Lupfig/Birr

Klare Ziele: IBB plant einen Beitrag zu Gunsten der erneuerbaren Energie

Markus Sommerhalder (links) und Mateo Kreienbühl vor dem Planungsperimeter für Birr und Lupfig.

Markus Sommerhalder (links) und Mateo Kreienbühl vor dem Planungsperimeter für Birr und Lupfig.

Die Brugger Energieversorgerin IBB plant für Birr und Lupfig ein Fernwärmenetz. Dieses könnte ab 2023 realisiert werden. Noch ist das Projekt im frühen Planungsstadium.

Ab Herbst 2023 könnten die ersten Häuser in Birr und Lupfig durch den Wärmeverbund Naturenergie Eigenamt beheizt werden. An einem von rund 100 Personen besuchten Informationsanlass stellten Projektleiter Mateo Kreienbühl (IBB) und Markus Sommerhalder (CSD Engineers, Bern Liebefeld) das Projekt vor. Noch ist es in einem frühen Planungsstadium, doch die Ziele der Initianten und der beiden Gemeinderäte sind klar: Sie wollen einen Beitrag zu Gunsten der erneuerbaren Energie liefern, die regionale Wertschöpfung steigern, die Abhängigkeit vom Ausland senken, die CO2-Bilanz verbessern und Fossile Energie einsparen.

In den beiden Gemeinden wurde ein erster Perimeter für den Wärmeverbund ausgewiesen. Dazu kommen Erweiterungsgebiete und ein Entwicklungsgebiet. Denkbar sind aber auch Anschlüsse ausserhalb des Perimeters, konkretes kann aber erst aufgrund der weiteren Planung und des Anschlussinteresses gesagt werden.

Der CO2-Ausstoss kann reduziert werden

Die Heizzentrale soll beim künftigen Werkhof Birrfeld gebaut werden. Deren Heizkessel sollen mit Holzschnitzeln aus den Wäldern der Gemeinden beheizt werden. Mit ihnen soll Wasser auf eine Temperatur von zirka 75 bis 85 Grad Celsius erhitzt werden. Dieses Wasser, der Vorlauf, wird dann durch ein neues Leitungsnetz in die angeschlossenen Gebäude fliessen. Dort befindet sich jeweils ein Wärmetauscher. Die Temperatur wird auf das Heizungsnetz des Gebäudes übertragen. Bei diesem Vorgang wird das Wasser rund die Hälfte seiner Wärme abgeben und als Rücklauf in die Heizzentrale zurückfliessen.

Im Versorgungsperimeter Eigenamt wird die voraussichtliche Wärmelieferung an die Kunden 12'000 bis 16'000 MWh/a (Megawattstunden pro Jahr) betragen. Damit kann der CO2-Ausstoss gegenüber den beste­hen­den, meist auf fossilen Brennstoffen basierenden Heizungen, um rund 4000 bis 5000 Tonnen CO2 pro Jahr reduziert werden. Rund 85 Prozent der Wärme für das Netz soll mit Holzschnitzeln produziert werden, die restlichen 15 Prozent mit Erdgas. «Mit Erdgas werden die Spitzenzeiten abgedeckt», sagte Markus Sommerhalder.

Die Anlage wird vollautomatisch funktionieren

Der Umweltschutz hat beim Projekt einen sehr grossen Stellenwert. Deshalb muss auch die Asche des Verbrennungsprozesses fachgerecht entsorgt werden. Das gilt auch für die Feinstaubfilter. Sie werden einen grossen Teil der technischen Anlage ausmachen, wie eine Skizze der Präsentation zeigt.

Die Holzschnitzel werden zum grössten Teil aus dem Forstbetrieb der Gemeinden stammen. Je nach Aussentemperatur wird alle zwei bis sieben Tage ein Lastwagen neue Holzschnitzel bringen und ins Silo kippen. Von dort werden die Schnitzel automatisch in die Öfen transportiert. Die ganze Anlage wird vollautomatisch funktionieren. Durch spezielle Datenleitungen werden auch Informationen aus den Wärmetauschern der Kunden erhoben. Das erlaubt es, die Anlage optimal zu fahren.

Aus dem Zuhörerkreis wurde die Befürchtung geäussert, das Holz könnte nicht reichen. Dazu sagte ein Votant, das heute rund die Hälfte des Holzes zu Dumpingpreisen nach Indonesien ­exportiert werde. Sollten Holzschnitzel einmal knapp werden, könne auf die umliegenden Forstbetriebe zurückgegriffen werden. Mit Kunden wie dem Fernwärmeverbund erhalten die Forstbetriebe mehr Planungssicherheit. Um auch in Zukunft genügend Holzschnitzel liefern zu können, müssen sie entsprechend Jahre und Jahrzehnte voraus aufforsten.

Die Investition geschieht auf eigenes Risiko

«Für die IBB ist es das erste Projekt dieser Grössenordnung», antwortete Kreienbühl auf eine Frage aus dem Publikum. Bis im Herbst soll die Entwurfsplanung weitergeführt werden und vor allem beginnt die Akquisition von Kunden. Deren Erfolg ist eine Voraussetzung für die weitere Planung und insbesondere die Kalkulation. «Wir brauchen diese Daten für die Tarifmodelle», sagte Kreienbühl.

Das Geschäftsfeld Fernwärme wird von der IBB neu aufgebaut, der Anteil ist noch sehr klein. Weil dieser nach Überzeugung der IBB stark vergrössert werden muss, investiert das Unternehmen in das Projekt im Eigenamt. Vorerst geschieht das noch auf eigenes Risiko. Für die weitere Projektierung ist die IBB auf das Interesse der Bevölkerung angewiesen. Deren Zusicherung für einen Anschluss bringt die notwendige Planungssicherheit.

Für das Industriegebiet Lupfig prüft die IBB ein separates Fernwärmenetz. Es muss andere Bedingungen erfüllen, denn hier gibt es neben Betrieben die Wärme beziehen wollen, auch solche, die überschüssige Wärme abgeben wollen.

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