Bezirk Brugg

Leerwohnungen im Bezirk erreichen den Höchstwert

Die Arealis AG aus Baden, Vermarkterin der Neuwohnungen an der Hauptstrasse in Villigen, warb im Juni und Juli mit Mietzinssenkungen um Mieter.

Die Arealis AG aus Baden, Vermarkterin der Neuwohnungen an der Hauptstrasse in Villigen, warb im Juni und Juli mit Mietzinssenkungen um Mieter.

Spitzenreiter ist die Stadt Brugg. Der Regionaler Immobilienexperte Pascal Roth erklärt, ob nun eine Blase droht

Jedes Jahr per Stichtag 1. Juni veröffentlicht der Kanton Aargau die Anzahl der leerstehenden Wohnungen im Kanton. Kantonsweit gibt es 8437 leere Wohnungen, 537 davon befinden sich im Bezirk Brugg. Dies bedeutet eine Zunahme gegenüber dem Vorjahr von 171 (siehe Diagramm). Der Bezirk Brugg folgt damit dem kantonsweiten Trend zu immer mehr leerstehenden Wohnungen.

Als leerstehende Wohnungen werden gemäss Kanton «alle möblierten oder unmöblierten, bewohnbaren, leerstehenden Wohnungen, die zur dauernden Miete oder zum Kauf angeboten werden», definiert. Auch leerstehende, zur Vermietung oder zum Verkauf ausgeschriebene Einfamilienhäuser fallen in die Zählung.

In Villigen sind Neubauten feil

Am meisten Auswahl an leerstehenden Wohnungen im Bezirk hat man in der Stadt Brugg. Per Stichtag 1. Juni sind 100 Wohnungen leer, davon sind zehn Einfamilienhäuser. Am ehesten wird fündig, wer eine 4-Zimmer-Wohnung sucht. Davon gibt es in Brugg nämlich 37 leerstehende. Wohnungen mit mehr als sechs Zimmern, die noch auf Mieter oder Käufer warten, gibt es hingegen nur sechs. Auch in Birr sind Wohnungssuchende an der richtigen Adresse. Hier sind 99 Wohnungen frei, davon ebenfalls zehn Einfamilienhäuser. Am meisten Glück haben in Birr diejenigen, die eine 3-Zimmer-Wohnung suchen. Davon gibt es 43 leerstehende.

Auffällig ist in Villigen die Anzahl der leerstehenden Wohnungen in Neubauten. Die Statistik unterscheidet zwischen Neu- und Altbauten. Als Altbau gilt ein Gebäude, das vor mehr als zwei Jahren fertiggestellt worden ist. Ein Neubau ist somit ein Gebäude, das erst während der letzten zwei Jahre fertig gebaut wurde. Für Villigen weist die Statistik insgesamt 32 leerstehende Wohnungen auf, davon befinden sich total 23 in Neubauten, der Höchstwert für den Bezirk Brugg. Die Zahl ist aber mit Vorsicht zu geniessen, denn in der Statistik mitgezählt werden auch jene Wohnungen, die auf einen späteren Zeitpunkt bereits vermietet oder verkauft sind. Das ist bei kürzlich fertiggestellten Neubauten öfter der Fall.

Leerwohnungsbestand Bezirk Brugg

Leerwohnungsbestand Bezirk Brugg

Tatsache ist, dass in den unlängst fertiggebauten Mehrfamilienhäusern an der Hauptstrasse in Villigen noch Wohnungen frei sind. Die Vermarkterin der Wohnungen, die Arealis AG aus Baden, hat im Juni und Juli mit Mietzinssenkungen versucht, auf ihre freien Wohnungen aufmerksam zu machen.

Am anderen Ende der Skala stehen diejenigen Gemeinden, in denen es keine einzige freie Wohnung gibt. Das ist in Effingen, Habsburg und Rüfenach der Fall. In Thalheim ist per 1. Juni 2018 immerhin eine 3-Zimmer-Wohnung frei, in Elfingen hat man die Qual der Wahl mit 3 leerstehenden Wohnungen.

Betrachtet man die Bestände der Leerwohnungen über die letzten neun Jahre hinweg (siehe Diagramm), lässt sich feststellen, dass die Leerwohnungsbestände im Bezirk Brugg kontinuierlich anwachsen. Nur in den Jahren 2016 und 2017 gab es gegenüber dem Vorjahr einen leichten Rückgang. Dieses Jahr erreichte die Anzahl der Leerwohnungen mit 537 den vorläufigen Höhepunkt.

Bedarfsanalyse ist wichtig

Pascal Roth, Geschäftsinhaber der André Roth AG in Baden, erklärt sich den kontinuierlichen Anstieg der Leerwohnungen mit der Attraktivität des Bezirks. «Der Bezirk Brugg ist in den letzten Jahren vermehrt in den Fokus von Immobilieninvestoren geraten», so Roth.

Dies ist der guten Erreichbarkeit der Gemeinden im Bezirk zu verdanken sowie der Tatsache, dass sich, etwa in Brugg, grosse Firmen, Detaillisten sowie Ausbildungsstätten angesiedelt haben. Die starke Bautätigkeit in der Region fiel aber laut Roth just in den Zeitpunkt einer rückläufigen Nettozuwanderung, was nun zu den leeren Wohnungen respektive zu längeren Vermarktungszeiten geführt hat.

«Die Leerbestände werden uns sicher noch ein paar Jahre beschäftigen», sagt Pascal Roth. Er ist aber davon überzeugt, dass Gemeinden wie Brugg, Windisch oder Hausen ihre Leerwohnungsbestände auch wieder abbauen können. Wichtig sei, dass in den Gemeinden weitere Bautätigkeiten sorgfältig geplant und gezielt auf zukünftige Nutzer ausgerichtet sind, so Roth. «Wenn das Geld künftig gezielt und spezifisch auf absehbare gesellschaftliche Veränderungen hin investiert wird, wird auch die Gefahr einer Blase kleingehalten», sagt der Immobilienexperte.

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Autor

Larissa Hunziker

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