Brugg

Kindertheater soll in Brugg Fuss fassen – die Kinder sind begeistert

Die Kinder proben spielerisch in der Bossartschüür in Windisch für die Aufführung ihrer Kunststücke.

Die Windischer Bewegungspädagogin Simona Hofmann will das Kindertheater Lampefieber nach Brugg bringen. Im Moment braucht es aber noch einen Trainingsort, Übungsmaterial und Kursleiterinnen.

Im unteren Stock der Bossartschüür in Windisch ist es ruhig. Im Flur stehen Kinderschuhe, von irgendwo klingt Geflüster und Lachen. Dann ertönt aus dem oberen Stock eine klare Bubenstimme: «Meine Damen und Herren, ich begrüsse Sie in der Manege!» In der Bossartschüür wird konzentriert für eine Zirkusvorstellung geübt.

Unter der Leitung von Simona Hofmann und in Zusammenarbeit mit dem Zirkus Balloni haben 29 Kinder im Zirkus- und Theaterkurs von Lampefieber während der Ferien Kunststücke vorbereitet und Zirkusluft geschnuppert. Akrobaten, Clowns, Zauberer und Tiger: Begeistert erzählen die Kinder, welche Rolle sie spielen.

Eine Gruppe von Mädchen und Buben führt am Vertikaltuch akrobatische Nummern vor. Sie hangeln sich an langen Tüchern bis zum Scheunenbalken hoch und drehen sich dabei graziös. Im Publikum diskutieren die Kinder nach der Darbietung über Höhenangst. Es folgt eine witzige Slapstick-Nummer.

Plötzlich fehlt einer der Akteure, er ist auf dem WC. Hofmann überbrückt gekonnt. Nach der Probe versammelt sie die Kinder. Ruhig und bestimmt gibt die 39-Jährige die Informationen für den Aufführungstag durch, bevor alle ihre Kostüme ablegen und voller Vorfreude nach Hause gehen.

Es gibt immer wieder freie Plätze für alle Kinder

Die Schauspielerin und Bewegungspädagogin fühlt sich seit Kindheit mit dem Theater verbunden. Hofmann strahlt Energie aus, ihre Augen leuchten. «Lampefieber ist mein Baby», sagt sie. Unter diesem Titel bietet ihr Verein Kurse für Kinder und Jugendliche bis zur zweiten Oberstufe sowie Zirkuswochen in den Ferien an. Unterstützt wird Hofmann von einem vielseitigen Team aus ihrem Umfeld und Netzwerk.

Die Idee fürs Kindertheater nahm während einer Reise Form an. In einem portugiesischen Restaurant hat Hofmann auf einem Papierset Konzept und Logo entwickelt. Sie erklärt: «Lampenfieber gehört einfach zur Bühne dazu, auch die Grossen haben es noch. Wenn es fehlt, ist es Zeit, aufzuhören.»

Im Zentrum ihrer Arbeit stehen Freude und Spass, die Kinder sollen ausprobieren dürfen. «Druck und Leistung haben im Theater keinen Platz. Es ist ein Angebot ausserhalb der Schule.» Dieses möchte die in Windisch wohnhafte Badenerin an alle richten, jedes Kind kann mitmachen.

2013 startete Lampefieber in Baden mit Semesterkursen. Diese bieten Raum für das Entdecken der vielfältigen Theaterfächer und der eigenen Vorlieben. Von Tanz über Pantomime zu Textarbeit ist alles dabei.

Hofmann sagt: «Theater ist sozial, es ist ein Miteinander. Es kann die Kreativität kitzeln und das Selbstvertrauen fördern.» Im allerersten Kurs getraute sich ein Mädchen nicht, in der Gruppe mitzumachen. Erst langsam legte es die Scheu ab. Nach vier Jahren Theater sang dasselbe Mädchen auf der Bühne ein Solo.

«Noch heute bekomme ich Gänsehaut, wenn ich daran denke», sagt Hofmann. Diese Erfahrungen seien später im Beruf nützlich, ist sie überzeugt. Gleichzeitig dürfen die Kinder das Programm mitentwickeln und in Fantasiewelten abtauchen. «Lampefieber muss das Unmögliche möglich machen», betont Hofmann, «es ist kreativer Freiraum. Denk dir eine Welt – und mach sie auf der Bühne zur Wirklichkeit.»

Breites Angebot und neues Standbein in Brugg geplant

Seit drei Jahren gibt es die Kurse auch in Windisch, was sich schnell herumgesprochen hat. Zurzeit sind es 40 Kinder, freie Plätze gibt es immer. Hofmann ist überzeugt vom Angebot. Viele Kinder bleiben mehrere Semester oder gar Jahre.

Lukas zum Beispiel ist aus dem Kindertheater herausgewachsen, dafür hilft er während der Zirkuswoche als Leiter bei Technik und Bühnenaufbau. Für Jugendliche plant Hofmann ein verändertes Programm, um Oberstufenschüler abzuholen.

Ab Sommer 2020 möchte Hofmann zudem in Brugg ein neues Standbein aufbauen. Die Brugger Kinder sollen selbstständig in die Kurse kommen können, daher sei der Weg nach Windisch nicht optimal. Noch fehlt aber ein zentral gelegener Raum, der Platz für Training und Übungsmaterial bietet. Auch passende Kursleiterinnen werden gesucht.

Der Ausbau des Angebots fordert organisatorisch und administrativ heraus. «Aber bei den Aufführungen bin ich jedes Mal gerührt, deshalb habe ich die Power für diesen Teil der Arbeit», sagt Hofmann und lacht. Sie geniesst die Arbeit mit den Kindern. «Die Spontanität kommt mir entgegen. Ich habe Ausdauer und starke Nerven.» Die geplanten Schlussaufführungen 2021 in Brugg hat Hofmann fürs Kulturhaus Odeon vorgesehen, Gespräche laufen bereits.

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