habe ich heute in der Früh beim Aufbau eines Standes geholfen.» Schuler steht auf, er muss wieder zurück an die Arbeit. Anschliessend geht es nochmals an den Markt, wo er beim Abbau hilft. Schuler lächelt und sagt: «Wie gesagt, mir wird nicht langweilig.»