Immer wieder sind die mit dem markanten Schriftzug sowie dem auffälligen roten Vogel versehenen blau-schwarzen Fahrzeuge anzutreffen auf den Strassen im Raum Brugg: Vor gut zwei Monaten ist als Schweizer Premiere das Mobilitätsangebot «Kolllibri» lanciert worden, eine Mischung zwischen Postauto und Taxi. Ein Kleinbus, der via App über das Smartphone bestellt werden kann, bringt die Fahrgäste von Tür zu Tür – auf einer individuell gewählten Route und ausserhalb eines fixen Fahrplans. Unterwegs können weitere Fahrgäste zusteigen, die auf einer ähnlichen Strecke unterwegs sind. Der «Kollibri» wird also zu einer Art Sammeltaxi. Bezahlt wird mit der Kreditkarte, der Preis liegt im Bereich zwischen den Tarifen des öffentlichen Verkehrs und der Taxi-Anbieter.

Für das einjährige Pilotprojekt verantwortlich zeichnen Postauto mit den Partnern Amag und SBB in Zusammenarbeit mit dem Kanton Aargau, dem Bundesamt für Verkehr sowie den beiden lokalen Unternehmen Brugger Taxi und Taxi 24. «Wir sind sehr zufrieden mit dem Start», zieht Postauto-Mediensprecher Urs Bloch ein erstes Fazit. Der Betrieb funktioniere wie gewünscht, bei vielen Einwohnerinnen und Einwohnern der Region sei das Angebot inzwischen bekannt, von den Nutzerinnen und Nutzern gebe es fast ausnahmslos positive Rückmeldungen.

Beliebt sind Fahrten zum Bahnhof

Anklang finde das Angebot bei unterschiedlichen Personen, quer durch alle Altersklassen, stellt Bloch fest. Häufig seien Fahrten von und zum Bahnhof Brugg, beliebt sei das Angebot aber ebenso für den Ausgang am Freitag- und Samstag, für Freizeitaktivitäten oder Restaurantbesuche. Postauto habe viele konstruktive Feedbacks von Kundinnen und Kunden über die Chat-Funktion in der App erhalten. Diese würden berücksichtigt. So sei es jetzt beispielsweise auch möglich, Fahrten einige Tage im Voraus zu buchen. «Wir befragen demnächst Nutzer und Nicht-Nutzer von ‹Kollibri›, um noch genauer herauszufinden, was wir am Angebot weiter verbessern können», so Bloch.

Bisher wurde die «Kollibri»-App über 2500 Mal heruntergeladen, gebucht wurden über 600 Fahrten. Die Nutzungszahlen, räumt der Mediensprecher ein, seien noch auf einem eher tiefen Niveau. «Das haben wir aber so erwartet und die Zahlen steigen stetig an, was uns sehr zuversichtlich stimmt.» Ein solches völlig neues Angebot brauche eine gewisse Zeit, bis es die Kundschaft erreicht. Wenn die Nutzerzahlen weiterhin ansteigen, fügt Bloch an, werde auch die erwünschte Bündelung von Fahrtwünschen – das sogenannte Pooling – vermehrt erreicht.

Künftig soll stärker auf Beispiele hingewiesen werden, für die sich der «Kollibri» optimal eignet: morgens für eine entspannte Fahrt an den Arbeitsort, tagsüber für Einkäufe oder abends bei weniger guten öV-Verbindungen, kündigt Bloch an. «Um noch mehr Kunden zu gewinnen, sind wir auch auf Weiterempfehlungen von Personen angewiesen, die ‹Kollibri› bereits einmal genutzt haben.» Das Angebot eigne sich zudem gut für Firmen und Institutionen. Sie könnten eine Transportmöglichkeit sowohl für ihre Kunden als auch für die Mitarbeitenden anbieten, die nicht mit ihrem eigenen Auto unterwegs sind. Mit dem Paul-Scherrer-Institut (PSI) habe eine entsprechende Zusammenarbeit vereinbart werden können.

Das Angebot ist eine Ergänzung

Herausfordernd sei es in den ersten Wochen gewesen, den Fahrgästen den Unterschied zum Taxi zu erklären, blickt Bloch zurück. Das gelte etwa für die auf der App jeweils angezeigten Abfahrts- und Ankunftszeiträume. Von den Kunden sei eine kleine zeitliche Flexibilität gefordert. Ebenfalls gelten bei «Kollibri», ergänzt Bloch, elastische Preise, die nicht zu jeder Tageszeit gleich sind. Enttäuscht seien einige potenzielle Kunden gewesen, die ausserhalb des Einzugsgebiets wohnen und «Kollibri» nicht nutzen können. «Wir prüfen deshalb eine mögliche Erweiterung des Bediengebiets.»

In der Sendung «Schweiz aktuell» war «Kollibri» vor kurzem ein Thema. Die Gewerkschaft Syndicom äusserte Befürchtungen über einen möglichen Abbau von Postauto-Strecken oder schlechtere Arbeitsbedingungen für die Chauffeure. Bloch sieht das neue Angebot vielmehr als Erweiterung, nicht als Ersatz. «Zentral ist, dass es sich bei ‹Kollibri› um ein Pilotprojekt handelt, das dazu dient, Erfahrungen zu sammeln.» Wichtig sei überdies die Feststellung, dass die Kantone den öffentlichen Verkehr in einer Region definieren, bestellen und mitfinanzieren, ergänzt der Mediensprecher. «Sie entscheiden demnach, wo und zu welchen Zeiten der öV unterwegs ist.» Will heissen: «Kommt nun ein Kanton zum Schluss, dass er am Abend in einer peripheren Gegend auf Kurse des öffentlichen Verkehrs verzichten will, weil sie zu schlecht ausgelastet sind, so könnte ‹Kollibri› ein alternatives Angebot sein», hält Bloch fest. «Damit ist der Tür-zu-Tür-Shuttle eine ideale Ergänzung zum öffentlichen Verkehr und hilft, den Service public aufrecht zu erhalten.»