Stilli

«Lärm eines Weltuntergangs»: Anwohner ärgert sich über Autoposer bei der Aarebrücke

Im Bereich der scharfen Kurve bei der Steigung besteht eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 40 km/h.

Im Bereich der scharfen Kurve bei der Steigung besteht eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 40 km/h.

Um die Aarebrücke bei Stilli drücken Fahrzeuglenker offenbar immer wieder gerne zu fest aufs Gaspedal. In einem Leserbrief macht nun ein betroffener Anwohner seinem Ärger Luft. Wie im gesamten Kanton setzt die Polizei auf konsequente Kontrollen.

Es röhrt und dröhnt auf den Strassen: Hüben und drüben lassen Autoposer die PS-starken Motoren ihrer Boliden aufheulen, die Reifen quietschen und die Auspuffe knallen. Wie an vielen Orten im Aargau besteht dieses Problem auch um die Aarebrücke bei Stilli, hält Anwohner Enzo Schricker fest. Der Ort sei offensichtlich sehr geeignet, um eine gewaltige Geräuschkulisse zu erzeugen. Nach der scharfen Kurve bei der Steigung mit der Geschwindigkeitsbegrenzung auf 40 km/h, könnten die Fahrzeuglenker so richtig aufdrehen. In einem Leserbrief in der Zeitung «General-Anzeiger» spricht Schricker vom «Lärm eines Weltuntergangs».

Darüber hinaus, vermutet er, dürften Geschwindigkeiten von über 120 km/h erreicht werden. Dass es noch keine schlimmeren Unfälle gegeben habe, grenze an ein Wunder. Es könnte, lautet sein Vorschlag, in voller Länge eine Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h signalisiert werden, um für die Anwohner ein lebenswertes Dasein zu ermöglichen.

Die Polizei setzt auf konsequente Kontrollen

Die Aarebrücke bei Stilli ist der Kantonspolizei – im Gegensatz zu anderen Orten – zwar nicht als sogenannter Hotspot bekannt, sagt Sprecher Bernhard Graser. Aber es dürfte, räumt er ein, für gewisse Fahrzeuglenker ein Anreiz bestehen, aus der 40er-Zone heraus massiv zu beschleunigen. In Siggenthal-Station und Würenlingen sorgen Autoposer im Umfeld des Industriegebiets regelmässig für Lärmklagen.

Es komme immer wieder vor, dass in beide Richtungen stark beschleunigt werde bei der Aarebrücke, bestätigt Olivier Moser, Vizeammann in Villigen. In Bezug auf das doch hohe Verkehrsaufkommen seien es aber wenige, die negativ auffallen, schätzt er. Reaktionen von Anwohnern seien bei der Gemeinde bisher nicht eingegangen. Sicher aber dürfte, fügt der Vizeammann an, die 40er-Signalisation von vielen zu wenig beachtet werden. Vermehrte Kontrollen – samt Geschwindigkeitsbussen – könnten angebracht sein.

«Die Kantonspolizei Aargau und die aargauischen Regionalpolizeien richten ihren Fokus seit diesem Jahr noch stärker auf diese unerwünschten Autoposer, die bewusst Lärm verursachen, um auf sich aufmerksam zu machen», antwortet Bernhard Graser auf die Frage, wie dem Problem begegnet werden kann. Eine von mehreren Massnahmen seien konsequente Kontrollen auffälliger Fahrzeuge und regelmässige koordinierte Kontrollaktionen. «Stellt die Polizei fest, dass Lenker vermeidbaren Lärm verursachen, erfolgt die Verzeigung an die Staatsanwaltschaft. Besteht der Verdacht auf illegale technische Manipulationen, werden die Autos für vertiefte Abklärungen sichergestellt.»

«Wir dulden diese Auswüchse nicht länger»

Ein Patentrezept gegen solche Lärmimmissionen gebe es leider nicht, gibt Graser zu bedenken. Den betroffenen Anwohnern rät er, den Polizeinotruf 117 zu wählen, wenn unhaltbare Zustände vorherrschen – so zum Beispiel rund um einen Treffpunkt. Die Polizei könne dann zumindest Präsenz zeigen und die angetroffenen Personen «aus ihrer Anonymität holen». Bei einzelnen Autos dagegen, die lautstark vorbeifahren, mache es kaum Sinn, die Polizei anzurufen.

Kurz: «Vermeidbaren Lärm zu verursachen ist ein No-Go und wird konsequent geahndet», fasst der Polizeisprecher die Botschaft an die – oft jungen – Autofahrer zusammen. «Wer also meint, im Rennstreckenmodus oder mit illegalen Manipulationen die Auspuffe knallen zu lassen, muss mit einer Verzeigung rechnen. Gleiches gilt für lautstarke Beschleunigungsexzesse.» Seit diesem Jahr, ergänzt Graser, sei die Toleranzschwelle gesenkt worden, denn solche Auswüchse würden nicht länger geduldet.

Die Thematik sei im ganzen Kanton und darüber hinaus omnipräsent, fährt der Polizeisprecher fort. Der sonnige Frühling und Sommer sowie die Tatsache, dass aufgrund der Coronakrise viele Leute in der Schweiz geblieben seien, hätten die Dynamik sicher noch verstärkt, stellt ­Graser fest. Trotz aller Bestrebungen sei es allerdings eine ­Illusion zu glauben, dass die Polizei das Problem alleine aus der Welt schaffen könnte. So habe sie keinen Einfluss auf ­Faktoren wie das wachsende Verkehrsaufkommen, die Lärmvorschriften, die – zu einfache – Finanzierung von Luxus-­Sportwagen oder die fehlende Leistungsbeschränkung für Neulenker.

Autor

Michael Hunziker

Michael Hunziker

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